(Ill. Ztg. Nr. 1316.)
101) Bei Gelegenheit des Umbaues der Sacristei des Kölner Doms mußte das an der Ostseite stehende altare fixum abgebrochen werden. Die im sepulchrum vorgefundene Urkunde ergibt die interessante Notiz, daß der Altar bereits im Jahre 1271 (die letzte Ziffer ist nicht mehr deutlich, dem Anscheine nach aber eine 1), also 31 Jahre nach der Grundsteinlegung des Doms, und zwar durch den sel. Albertus Magnus, consecriert worden ist. Die Urkunde lautet: In Nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti. Consecratum est hoc altare a venerabili patre Domino Alberto episcopo quondam Ratisbonnensi regnante rege Rudolfo sub venerabili patre nostro Syfrido Coloniensi Episcopo in honorem Thome martyris atque pontificis, Beatae Mariae Magdalenae et Gregorii Papae anno Domini MCCLXXI in vigilia Cosmae et Damiani.
(Organ f. chr. Kunst Nr. 17.)
102) In Köln ist im Garten eines Hauses der Christophstrasse, bei der Ausschachtung eines Kellers, 10 Fuß tief, das untere Stück eines schmalen römischen Weihaltars aus Jurakalk gefunden worden. Erhalten ist nur der Sockel und der Schluß der Inschrift: SVLEVIS S* L* M* P. Sulevis solvit (oder sua?) lubens merito posuit. Die matres Suleviae, denen der Altar gewidmet war, sind auch sonst bekannt. Ein in Deutz gefundener, ihnen geweihter Stein ist verloren gegangen, ebenso ein auf der Schweppenburg bei Andernach befindlicher Altar. In Italien, Frankreich und England findet man sie. Aber auch in der Einheit kommt eine Göttin Sulevia oder Sulivia vor. Der Name des Weihenden begann hier die Inschrift. Die Weihungsformel weicht von der gewöhnlichen ab. Der Stein ist vom Museum erworben worden.
(Ill. Ztg. Nr. 1316.)
103) Bei Gelegenheit einer Rectification des Pflasters auf einem öffentlichen Platze der Stadt Zürich stieß man auf zahlreiche Gefäße und Scherben römischen Ursprungs. Diese waren auf einem so geringen Raume vereinigt, daß von einer planmäßigen Ausgrabung viel zu erwarten ist. Dr. Ferd. Keller vermuthet, daß hier ein römischer Tempel gestanden sei.
(Dies. Nr. 1319.)
104) Ein altgermanischer Grabhügel auf dem Palmberge bei Vippach-Edelnhausen ist kürzlich im Interesse der Sammlungen des Germanischen Museums in Jena von dem Conservator desselben, dem Dr. Klopfleisch, ausgegraben worden. Auf dem Boden des Berges befand sich ein 4 Fuß hohes, etwa 30 Fuß langes und 20 Fuß breites Steinpflaster, auf welchem das Leichenfeuer gebrannt hatte, wie die vielen Kohlen und Aschenstellen bewiesen. Diesen pflasterartigen Steinaltar hatte man, nachdem das Leichenfeuer ausgebrannt, mit schwarzer, von anderwärts hergeschaffter Erde bedeckt. Auf diesem künstlich bereiteten Fußboden lag im Mittelpunkt der ganzen Anlage, von welcher übrigens nach der Peripherie des Hügels zu einige Nebenaltäre ausliefen, das Feuerspuren an sich tragende, vollständige Skelet einer Frau; zu ihren Häupten fand sich in einer zerdrückten Urne ein Häufchen geglühter Menschenknochen, wol ein Theil der irdischen Reste ihres Gemahls. Ringsherum lagen viele Reste geschmolzener Bronze, darunter eine wohlerhaltene fibula, Reste anderer Nadeln, eines medaillonähnlichen Schmuckes und eines bronzenen, verzierten Gefäßes. Zur linken Seite des Skelets fanden sich drei von der Erdlast zerdrückte, theilweise verzierte Urnen ohne Inhalt, und etwas weiterhin die vollständigen Reste eines Rosses, jedoch ohne Schädel, da dieser den Göttern dargebracht wurde, während man das Fleisch des übrigen Körpers beim Todtenopfermahl zu verzehren pflegte. Zur rechten Seite des weiblichen Skelets lagen, mit kleinen Bruchsteinen umsetzt, die theilweisen Skeletreste eines Mannes. Bei einer andern Grabstelle desselben Hügels, welche zu dem in der Peripherie befindlichen Skeletkranze des dienstbaren Gefolges gehörte, waren nur die Füße von den Hüften an beigesetzt, und zwar vollständig und in geordneter Lage. Die Reste von Holzpfählen, die sich um das im Mittelpunkt bestattete Paar vorfanden, werden wol die Träger gewesen sein, auf denen man die Häupter der hier geopferten Thiere, Kränze u. dgl. oberhalb des Hügels befestigte. Ueber die ganze Oberfläche des beschriebenen künstlichen Bodens, auf welchem die zwei Hauptpersonen und die Urnen lagen, waren ferner außer gebrauchten Mahlsteinen von Kalk zahlreiche Scherben der Gefäße, die beim Todtenopfermahl gedient hatten, zerstreut, darunter die Reste einer reich verzierten römischen patera der Kaiserzeit.
(Ill. Ztg. Nr. 1312.)
105) In dem neuen Flußbett der Lippe hat man kürzlich wieder ein altes Schiff gefunden, welches wie dasjenige, auf welches man vor drei Jahren beim Durchstich der Lippe stieß, die primitivsten Formen hat. Es ist nämlich ein ausgehöhlter Baumstamm. Die Höhlung ist zwar mit Hauwerkzeugen ausgeführt; dagegen sind die Schnäbel und Seiten im rohen Zustande geblieben. Seine Länge beträgt 24 Fuß und seine Breite in der Mitte 2½-3 Fuß. Das 1865 aufgefundene und jetzt im Provinzialmuseum zu Münster befindliche Schiff hat dagegen behauene und geglättete Seiten.