Im Anschluſs an Haupt’s Zeitschrift IX, 374 ff. hat Leverkus ebendaselbst XI, 374 f. die Hypothese Zarncke’s (die beiläufig durch Barckhusen’s sonstige Schriftstellerei widerlegt wird), daſs Barckhusen Verleger und Verfasser der Lübecker Ausgabe des Reineke von 1498 sei, dadurch zu stützen gesucht, daſs in Vers 6168 „de abbes van Slukup “ und 6712 „vele mesters van Krummesse “ auf Ortschaften in der Nähe von Lübeck hingedeutet werde. Dasselbe Argument, gegen welches wir unseren Theils Hoffmann’s Erklärung als einzig berechtigte festhalten, findet sich bereits in Mantzel’s Bützow’schen Ruhestunden 22 (1765), S. 49, mit folgenden Worten: „Es bestärken mich (sc. über den plattdeutschen Character des R.) die geographischen Stellen, von Slukup und Krumesse, welche Oerter nemlich ohnweit Lübeck belegen, und deren letzteres, bloſs um des Reims willen, angebracht.“
Mantzel erwähnt überdies, daſs der eigentliche Name des ersten Ortes, nicht Slukup, sondern Slutup sei. Schon das hätte die ganze Annahme zurückzuweisen genügen sollen.
Schwerin.
Fr. Latendorf.
Des Hanns Frey Schwieger.
„Frau kungund Wilhelm Rumels deß eltern seligen verlassene wittib hat bekant, das sie fraw kungunden leonharten halbgewachssen eeliche wirttin, vnnd Junckfraw katherina Iren töchtern zw rechter vrtat vnd aigenschafft frey williglich auch endtlich vnwiderrufflich, In dem allerbesten form vnd Rechten für allermenigklichs widertailen vnd absprechen von hannden In ir baider gewalt vnnd hannden zu gleichem tail auff vnd vbergeben hab alle Ire schlayr, paternoster, auch ettliche perlin vnd perlin gesmuck, wie die genant oder gehaissen sein, vnnd sich der gegen Ine entlich enttewssert vnd verzigen, Also das nu füro ir yede mit Irm tail daran thun vnd lassen mag, wie vnd was sie woll vngehindert von menigklich, vnd Insonnder von Annen Hannsen freyen eelicher wirttin, irer tochter, vnd Iren erben, Dann sie derselben Irer tochter vormals In solichen dingen mer vnd bessers gegeben hett, dann der vorgenannten Irer tochter annen von den vorgemelten stücken zu irem tail werden möcht. Vnnd nachdem sie der gedachten frawen kungunden halbwächssin Irer tochter zwayhundert guldin heyratgelts entricht vnd bezalt hat, Ob dann dieselbig Ir tochter In ir hab zu erben vermaint, das sie dann solich 11 c f. einwerffen solt oder aber so lang stillsten, biß der andern swester 11 c f. auch volgen vnd werden. Testes Niclas Coler vnd Endres von watt. Actum 3 a sant Gregorien abent In der vasten A o lxxx viii.“ (11. März 1488.) — Gerichtsbuch Literarum 5, fol. 39 b. Stadtarchiv zu Nürnberg.
Die Ausstellerin dieses Briefs war eine Hallerin von Bamberg und zufolge eines handschriftlichen Stammbaums der Rumel, in welchem sie aber Anna heiſst, Tochter Georg Haller’s von Bamberg und Magdalena Eisvoglin. Ihr Bruder Anton Haller war Bürger zu Nürnberg, Genannter des gröſsern Raths und Richter zu Wöhrd. Diese Haller hatten mit den patriziatischen Hallern nichts gemein als den Namen; sie waren vielmehr ein Seitenzweig der Münzmeister, von denen Günther Münzmeister zwischen 1418 und 1423 hier zu Rathe gieng, und führten deshalb auch ganz dasselbe Wappen, das bei den Münzmeistern im Geschlechter buch von 1610 abgebildet und z. B. von Seite Anton Haller’s bei einem das Haus S. 1 betreffenden Brief vom 1. Mai 1490 angehängt ist, wo er nebst Berthold Deichsler als Genannter erscheint. In Roth’s Genanntenbuch ist Anton Haller nicht zu finden. Seine Tochter Magdalena war Dr. Hartmann Schedel’s zweite Frau. Der Mann der Kungund Rumelin war Wilhelm Rumel, älterer Bruder Heinrich Rumel’s und der seit 1444 mit Hanns Pömer verheirateten Brigitte Rumelin. Nach ihrer Eltern, Wilhelm Rumel’s und Anna Tetzlin, Tod theilten die drei Geschwister am 13. Mai 1457 den Nachlaſs, wobei aber wol Hanns Pömer, der Brigitte Ehewirt, aber von Seite der Bruder keine Frau namhaft gemacht wird. Die damals dem Wilhelm Rumel zugefallene Eigenschaft eines Hauses in der Fröschau, jetzt S. 166, verkauften die beiden Eheleute am 15. Sept. 1486 an Daniel Ulmer. Der sich an diesem Hause, das noch den Kaufbrief besitzt, hinziehende Hof, eigentlich eine Sackgasse mit überwölbtem Eingang, heiſst mit nur geringer Entstellung des alten Namens der Rümeleinshof. Wilhelm Rumel, der seinen Vettern, auch seinem Bruder Heinrich, der aus seiner Ehe mit Cäcilia Meichſsnerin keine Nachkommen verlieſs, ihre Anrechte auf Lonnerstatt abgekauft und dieses von der Krone Böhmen zu Lehen rührende Besitzthum seinen Söhnen Wilhelm, Heinrich, Georg und Joseph abgetreten hatte, welche daher am 26. Sept. 1480 von König Wladislaus damit belehnt wurden, starb 1487. Zur Heirat seiner zweiten Tochter Kungund mit Leonhard Halbwachsen oder Halbgewachsen, Conzen Halbgewachsen’s Sohn, hatte der Rath für den 15. Jan. 1488 das Rathhaus bewilligt. Er gehörte zu der reichen und geachteten Familie dieses Namens, die einen bedeutenden Handel mit ausländischen süſsen Weinen betrieb und ihr Geschäftshaus in S. 530 hatte, aber auch in andern Theilen der Stadt, auf der Füll, in der Judengasse etc. vorübergehend wohnhaft war. Die Gewährung des Rathhauses zur Hochzeitfeier verdankte jedoch das Brautpaar nicht sowohl dem Reichthum des Bräutigams als der Vornehmheit der Braut. Er findet sich noch 1493 als „Conrad Halbgewachsen sel. Geschäfts und Kinder Vormund“ nebst Hanns Milla, muſs aber in einem der nächsten Jahre gestorben sein, da seine Wittwe schon am 9. Jan. 1497 als Jacob Sauerzapf’s Ehefrau erscheint und gemeinschaftlich mit ihrer jüngern Schwester Katharina, damals auch bereits Wittwe von Bartholomäus Knebel, den ihnen beiden gehörenden Tafelhof an Endres, Georg und Peter die Hornunge, Gebrüder, um 340 fl. verkaufte. Die „Sauerzäpfin“ ist auch auf beiden Tanzladzetteln von 1506 und 1508 (den ältesten, die, soviel man weiſs, auf die Gegenwart gekommen sind) eingetragen, auf dem erstern mit ihrer Schwester „Löffelhölzin“, auf dem andern auch mit ihrem Bruder Joseph. Die Geschwister wohnten, wie man sieht, beisammen. Aus der ersten Ehe der Kungund Rumelin scheinen keine Nachkommen entsprungen zu sein, wie denn auch der Name der Halbgewachsen schon im Anfang des 16. Jahrh. erlosch und sich zunächst nur an dem Hause S. 530 erhielt, welches z. B. 1515 als „Haus zum Halbgewachsen genannt“ urkundlich vorkommt. Aus der zweiten Ehe ist namentlich eine Tochter Ursula bekannt, welche im Jan. 1523 den schon ziemlich bejahrten Wolf Pömer und, durch seinen im Dec. erfolgten Tod Wittwe geworden, den Dr. Christoph Gugel heiratete. — Dem Geschick der jüngsten Rumelischen Tochter Katharina lieſse sich vielleicht eine romantische Seite abgewinnen. Beim Tode ihrer Mutter, die am Samstag 31. Mai 1488 noch einen Brief ausstellte, aber am Montag 10. Nov. nächstfolgend selig, d. h. verstorben, genannt wird, noch ledig, heiratete sie am 20 Jan. 1490 den reichen Bartholomäus Knebel, der schon drei Frauen gehabt und nur mit der dritten, Anna Hübnerin, eine Tochter, auch Anna genannt, erzeugt hatte, die schon seit 1484 mit Wolf Haller, des bekannten Losungers Ruprecht Haller’s Sohn, verheiratet war. Die vierte Ehe Knebel’s dauerte nur etwa ein Vierteljahr, da schon am 10. April 1490 Wolf Haller in die durch seines Schwähers Tod erledigte Gassenhauptmannsstelle eintrat. Die junge, kinderlose Wittwe lernte in dieser Zeit ihres Wittwenstandes Thoma Löffelholz, Wilhelm Löffelholz und der Barbara Hirsvoglin Sohn, kennen, einen stattlichen Mann, der sich schon in der Welt und an den Höfen der Fürsten umgesehen und versucht hatte, und von dessen abenteuerndem Sinn man in Nürnberg Manches zu erzählen wuſste. Der Umgang beider Leute, die für leere Liebeständelei zu alt und zu erfahren, aber für ein solides, verständiges Eheband gerade noch jung genug waren, muſs so vertraut geworden sein, daſs die Wittwe Katharina mit fester Zuversicht der Heirat entgegensah, aber leider bemerkte, daſs Löffelholz zwar zum Courtoisieren auf wilder Weidmannsbahn Lust gehabt hatte, aber nicht zum ehrbaren Freien und Heiraten. Die durch ihn bloſsgestellte Frau wandte sich daher klagend an das geistliche Gericht zu Bamberg und erwirkte ein gesiegeltes Pergament, des Inhalts: er habe sie zu nehmen, und halte er nicht binnen dreiſsig Tagen Hochzeit, so verfalle er in den groſsen Bann. Das wirkte, und am 3. Juli 1503 wurde Katharina Rumelin, Bartholomäus Knebel’s Wittwe, in St. Sebalds Kirche mit Thoma Löffelholz ehelich eingeleitet (in den Ehestand geleitet, getraut, nicht „eingeläutet“); aber unmittelbar nach der heiligen Handlung verlieſs Löffelholz die Kirche, bestieg sein drauſsen bereits harrendes Roſs und ritt von dannen, ohne das Beilager zu halten. So berichtet Müllner in seinen Annalen. In dem Löffelholzischen Geschlechtsregister bei Biedermann heiſst es, ein aus dieser Ehe entsprossener Sohn sei in’s Kloster gegangen. Will in den Münzbelust. 2, 111, geht sogar noch weiter und will wissen, er habe Thomas geheiſsen. Beweise und Belege für diese Angaben fehlen durchaus. Gewiſs ist nur, daſs Löffelholz, ungeachtet seiner Vermählung, mit seiner Frau nicht zusammenlebte. Die Ordnung des Verhältnisses der beiden Eheleute geschah durch einen Vertrag, in welchem ihr ein jährliches Auskommen gesichert war, wofür Anton Kreſs und Wolf Löffelholz, ihre Schwäger, einstanden; und am 20. März 1504 quittierte bereits Johann Kriegheimer, als Anwalt Frauen Katharina, Thoman Löffelholz ehelicher Wirtin, über 100 fl. rh., die, an vergangener Licht meſs fällig, er für sie durch die beiden genannten ihre Schwäger von wegen Thoman Löffelholz, ihres ehelichen Hauswirths, richtig empfangen habe. Sie fuhr fort, den Namen seiner ehelichen Hausfrau zu führen; so z. B. als sie am 20. Dec. 1514 ihre Wiesen beim Tafelhof auf der Fürreut, an der Pillenreuter Straſse, an den Metzger Hanns Klein auf 10 Jahre um jährlich 14½ fl. und einen Kalbskopf verlieſs u. s. w. Daſs auch in der „Gesellschaft“ ihre Stellung nicht beeinträchtigt war, sieht man daraus, daſs auf den oben erwähnten Tanzladzetteln ihr Name beide Male gleich hinter ihrer Schwester eingetragen ist, einmal als „Löffelhölzin“, das andere Mal als „Thoma Löffelhölzin“. Aus dem Jahre 1520, in welchem, wer nur konnte, die von einer Seuche schwer heimgesuchte Stadt verlieſs, haben sich zwei aus Hersbruck datierte und an Anton Tucher gerichtete Briefe von ihr, der „Katharina Thoma Löffelhölzin“, erhalten, in welchen sie auch ihrer zwei Töchter gedenkt. Diese konnten doch nur aus ihrer Verbindung mit Thoma Löffelholz entsprungen sein; aber über ihre und der Katharina selbst fernere Schicksale haben sich bis jetzt keine weiteren Belege aufgefunden. Nur Das steht fest, daſs, ungeachtet in der Löffelholzkapelle zu St. Sebald, wo sämmtliche Söhne und Töchter aus Wilhelm Löffelholz beiden Ehen abgebildet und die Verheiratungen durch die eingeschobenen Wappen angedeutet sind, das Rumelische Wappen fehlt, sie unbestreitbar in rechtmäſsiger Ehe mit Thoma Löffelholz vermählt war. Die zuletzt genannte Tochter Anna, gegen deren etwa auf die in dem Brief bezeichneten Gegenstände zu machenden Ansprüche die Mutter die beiden andern Schwestern sicher stellen will, war offenbar die älteste der drei Schwestern. Sie war verheiratet mit Hanns Frey, Sohn Erharts Freyen. Seines Vaters Bruder, Sebald Frey, der die Freyischen Häuser am Markt, das eine, nördliche 1471 an Hanns Gartner, das andere, südliche 1487 an Bernhard Walther, verkaufte, wird als Genannter und als Kaufmann in den Dokumenten aus den drei letzten Jahrzehnten des 15. Jahrh. oft gefunden. Die Freyen gehörten zu den ehrbaren und geachteten Familien, die, ohne in den kleinen Rath gewählt zu werden, in den groſsen Rath vorzugsweise eintraten und sich auch durch Verheiratungen mit den rathsfähigen Geschlechtern verbanden. Eine Tochter Sebalds, Katharina Freyin, hatte einen Tetzel zum Mann; Hanns Frey hatte Anna Rumelin geheiratet. Er war ebenfalls Genannter, und einzelne Urkunden lassen Betheiligung an Handelsgeschäften noch bis 1513 wahrnehmen; auch besaſs er liegende Güter inner- und auſserhalb der Stadt. Für seine geachtete Stellung gibt aber, von Anderm abgesehen, Das einen Beweis, daſs er ebenfalls, wie seine beiden Schwägerinnen, den Tanzladzetteln von 1506 und 1508 einverleibt ist, und zwar auf jenem zwischen Conz Haller, dem wohlbekannten Pfänder und Verfasser des Geschlechterbuchs, der das Haus S. 649 besaſs und bewohnte, und Sixt Oelhafen, auf dem von 1508 abermals zwischen Conz Haller und der Pölckin (der mit Hanns Polck verheirateten Tochter dieses Haller, Magdalena, die bei ihrem Vater wohnte) und Seiz Pfinzing, langjährigem Baumeister und Vater des Propstes Melchior Pfinzing, der am Eck der Wolfsgasse, jetzt S. 765, wohnte. Seine Liebhaberei zur Musik und Physik, wovon Neudörffer und Doppelmayr berichten, hat den irrigen Wahn erzeugt, er sei ein Handwerker gewesen, wogegen aber sein Name auf den Tanzladzetteln entschieden Protest einlegt. Uebrigens scheint er durch die Hingabe an diese, damals ziemlich brodlosen Künste sein Vermögen allgemach aufgezehrt, oder auch sonst Verluste, erlitten zu haben, wie seines Tochtermanns Worte: „der auch in der Welt gleich unmögliche Widerwärtigkeiten erduldet hat“ zu erkennen geben. Von seiner Frau kamen zwei Töchter zu ihren Jahren, deren ältere, Agnes, im J. 1494 Albrecht Dürer, die jüngere, Katharina, die 1498 noch unverheiratet war, später Martin Zinner heiratete. Die Todesjahre der Anna Hanns Freyin (1521) und ihres Ehemanns (1523) sind aus Dürer’s eigenen Aufzeichnungen bekannt.
Nürnberg.
Dr. Lochner.