Fig. 11.

Wir besprechen hier zugleich ein kleines silbernes Kreuz vom Ende des 15. Jhdts., wenn dessen am unteren Ende befindliche Schraube auch nicht mit völliger Gewißheit bestätigt, daß es als Vortragkreuz gebraucht worden. Die Balken desselben sind gerade und laufen in die gewöhnliche spätere Form des Dreipasses aus. Die Figur des Heilandes ist nur aufgraviert, ebenso die Jungfrau Maria auf dem Halbmonde am oberen Ende, St. Barbara und St. Erasmus an den Seiten und ein heil. Papst zu unterst. Auf der Rückseite sehen wir vier fliegende Bänder mit den Namen der vier Evangelisten, zugleich aber auch, und zwar in der Mitte, ein Medaillon mit hohem Rande und eingelegter Glasscheibe, die früher ohne Zweifel eine Reliquie sichtbar machte. Auch das ganze Kreuz ist hohl, so daß die Rückplatte sich abheben und verschließen läßt, was dasselbe wol mehr als Reliquiar charakterisiert. Besonders interessant ist es wegen der Gravierungen, die zu den Anfängen des Kupfer stiches gerechnet werden können. Bei einer Breite von 11 Centim. mißt es 15 Centim. Höhe.

Hölzerne Vortragkreuze in der gewöhnlichen Form des 15. und 16. Jahrhunderts mit Enden in Gestalt des Dreipasses und darauf gemalten Evangelistenzeichen u. s. w. sind im Museum vorhanden, doch von zu wenig künstlerischem Werth, als daß sie verdienten, besonders hervorgehoben zu werden. — Gypsabgüsse, Photographieen u. a. Abbildungen ergänzen übrigens in reichem Maße die Originale zum Zweck des Studiums.

Nürnberg.

v. Eye.

Geistliche Scherze des Mittelalters.

V.

Mit dem Eselstestament ist Anton Husemann’s Schatzkästlein noch lange nicht erschöpft. Er war ein Freund jener lateinischen Reimverse, welchen in neuerer Zeit so lebhafte Aufmerksamkeit zugewandt ist, und die sich in klösterlichen Kreisen sehr lange erhielten, wie das namentlich aus den Mittheilungen von H. Palm hervorgeht. Schriftlich und mündlich pflanzten sich die Schwänke und auch, wenn gleich seltener, Dichtungen ernsteren Inhalts fort, in vielfach wechselnder, oft veränderter Gestalt. Schon unter den Sprüchen, die den ersten Theil unserer Handschrift füllen, findet sich f. 5 der Vers:

Quid facis ô Primas? Ligo stramen et obstruo rimas.

Derselbe steht auch von einer Hand des 15. Jhdt. auf der letzten Seite des Heidelberger Cod. Salem. 7, CIV (früher 500), gleich nach der Sequentia vini, welche Mone 1833 hieraus bekannt machte (Anz. 2, 190) mit der Variante: Quid facis hic primas lego stramina obstruo rimas. Der an sich unverständliche Vers muß zu einer Geschichte gehört haben; vermuthlich entdeckt Jemand den fahrenden Sänger auf dem Dach seiner Scheuer, und dieser entschuldigt sich damit, daß er das Strohdach auszubessern vorgibt. Bei Husemann folgt, doch mit der Bezeichnung eines neuen Spruches: Haec domus est alta, si non vis credere salta. Ein Zusammenhang beider ist wol nicht anzunehmen. Weiterhin finden wir f. 61 die Verse: