BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
1866.
Nº 12.
December.
Chronik des germanischen Museums.
Nürnberg, den 15. Dec. 1866.
Wir haben an die Spitze der letzten Chronik dieses Jahres die höchst erfreuliche Mittheilung zu stellen, daſs Se. Majestät der König Ludwig II. von Bayern während seines mehrtägigen Besuches in Nürnberg dem Museum, in Begleitung des Prinzen Otto, die Ehre eines längeren Besuches schenkte und nicht blos die Sammlungen besichtigte, sondern auch den Repertorienarbeiten seine Aufmerksamkeit zuwendete. Das eingehende Interesse, welches der König für das Museum und dessen Gedeihen an den Tag gelegt, läſst uns die frohe Hoffnung hegen, daſs Se. Majestät demselben ein wohlwollender Gönner sein werde. Unsere Nationalanstalt hat in Bayern eine Heimat, hat daselbst Grund und Boden gewonnen; wohlwollende Förderung von Seite der erlauchten Fürsten und der Regierung dieses Landes haben es möglich gemacht, daſs das Institut sich frei und unabhängig bewegen konnte, und daſs es demgemäſs die Resultate erreichte, die jetzt die Hoffnung auf eine schöne Zukunft gestatten. Es ist daher auch Pflicht unserer Anstalt, keine Gelegenheit vorübergehen zu lassen, um den Dank für den gütigen Schutz auszusprechen und um dessen Fortdauer zu bitten.
Aber auch der übrigen Fürsten Deutschlands und ihrer hohen Regierungen, die uns so reichliche materielle und geistige Förderung unserer Zwecke zu Theil werden lieſsen, haben wir in Dankbarkeit zu gedenken. Auch an sie richten wir die Bitte, in Zukunft eben so wohlwollende Gönner und Förderer der Nationalanstalt zu sein. Endlich haben wir am Schlusse des Jahres Dank zu sagen den Tausenden aus allen Klassen des deutschen Volkes, die das wissenschaftliche Nationalinstitut durch ihre Thätigkeit, durch Geschenke für die Sammlungen, wie durch Geldbeiträge förderten. Mögen auch sie stets eingedenk sein, daſs dieses Institut, auf dem Boden der Wissenschaft begründet, ein mächtiges geistiges Einheitsband ist!
Speciellen Dank haben wir abzustatten Sr. Majestät dem Könige von Sachsen, der seinen seitherigen Jahresbeitrag von 200 Thlr. auf drei weitere Jahre zugesagt hat. Aus mittelfränkischen Kreisfonds wurde dem Museum ein Beitrag von 375 fl., aus oberbayerischen von 250 fl., aus oberpfälzischen von 50 fl. übermacht. Herr Banquier Federer in Stuttgart, welcher eine 4% bayerische Obligation als Depositum für die Aktiengesellschaft gegeben hatte, hat auf diese verzichtet; sie wurde zur Minderung der v. Aufseſs’schen Schuld dem Herrn H. v. u. z. Aufseſs übergeben.
Das herzogl. braunschweigische Staatsministerium hat einen Gipsabguſs des berühmten bronzenen Löwen auf dem Burgplatze zu Braunschweig, der heuer sein 700jähriges Jubiläum feierte, für die Kunsthalle des Museums durch Bildhauer Howaldt anfertigen lassen. Se. Durchlaucht Fürst Friedrich Karl zu Hohenlohe-Waldenburg, der unsern Anzeiger häufig durch seine gediegenen Aufsätze erfreute, hat dem Museum 150 Exemplare seines Schriftchens: „Die deutschen Farben: Schwarz-Gold-Roth, und die historische Berechtigung der rothen Farbe im deutschen Banner“ zum Verkaufe überlassen (vgl. die Anzeige am Schlusse). Wir machen hier mit Genehmigung Sr. Durchlaucht die Bemerkung, daſs die fragliche Schrift schon im verflossenen Frühjahre gedruckt wurde, also schon ehe der letzte Krieg in Aussicht stand, und daſs sie keinerlei Bezug auf irgend welche politische Frage hat, sondern rein historischer Natur ist.