2) Anno 1473 wurde Michel Rothanß von Weiler erschlagen. Man klagte deswegen acht Thäter an, die der Pürßvogt vor das Malefizgericht forderte. Sie waren die That nicht kanntlich, da trug man den Leichnam des Erschlagenen in’s Pürßgericht und es wurde gemeret: zwei von den Angeklagten, Conrad Contzli von Neuhausen und Hans Hengstler von Weiler sollen ihre Schwörfinger in die Wunden legen und einen Ayd schwören, daß sie den Todtschlag nicht gethan. Sodann wurde Umfrag gehalten, ob keine Veränderung an der Wunde geschehe? Da begehrte der Pürßvogt, daß die andern sechs ebenfalls in die Wunde schwören sollen. Die Richter traten alle hinzu, sahen wieder keine Aenderung und die Angeklagten wurden des Todtschlags ledig erkannt und ihnen deswegen ein Brief zugestellt.

So gibt von Langen in seiner Geschichte Rotweils obige von mir urkundlich ausgehobene Bahrgerichtsverhandlung 1.

Solches Gerichtsverfahren des Pürßgerichts dauerte bis zur Einführung des römischen Rechts in Rotweil.

Noch von 1503 berichtet Petermann Etterlin in seiner Kronika (Basel, 1507) einen Bahrrechtsfall: die ausgegrabene Frau fängt noch nach 20 Tagen an zu schäumen, wie ihr Mörder, ihr Mann, herzutrat, und wie er schwören sollte, fieng sie an zu bluten, „daß das Bluot durch die Bar niederrann, und entfarwet sich.“ Etterlin bringt in demselben Capitel noch ein ähnliches Exempel aus Zürich, nur mit dem Unterschiede, daß das Blutschwitzen des Mordinstrumentes den Mörder zum Geständnisse nöthigt. Vergl. Unoth, 2. Heft, 126.

Der Happich[5].

„Es hat jetzermelte Castenvogtei zů Chur ain sollichen brauch und ain solliche gewonhait, das alle jar ain bischoff zů Chur seinen kastenvogt mit ainem federspill und namlich mit ainem happich verehrt, wie nun sollich ampt an herzog Friederichen von Schwaben khomen ward im järlich gen Rotweil in die statt geschickht, zů denen er ain sundern gnaigten gnedigen willen trůg, umb des willen, das die burgerschaft daselbst vor jaren ir leib und guot zů dem römischen könig Conrad, dem dritten diß namens, der dises fürsten anherrn brůder gewesen, so newlich gesetzet wider kaiser Lotharium.“ 1190.

„Sunst hat herzog Hainrich des römischen kaisers anderer brůder herzog Conraden von Schwaben die kastenvogtei über das bisthumb Chur sampt der verehrung des happichs — den järlichs der schulthaiß der Stadt Rotweil empfieng, zů lehen verliehen.“

„Wie aber dieser fürst herzog Fridrich hernach wider die ungleubigen mit seinem her vater dem kaiser ziehen, willens, als er auch thet und laider dahinden blieben, schenket er zuvor dem schulthaissen gemelter statt und allen seinen nachkommen diese herrlichkait oder gerechtigkeit des happichs, den jme vorgendts jars die bischöf zů Chur geben haben.“

„Und wiewol nach abgang herzog Fridrichs dieses lehen der castenvogtei zu Chur an herzog Conradten von Schwaben seinen anderen brůder gefallen, darnach an herzog Philippen III., so ist doch der happich allwegen dem schulthaissen zů Rotweil als des reichs amptmann blieben und järlich geben worden.“

„Es hat auch bischof Hainrich des römischen Kaisers anderem brůder, herzog Conradten von Schwaben die castenvogtei über das bistum Chur sambt der verehrung des happichs, den järlichs der stattschulthaiss zů Rotweil empfieng ze lehen verliehen, gleichergestalt wie vor ime weiland herzog Friedrich von Schwaben sollich lehen von seinem vorfaren Bischof Egino auch empfangen gehabt.“