Neben dieser gelehrten lateinischen Poesie mit ihren kirchlichen Argumenten gibt es nun aber auch ein ganz volksthümliches deutsches Lied, in welchem der Ausgang umgekehrt ist, indem das Wasser den Preis davonträgt. Es findet sich in einer Umformung aus dem 16. Jahrh. in des Knaben Wunderhorn 2, 37, und fehlt auch bei Huseman, Fol. 211, nicht. Seine weit abweichende Fassung scheint mir ursprünglicher zu sein; aber die Sprache ist gemischt, oberdeutsch und niederdeutsch; letzteres wol in Westfalen erst eingedrungen. Mögen nun Andere sich an einer Herstellung des Textes versuchen: ich gebe ihn, wie ich ihn finde, nur mit Beseitigung einiger orthographischer Auswüchse.
Carmen Germanicum de Vino et Aqua. 1. Nu hoeret ir Herren all gemein
Wol van dem Wasser und dem Wein,
Ein idlichs wil das beste sein,
Keins wil das ander leiden,
Wollen sich beide scheiden.
2. Der Wein der sprach: Ich for de kron,
De luide ich frolich machen kan,
Es sei gleich frowen oder man,
So kan ichs frolich machen,