Die Berichte, welche dann im Laufe der Verhandlungen von den Leitern der einzelnen Unternehmungen erstattet wurden, zeigten den rüstigen Fortgang der Arbeiten nach allen Seiten und gaben die Sicherheit, daß einzelne Hemmnisse derselben in kurzer Zeit zu überwinden sein werden. Die hiesigen und auswärtigen Behörden, wie die Verwaltungen der Archive und Bibliotheken fahren fort, mit nicht genug zu rühmender Liberalität alle Bestrebungen der Commission zu unterstützen, und tragen dadurch wesentlich zur Förderung der Arbeiten bei.

Von der Geschichte der Wissenschaften ist eine neue Abtheilung, die Geschichte der Sprachwissenschaft von Professor Benfey in Göttingen, unter der Presse. Der Wunsch, gleichzeitig noch andere Abtheilungen dieses großen Werks dem Drucke zu übergeben, war leider nicht zur Ausführung zu bringen, da mehrere Mitarbeiter nicht zu der festgestellten Zeit ihre Handschriften einreichten. Die Bearbeitung der Geschichte der Rechtswissenschaft hat Professor v. Stintzing in Erlangen, die der Geschichte der Astronomie Prof. Rud. Wolf, Direktor der Sternwarte in Zürich, übernommen.

Die Arbeiten für die Herausgabe der deutschen Städtechroniken sind nach verschiedenen Seiten fortgesetzt worden. Der Druck der Magdeburger Schöppenchronik in der Bearbeitung des Archivsekretärs Dr. Janicke ist so weit vorgeschritten, daß die Publication in wenigen Wochen erfolgen kann. Die Straßburger Chroniken von Closener und Königshofen, deren Bearbeitung Professor Hegel selbst übernommen hat, werden voraussichtlich zwei Bände füllen, von denen der erste im Herbst 1869, wie man hofft, erscheinen wird. Professor v. Kern ist mit der Bearbeitung der nürnbergischen Chronik von Deichsler ununterbrochen beschäftigt, so daß auch der vierte Band der Nürnberger Chroniken bald in die Presse gelangen kann. Ein zweiter Band der Braunschweiger Chroniken wird später folgen, wie die Lübeck’schen Chroniken, für welche Professor Mantels die Arbeiten fortführt.

Der erste, nun vollständig gedruckte Band der Reichstagsakten zeigt, mit wie außerordentlichen Hülfsmitteln und großer Sorgfalt dieses monumentale Werk, welches der deutschen Geschichtswissenschaft unberechenbaren Gewinn verheißt, unternommen wurde. Nachdem die Schwierigkeiten, welche von den Anfängen eines so bedeutenden Werkes untrennbar sind, glücklich besiegt wurden, läßt sich eine ununterbrochene Fortführung desselben erwarten. Für den zweiten Band sind nur noch wenige Nachträge zu machen, um dann auch ihn der Presse zu übergeben. Professor Weizsäcker ist in seinen mühevollen archivalischen Arbeiten für dieses Unternehmen durch den Bibliothekar Dr. Kerler in Erlangen und den hiesigen Reichsarchivpraktikanten Dr. Schäffler mit dem größten Eifer unterstützt worden.

Von den Jahrbüchern des deutschen Reichs lagen mehrere neue Abtheilungen vor. Dr. Breysig in Culm hat seine Geschichte Karl Martell’s zum Abschluß gebracht, welche demnächst zu veröffentlichen ist. Auch die Geschichte K. Pipin’s von Dr. Oelsner in Frankfurt, welche nur noch einige Ergänzungen bedarf, wird voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahres publiciert werden können. Von den weit vorgeschrittenen Arbeiten des Dr. Steindorff in Göttingen über die Geschichte K. Heinrich’s III. wurde der Commission Mittheilung gemacht. Die Geschichte Philipp’s von Schwaben und König Otto’s IV. ist zur Bearbeitung dem Hofrath Winkelmann in Dorpat übertragen worden.

Der Druck des vierten Bandes der historischen Volkslieder der Deutschen wird demnächst beginnen. Voraussichtlich wird derselbe mit dem in Bearbeitung stehenden Supplementband bis zum nächsten Herbst dem Publikum übergeben werden und so ein Unternehmen, welches die allgemeinste Anerkennung gefunden hat, zum raschen Abschluß gedeihen.

Auch der Schlußband der Weisthümer ist in der Redaktion so weit vorgeschritten, daß dem baldigen Druck kein Hinderniß im Wege steht. Durch eine größere Anzahl neu aufgefundener Stücke, welche man besonders dem hiesigen Reichsarchiv verdankt, dürfte der Band einen solchen Umfang gewinnen, daß die wichtigen Sachregister wahrscheinlich für einen besonderen Supplementband werden zurückgelegt werden müssen.

Die Herausgabe der Hanserecesse hat eine sehr bedauerliche Verzögerung dadurch erlitten, daß Professor Frensdorff sich wegen anderer Geschäfte die übernommenen Redaktionsarbeiten aufzugeben genöthigt sah. Die Commission hofft jedoch auch dieses neue Hemmniß, welches dem durch Lappenberg’s und Junghans’ Tod schon so lange gestörten Unternehmen erwachsen ist, bald heben und für die Arbeiten, welche zur Drucklegung des Werks noch erforderlich sind, in Dr. Koppmann zu Hamburg einen geeigneten Gelehrten gewinnen zu können.

Die Zeitschrift: „Forschungen zur deutschen Geschichte“ wird, da sie sich mehr und mehr als ein Bedürfniß für die Wissenschaft zeigt, in der bisherigen Weise fortgeführt werden.

Die ausgedehnten Arbeiten für die Herausgabe der Wittelsbach’schen Correspondenz haben zu neuen erwünschten Ergebnissen geführt. Der Druck des zweiten Bandes der Correspondenz Churfürst Friedrich’s III. von der Pfalz hat sich nicht, wie in Aussicht stand, im Laufe des verflossenen Jahres bewerkstelligen lassen, weil das Material sich noch in letzter Zeit so mächtig ansammelte, daß eine neue Redaktion nothwendig wurde, um das gesetzte Maß nicht zu weit zu überschreiten. Die Arbeit ist indessen so weit gediehen, daß der Druck jetzt beginnen wird. Für die ältere bayerische Abtheilung, welche unter der Leitung des Reichsarchivdirektors v. Löher bearbeitet wird, haben die Nachforschungen des Dr. v. Druffel in den hiesigen und Wiener Archiven den reichsten Ertrag geboten; die Sammlung des Materials für den Briefwechsel H. Albrecht’s V. aus den Jahren 1550 bis 1555 kann jetzt als abgeschlossen betrachtet und die Publication des diesen Briefwechsel umfassenden Bandes vorbereitet werden. Für die jüngere pfälzische Abtheilung, welche unter Leitung des Professors Cornelius steht, hat Dr. Ritter die Arbeiten in den hiesigen Archiven und in Paris fortgeführt, überdies die Einleitung zum ersten Bande, welche die Geschichte der Unionspolitik in dem Jahrzehend vor dem Beginn der mitzutheilenden Actenstücke darstellt, in der Handschrift vollendet. Dem Drucke des ersten Bandes dieser Abtheilung steht von Seiten der Redaktion nun kein Hinderniß mehr entgegen. Für die jüngere bayerische Abtheilung welche ebenfalls unter der Leitung des Professors Cornelius steht, ist besonders neben demselben Dr. Stieve thätig gewesen. Mit seiner Hülfe hat der Herausgeber das Bernburger Archiv für die Jahre 1612–1616 ausgebeutet und in Paris die Beziehungen Frankreichs zu Pfalz, Bayern und dem Reich zu erforschen begonnen.