Illustr. Zeitung: Nr. 1312, S. 130. Die Sonn- und Mondfinsternisse in Brauch und Glauben des Volks. — S. 131. Das Haus zum „Goliath“ in Regensburg. (H. Weininger.) — Nr. 1314. Das Passionsspiel zu Brixlegg.

Vermischte Nachrichten.

87) Der Bildhauer Gustav v. Dornis hat, ursprünglich für den Marktbrunnen zu Eisenach, eine Statue Martin Luther ’s als kleinen Currentschülers geschaffen. Bei der Feier des vorjährigen Wartburgjubiläums ward der Gedanke angeregt, das Denkmal vor dem Wohnhause der Frau Cotta aufzustellen, die den Currentschüler Luther in ihre mütterliche Pflege genommen hatte. Die burschenschaftlichen Kreise, von welchen der Gedanke ausgegangen, wollen ihn nun auch zur Ausführung bringen, und Robert und Richard Keil in Weimar haben zu diesem Zwecke einen Aufruf erlassen in ihren „Erinnerungsblättern an die burschenschaftlichen Wartburgfeste von 1817 und 1867“ — einem Buch, welches zunächst bestimmt ist, dem 1866 zu Jena verstorbenen Professor Scheidler ein Grabmal zu stiften.

(Ill. Ztg. 1312.)

88) Im Archiv des Kreisgerichts zu Marburg wurden verschiedene, seither unbekannt gewesene Briefe Luther ’s und des Götz von Berlichingen, sowie einige Ablaßbriefe von 1517 aufgefunden.

(Frk. Kur. Nr. 245.)

89) Wie Herr J. Blahut in Prag dem german. Museum schreibt, befindet sich in seinem Besitze ein Planetolabium aus dem Nachlasse des dänischen Astronomen Tycho de Brahe, welches, seinem System gemäß eingerichtet, nicht allein von ihm, sondern auch von Kepler und dem Kaiser Rudolf II. benutzt worden sein soll. Bis zum Jahre 1852 auf der Prager Sternwarte verwahrt, wurde es sodann nebst andern Sachen veräußert und von dem gegenwärtigen Besitzer erstanden. Derselbe denkt, es jetzt wieder zu verkaufen und, sollte ihm in Deutschland kein annehmbarer Preis geboten werden, sich nach England zu wenden. Es wäre sicher wünschenswerth, daß eine so seltene Reliquie Deutschland erhalten bliebe.

90) Im herzoglichen Museum zu Braunschweig, und zwar im letzten, nordwärts stehenden Fensterschranke in der östlichen Galerie, befindet sich ein altes Altarlaken von ponceaurothem Seidendamast, in welches Figuren, die sich wiederholen: kniende, ein Rauchfaß schwingende Engel, Sonne, Halbmond, Löwe und Adler, sowie in Medaillenform der Heiland und die Jungfrau Maria, eingestickt sind. Diese jetzt ziemlich unscheinbare Altardecke war ursprünglich ein von Kaiser Otto IV. (von Braunschweig), Sohn Heinrich’s des Löwen, getragener Mantel. In seinem am 18. Mai 1218, also kurz vor seinem am 29. auf der Harzburg erfolgten Tode, errichteten letzten Willen hieß es: „Wir bitten dich, Bruder Pfalzgraf Heinrich, wenn Wir gestorben sind, das heilige Kreuz, die Lanze, die Krone und den Zahn von St. Johannes dem Täufer, sammt den übrigen Reichskleinodien (-reliquien?), mit Ausnahme Unsers Mantels, welcher an St. Aegidien zu geben ist (praeter pallium nostrum, quod dandum est ad Stum. Aegidien), noch zwanzig Wochen zu verwahren und Keinem zu überantworten, der nicht einmüthiglich zum Haupte des Reichs erkoren ist.“ Auf diese Weise kam der kaiserliche Mantel an das Aegidienkloster zu Braunschweig und wurde von den Mönchen in eine Altardecke umgewandelt. Nach der Reformation blieb er Jahre lang versteckt und unbemerkt mit andern Sachen in einer Kiste auf dem Boden des Collegium Carolinum verborgen liegen, bis er vor einigen Jahren aufgefunden und sein Kunst- und historischer Werth richtig gewürdigt wurde.

(Braunschw. Tagbl. Nr. 217.)

91) Bei der Abräumung eines Platzes auf dem Regensteine bei Blankenburg (Braunschweig) wurden verschiedene Alterthümer gefunden, namentlich eine eiserne Kanonenkugel, eine Streitaxt, eine sehr gut erhaltene Todtenurne und verschiedene Pfeilspitzen. Es hat sich herausgestellt, daß die Kanonenkugel aus dem Jahre 1757 von der Beschießung des Regensteins durch den französischen General d’Ayen herrührt.