103) Ein Topf mit einer Menge kleiner Silbermünzen aus dem Ende des 12. Jahrhunderts ist bei Wielun in Polen auf einem Kartoffelfelde gefunden worden. Die Geldstücke rühren aus der Zeit Boleslaw’s des Schiefmäuligen, Waldislaw’s II. und Boleslaw’s IV., ein kleiner Theil aus noch älterer Zeit her. Ausländische Münzen befanden sich nicht darunter, woraus zu schlieſsen ist, daſs zu jener Zeit nur polnisches Geld in Polen gangbar war, während bei anderm gefundenen Gelde, das noch um 150 Jahre älter war, fast nur ausländische Münze vorkam. Die Münzen sind so klein daſs 97 auf ein Loth gehen; es sind deren im Ganzen 8–9000 Stück.
(Ill. Ztg.)
104) In den Archiven des Leipziger Rathhauses ist kürzlich ein Bruchstück des sogenannten „ Jüngeren Titurel,“ eines altdeutschen Heldengedichtes von Albrecht von Scharffenberg (um 1270), aufgefunden worden. Die zwölf vortrefflich erhaltenen Pergamentblätter in Folio, die jetzt noch die Umschläge von 6 Aktenfaszikeln bilden, dürften ungefähr sechshundert siebenzeilige Strophen enthalten.
(Ill. Ztg.)
105)
Ueber die Haltung des Bischofsstabes bei Darstellungen von Bischöfen in mittelalterlichen Kunstwerken.
Gelegentlich eines in England geführten gelehrten Streites über die Frage, in welche Hand der Künstler einem Bischof den Stab zu geben habe, wurde das germanische Museum um eine Erklärung darüber ersucht, wie sich diese Frage durch Betrachtung der Denkmäler der Vorzeit entscheide.
Die Durchsicht des Materials, welches die Kunstsammlung des germanischen Museums in Originalen, Gipsabgüssen und Abbildungen besitzt, ergab folgendes Resultat:
A. Grabmäler.
Gottfried de Pisenburg, Bischof zu Würzburg, im Dome zu Würzburg († 1190), hält den Stab in der Rechten.