München im October 1868. In den Tagen vom 30. September bis 5. October dieses Jahres hielt die historische Commission ihre statutenmäßige Plenarversammlung, zu welcher sämmtliche ordentliche Mitglieder mit Ausnahme des Hofraths und Archivdirektors Ritter v. Arneth aus Wien und des Professors Droysen aus Berlin sich eingefunden hatten.
In der Eröffnungsrede wies der Vorsitzende, Geheimer Regierungsrath v. Ranke aus Berlin, auf Janssens jüngst erschienene Schrift: Joh. Friedrich Böhmer’s Leben und Briefe hin und legte dar, wie sich dieser, um das Studium der deutschen Geschichte hochverdiente Gelehrte unter den Einflüssen seiner Zeit entwickelte, indem zugleich der wissenschaftliche Standpunkt desselben vom Redner einer eingehenden Beurtheilung unterworfen wurde. Ueber die Geschäfte des abgelaufenen Jahres erstattete sodann Professor v. Giesebrecht als Sekretär den statutenmäßigen Bericht. Nach demselben waren im Laufe des Jahres in den Buchhandel gekommen:
1) K. Hegel, Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis 16. Jahrhundert. Bd. VI., der erste Theil der von L. Hänselmann bearbeiteten Braunschweiger Chroniken.
2) R. v. Liliencron, die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrhundert. Bd. III.
3) Geschichte der Wissenschaften in Deutschland. Vierte Lieferung, enthaltend Geschichte der Aesthetik von H. Lotze.
4) Forschungen zur deutschen Geschichte. Bd. VIII.
Außerdem waren im Druck vollendet, so daß die Ausgabe in den nächsten Tagen erfolgen kann:
5) Deutsche Reichstagsakten, Bd. I, enthaltend: Deutsche Reichstagsakten unter König Wenzel. Erste Abtheilung 1376–1387. Herausgegeben von J. Weizsäcker.
6) Bayerisches Wörterbuch von J. Andreas Schmeller. Zweite, mit des Verfassers Nachträgen vermehrte Ausgabe, bearbeitet von G. K. Frommann. Lieferung I.
Mit besonderer Freude nahm die Commission die ersten Exemplare dieser neuesten Publicationen entgegen, da mit ihnen Unternehmungen in das Leben traten, welche sie von ihren Anfängen an vorzugsweise in das Auge gefaßt hat und die einem tiefempfundenen wissenschaftlichen Bedürfniß Abhülfe gewähren.