Der erste Vorstand des Museums hat im verflossenen Monat zwei kostbare Codices, ein Missale vom Schlusse des 13. Jahrh. mit sehr vielen Initialen und 23 groſsen Miniaturbildern, die zu den schönsten ihrer Zeit gehören und, wie ein Vergleich mit österreichischen Kunstwerken jener Zeit zeigt, österreichischen Ursprungs sind, sowie ein Gebetbuch vom Schlusse des 15. Jahrhunderts, das niederländischen Ursprungs ist und eine groſse Zahl äuſserst zarter und schöner Miniaturen aufweist, bei einem hiesigen Antiquar getroffen, der dieselben nach Frankreich gehen lassen wollte. Der Preis von 900 fl., welcher für beide Codices gefordert wurde, war für das Museum, das noch unter dem Eindrucke der Calamität dieses Jahres zu leiden hat, unerschwinglich. Um jedoch diese Schätze für Deutschland zu erhalten, hat sie der I. Vorstand auf eigene Rechnung mit der Absicht gekauft, durch eine Sammlung den Betrag dafür aufzubringen, und sodann die zwei Codices als gemeinsames Geschenk aller Beitragenden dem Museum zu übergeben. Mit Genehmigung des Hrn. Landgerichts-Assessors v. Cuny in Cöln wurde ein von ihm stammendes Depositum von 157 fl. 20 kr. (als Rest seines früheren Geschenkes) dazu verwendet, und der genannte Herr spendete auſserdem noch 175 fl. dazu. Ferner trugen dazu bei: Hr. App.-Gerichtsrath A. Reichensperger in Cöln 8 fl. 45 kr., Hr. k. Baurath Statz in Cöln 5 fl. 15 kr., Hr. k. k. Oberbaurath und Dombaumeister Fried. Schmidt in Wien 11 fl 40 kr.; Herr Prof. Ferstel, Architekt der Votivkirche in Wien 11 fl. 40 kr, Herr Architekt L. Heinrich, Lehrer an der polytechnischen Schule zu Karlsruhe 3 fl. 30 kr., der Minoritenordenspriester P. Alexander Lener zu Padua 100 fl., der fürstl. hohenzollern’sche Hofrath und Bibliothekar Dr. Lehner in Sigmaringen 5 fl., der I. Vorstand 40 fl. 30 kr. Nachdem zwar der Kaufpreis in Anbetracht des Zweckes von 900 fl. auf 800 fl. ermäſsigt worden, bleibt doch noch immer ein bedeutender Rest zu tilgen, und der I. Vorstand erlaubt sich daher Freunde der Kunst und des Museums zu Beiträgen für diesen werthvollen Erwerb einzuladen.
Neue Beitrage wurden während der letzten vier Wochen folgende gezeichnet:
Von öffentlichen Kassen: Stadtgemeinde Guſsnitz 3 fl. 30 kr.
Von Privaten: Aha: Pfarrer Wucherer 10 fl. (einm.); Alzei: Dr. Kolbeck, prakt. Arzt, 1 fl; Berlin: Kapellmeister Ludwig Erk 7 fl. (einm.); Donauwörth: Magistratsrath J. N. Kremer 2 fl. (einm.); Eichstätt: Officiant Christian Burckhardt 1 fl., Buchhändler Heinrich Hugendubel 1 fl., Kaufmann Mayer Dachauer 1 fl., Franz Xaver Obel, k. Stiftungsadministrator, 1 fl., Georg Otto Wappenschmitt, k. Postassistent, 1 fl.; Eisenach: Fabrikant Sälzer 3 fl. 30 kr.; Hanau: Metropolit und Schulvorsteher Calaminus 1 fl. 12 kr. jährlich u. 15 kr. (einm.); Nördlingen: Pfarrvikar Wilhelm Rüdel 1 fl. 45 kr.; Nürnberg: Kunstschüler F. Kolbe 1 fl. 45 kr.; Reutlin gen: Assessor Kolb 1 fl. 10 kr.; Schwerin: Revisor Fr. Faul 1 fl. 45 kr., Gymnasiallehrer Dr. Regel 1 fl. 45 kr.; Staffelstein: Peter Batz, Gemeindevorsteher in Ebensfeld, 30 kr. (einm.), Kaufmann Karl Dinkel in Ebensfeld 30 kr. (einm.), Oskar Fritsche, Gutsbesitzer in Kutzenberg, 1 fl. (einm.), Dr. Balthasar Fuchs, prakt. Arzt, in Ebensfeld 1 fl., Pfarrer und Distriktsschulinspektor Raab in Rattelsdorf 1 fl. (einm.)
Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:
I. Für das Archiv.
Dr. Freih. von Löffelholz, fürstl. Oetting. Wallerstein. Domanial-Kanzleirath, in Wallerstein:
3371. 3 Stück Inventare und Theilzettel über den Nachlaſs des Wilh. Barthol. Peller in Nürnberg. 1645 bis 1670. Pap.
3372. Abschiede von Unterthanen und Dienstleuten etc. 17. u. 18. Jahrh. Pap.
3373. Reise- und Transportpässe aus dem 17 u. 18. Jahrh. Pap.
3374. Kaufbriefe, Schuldscheine u. dergl. aus dem 17. u. 18 Jahrh. Pap.
3375. Etliches aus Criminalakten. 17. u. 18. Jahrh. Pap.
Dr. Barack, fürstl. Hofbibliothekar, in Donaueschingen:
3376. Tauschvertrag König Karls des Dicken mit Bischof Liutward (v. Vercelli). 880. Nebst einem Confirmationsbrief des Königs Arnulf über genannten Tauschvertrag dd. 888. Perg. Cop.
3377. Schenkungsbrief des Königs Rudolf für den Bischof Remboto v. Eichstätt über den Wildbann im Stainberger Forst. 1286. Perg.
3378. Dispensation des päpstl. Legaten Petrus für Waller von Aw. 1414. Perg.
Freiherr v. Lützelburg, k. Staatsanwalts-Vertreter in Eichstätt:
3379. Legitimationsbrief für Catharina Beckin. 1716. Perg.
II. Für die Bibliothek.