(Korr. v. u. f. D. N. 531.)

106) Am Nachmittage des 5. October sammelte ein Mädchen von Lustnau (unweit Tübingen) im sog. Lustnauer Wäldchen am Oesterberg Eicheln. Von einer nicht sehr alten Eiche fielen einige Eicheln in’s Gebüsch zwischen zwei aufrechtstehende Steine; das Mädchen wollte sie holen, und als sie die Steine entfernt hatte, fand sie einen großen irdenen Hafen mit zwei Henkeln, angefüllt mit über tausend alten deutschen Silbermünzen aus dem Mittelalter, von der Größe eines Kreuzers bis zu der eines Sechsbätzners, mit undeutlichem Gepräge und theilweise mit Grünspan bedeckt.

(Ders. Nr. 533, nach dem Schw. M.)

107) Nach Art. XII des Friedensvertrages, welchen Bayern und Preußen vor zwei Jahren abgeschlossen, sollten „die in dem k. b. Archiv zu Bamberg befindlichen, im Wege kommissarischer Verhandlung zu bezeichnenden Urkunden und sonstigen Archivalien, welche eine besondere und ausschließliche Beziehung auf die ehemaligen Burggrafen von Nürnberg und die Markgrafen von Brandenburg fränkischer Linie haben“, an Preußen ausgeliefert werden. Das Resultat der kommissarischen Verhandlungen, welche vom 22. Juni bis 1. August darüber stattfanden, ist nach der Hoffm. Korresp. (Korr. v. u. f. D. Nr. 479) folgendes. Die betreffenden Archivalien belaufen sich auf 3071 Stück, bestehen aus Akten, Korrespondenzen und Verträgen der brandenburgischen Fürsten, welche sechs Jahrhunderte in Nürnberg, Ansbach, Bayreuth, Kulmbach residiert und regiert haben, und haben sämmtlich nur noch historischen Werth. Es gelang dem k. b. Kommissär, den Grundsatz zur Anerkennung und Durchführung zu bringen, daß jedes Stück, welches auf Bayern u. seine Geschichte Bezug habe, Bayern verbleiben müsse. Preußen erhielt dagegen die Familienkorrespondenz der Brandenburger, ihre Hausverträge, Eheberedungen, Verhandlungen über Apanage, Morgengabe, Witthum u. Leibgedinge, die Aufzeichnungen über Geburten, Heiraten, Erziehung, Unglücks- und Todesfälle der Prinzen und Prinzessinnen u. dgl. m. Im Ganzen erhielt von den 3071 Stücken Preußen 1401 und behielt Bayern 1670, wobei 135 Stücke unter beide getheilt wurden. Zu bemerken ist noch, daß von wichtigern Urkunden entweder bereits alte Copien oder zweite Exemplare sich vorfanden, oder, sei’s für Bayern oder Preußen, angefertigt werden und die Urkunden, von welchen Bayern noch Abschriften machen will, noch zurückbehalten sind. Auch ist in Bezug auf das jetzt in Bamberg verhandelte Archivmaterial das Prinzip vollster Gegenseitigkeit in der Benützung, sei es zu amtlichen oder wissenschaftlichen Zwecken, stipuliert worden.

Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

Sebald ’sche Buchdruckerei in Nürnberg.

(Mit einer Extra-Beilage.)

(Extra-Beilage zum Anzeiger Nr. 10, 1868.)

Jahresbericht
der historischen Commission bei der k. bayer. Akademie der Wissenschaften.