Im ersten Werke ist der Verfasser jedoch nicht bei der Betrachtung des Mitteltalters allein stehen geblieben, er hat auch die Zeit des Verfalles nach demselben eingeschlossen und der Regeneration in neuester Zeit einige Worte gewidmet. Man mag im Allgemeinen über die Stilfrage für unsere Zeit denken wie man will, auf diesem Gebiete wird kaum Jemand bestreiten können, daſs die Renaissance, welche nur in der Frühzeit ihrer Blüthe einiges Bemerkenswerthe geleistet, eine Zeit des Verfalles ist, der sich noch bis in die neueste Zeit fortschreitend zeigte, bis endlich die priesterlichen Gewänder sowohl hinsichtlich der Form, als des Stoffes auf eine Stufe herabgesunken waren, daſs ein tieferer Verfall geradezu undenkbar war. Auf diesem Gebiete ist also jedes Zurückgreifen auf die Vorzeit als ein Fortschritt von Allen zu begrüſsen, und es wird sicher sehr dankbar anerkannt werden, daſs der gelehrte Verfasser auch den Neuschöpfungen seine Aufmerksamkeit zuwendet. Gerade in solchen Neuschöpfungen im Geiste des Alten ist der Maſsstab für die richtige Erkenntniſs des Alten gegeben; und da möchten wir behaupten, daſs überall da, wo nicht direkte Copieen gemacht worden sind, der Geist noch nicht vollständig erfaſst ist. Wir behaupten dies nicht blos von den Bock’schen Vorlagen im genannten dritten Werke, wir behaupten es auch von allen ähnlichen Versuchen, des Berichterstatters eigene mit inbegriffen, daſs sie eine vollständige Befriedigung nicht gewähren, und daſs sie zeigen, noch tieferes Eingehen in den Geist des Alten sei unsern Gelehrten und Künstlern anzurathen.

Im letzten der in der Ueberschrift genannten Werke behandelt der Verfasser den Dom zu Aachen und seine reichen Schätze. Der vorliegende erste Theil des ersten Bandes, mit 64 groſsen Holzschnitten geschmückt, gibt die Abbildung und Beschreibung der antiken, altchristlichen, byzantinischen urtd romanischen metallischen Kunstwerke bis zur Mitte des 13. Jhdts. Der zweite Theil soll die metallischen Kunstwerke von der Mitte des 13. Jahrh. bis zum 16. Jahrh. behandeln. Der zweite Band wird der Architektur gewidmet sein und im ersten Theile das karolingische Octogon, im zweiten die romanischen und gothischen Anbauten betrachten. Mit gewohnter Sachkenntniſs behandelt der Verfasser im vorliegenden ersten Theile die interessanten Objekte, für die er nicht blos eine Würdigung der Form gibt, sondern auch deren kunstgeschichtliche Bedeutung betrachtet. Wir finden nur unser Gefühl etwas verletzt, daſs nicht der Architektur der erste Band gewidmet ist, da einmal bei einer Betrachtung der Pfalzkapelle doch diese selbst, und nicht die zufällig darin befindlichen beweglichen Stücke in erste Linie hätten gestellt werden sollen. Hätte der Verfasser nur die Bezeichnung der Bände verwechselt, so würden wir uns nichts daraus gemacht haben, daſs der zweite Band zuerst an’s Licht tritt.

Essenwein.

Aufsätze in Zeitschriften.

Art-Journal: Nr. 59 (Nov.) Mediaeval illuminations.

Das Ausland: Nr. 45. Gesellschaftliche Zustände im Mittelalter. — Rennthierreste am Bodensee.

Daheim: Nr. 8. Ostfriesische Lebensbilder. I. Das Wettspinnen. II. Das Klootschieſsen. (Herrn. Meier.)

Illustr. Familien-Journal: Nr. 50 (680). Ein deutscher Malermeister (Hans Holbein). — Nr. 51 (681). Die Marienburg in Preuſsen.

Grenzboten: Nr. 46, S. 248. Ein (provenzalischer) Sittenroman des dreizehnten Jahrhunderts (Flamenca). (Adolf Tobler.)

Deutsche Kunstzeitung: Nr. 43 f. Die Domsakristei zu Köln.