Während wir vor einiger Zeit über eine Untersuchung heidnischer Todtenhügel in der Oberpfalz Nachricht gaben, die in Bezug auf die allgemeinen dabei zu Tage tretenden Verhältnisse zwar interessant, doch arm an faſsbaren Ergebnissen war, haben wir gegenwärtig von einer solchen zu berichten, die rücksichtlich des letzten Punktes besondere Beachtung verdient. — In nordwestlicher Richtung von der Stadt Sulzbach, eine Stunde entfernt, liegt die Staatswald-Abtheilung „Peuthenthal“. Zur Herstellung der Holzabfuhrwege wurde daselbst im Laufe dieses Herbstes ein Hügel abgetragen, der das nöthige Steinmaterial zu bieten schien. Dieser Hügel hatte eine kreisrunde Form. Seine Basis hatte bis zu 4 Fuſs Höhe einen Bestand von groſsen, unbehauenen, eisenhaltigen Kalksteinen, welche, ohne Mörtelverband, einfach eingelegt waren. Oberhalb des Steinlagers stieg der Hügel gewölbartig auf, während seine Spitze sich muldenförmig eingesunken zeigte. Gleichwohl stieg der Rücken des Hügels bis auf 9 Fuſs Höhe; sein Umfang betrug etwa ein Zwölftel eines Tagewerks.
Ausgegrabenes irdenes Gefäß
Nachdem die Steine rings umher entfernt waren, wurde bis in die Mitte des Hügels vorgedrungen, wobei nur weiſser Flugsand, wie solcher die ganze, mit Föhren besetzte Waldfläche bedeckt, aber kein weiterer Stein zum Vorschein kam. In senkrechter Richtung unter der muldenartigen Einsenkung, in der tiefsten Lage des Hügels fanden sich indeſs Trümmer von verschiedenen irdenen Gefäſsen, sowie zwei Urnen, welche jedoch beim Ausgraben ebenfalls zerbrachen. Auſserdem kamen eine bronzene Brustnadel zu Tage, in deren Form man die Gestalt eines Schwans erblicken könnte, sowie ein äuſserst merkwürdiges Gehänge von fünf groſsen Bronzeringen, die bis auf einen auf der vorderen Seite mit eingravierten Strichverzierun gen ausgestattet, eiförmig, am spitzen Ende geöffnet, in einander passen und von einem runden, geschlossenen und mit wiederkehrenden Profilierungen versehenen Ringe gehalten werden. Ein Häuflein Asche, das, mit Kohlen untermischt, dabei gefunden wurde, zeigte sich, wie gewöhnlich, anfangs als schwarze, fett anzufühlende Erde, offenbarte aber in getrocknetem Zustande bald den organischen Ursprung.
Bronzenes Gehänge
So weit der Bericht der Augenzeugen. Ueber die vorliegenden Gegenstände selbst, die wir hier in Abbildung geben, noch Einiges zu sagen, dürfte insofern gerechtfertigt erscheinen, als einerseits gerade bei Gegenständen aus diesem Bereiche des Alterthums oft die unmittelbare Handhabung derselben nöthig ist, um sich eine Vorstellung über ihre ursprüngliche Bedeutung zu machen, andrerseits ja nicht selten eine dargelegte Vermuthung durch erregten Widerspruch zur Einsicht führt. Was hier gesagt, gilt zwar nicht in Bezug auf die angeführte Urne und die Brustnadel. Formen, die, wie bei der letzteren, entfernt eine Thiergestalt nachahmen, kommen sehr häufig vor, und in Bezug auf die erstere lassen die scharfe, schöne Profi lierung, sowie das einfache, doch charakteristische Ornament über ihre Verwandtschaft oder ihr Herkommen kaum in Zweifel. Wir bemerken hier nur noch, daſs die Urne aus blaſsroth gebranntem Thon besteht.
Schwieriger dürfte es sein, das aus den sechs Ringen zusammengesetzte Gehänge zu erklären. Dieselben wurden ohne Zweifel für die Ineinanderfügung, in welcher sie gefunden sind, gefertigt. Denn jeder einzelne Ring — der gröſste derselben miſst im Längendurchmesser 8″ Par. Mſs. der kleinste 5″ Par. Mſs. — konnte bei seiner ovalen, oben zugespitzten Form nicht die Bedeutung haben, die man sonst diesen Ringen und Reifen beilegt, den Kopf, Arm oder Bein zu schmücken und zu schützen. Wie aber wurden sie in ihrer Zusammenstellung getragen? — Etwa platt auf der Brust, um so ein Stück eines Panzers zu bilden? — Unglücklicher Weise liegen sie eben nicht platt; denn nicht nur hat der kleinere, die gröſseren zusammenfassende Ring fortwährend das Bemühen, die von den letzteren gebildete Ebene senkrecht zu durchschneiden, sondern auch diese sinken mit ihren oberen Enden neben einander und spreizen sich hängend entweder oben oder unten. In Verfolg einer Absicht, wie die oben berührte, würde man zweckmäſsiger zu Werke gegangen sein. — Versucht man die Ringe auf den Kopf zu legen, um sie etwa hier als Schutz dienen zu lassen, so fügen sich zwar drei in passenden Abständen an; drei hängen und starren aber als unauflösliche Räthsel umher. Jede andere Auskunft, den Zweck dieser Ringe zu erklaren, stöſst auf Schwierigkeiten, die in ihrer Eigenthümlichkeit begründet liegen, so daſs man endlich auf den Gedanken geführt wird, ihnen jeden weiteren Zweck abzusprechen, den sie nicht auch in sich, d. h. in der Kostbarkeit, welche man ihnen für ihre Zeit zuerkennen muſs, beschlossen. Unseres Wissens ist das in den alten Dichtungen so auffallend hervortretende Moment, der Werth, der den Schätzen als solchen beigelegt wird, um deren bloſsen Besitz so manche Gefahr bestanden, so manche Mühe aufgewendet wurde, dahin der Führer und Hortbewahrer höchstens einen Griff that, um ausgezeichnete Verdienste zu belohnen, auf die Ausgrabungen und wirklich vorhandenen Schätze noch nicht angewendet worden. Wäre eine solche Erklärung nicht so auſserordentlich leicht, so dürfte sie bei manchen noch nicht enträthselten Stücken, wie bei dem Münchener goldenen Hute u. a., ebenso willkommen sein.
Unser Gehänge ist so eingerichtet, daſs jeder einzelne Ring vermöge seiner oben befindlichen Oeffnung durch leichten Ruck aus dem geschloſsenen und dem ganzen Verbände gelöst werden kann. Sollte nicht auch die Absicht dagewesen sein, sie für bestimmte Fälle daraus lösen zu lassen? — Der besprochene Fund fällt zwar ohne Zweifel in eine Zeit, welche der des Nibelungenhortes vorangieng, doch sicher auch in eine spätere Epoche und in so entwickelte Verkehrsverhältnisse, worauf auch das abgebildete Gefäſs hinweiset, daſs die Sitte, theilbare Werthstücke mit sich zu führen, gewiſs mit einiger Wahrscheinlichkeit vorausgesetzt werden kann.
v. E.
Die Sprichwörtersammlung des Friedrich Peters.
Von Subrektor J. Franck zu Annweiler.