Die Goldschmiedekunst der Renaissance vertraten vorzüglich zwei Prachtpokale im größten Maßstabe, die eigentlich als Tafelaufsätze zu betrachten sind, beide aus dem Besitze des preußischen Königshauses, der eine dem Benevenuto Cellini zugeschrieben, der andere dem Wenzel Jamnitzer. Aus dem 17. Jahrhundert war eine silberne Taufschüssel mit Kanne, der evangelischen Gemeinde zu Cleve gehörig, zu sehen.
Eine Anzahl romanischer und gothischer Leuchter aus Bronze fehlte auf der Ausstellung nicht, von denen der interessanteste ohne Zweifel im Besitze des Herrn H. Garthe in Köln sich befindet. Eine Reihe von Siegelstempeln, eine Serie von Münzen u. A. war speciell für die Fachmänner von Werth. Im höchsten Grade wichtig war eine große Anzahl messingener Aquamanilien, von denen die Antiquitätenhandlung von Goldschmidt in Frankfurt, die auch sonst manches Interessante geliefert hatte, allein 43 Stück, aus dem Besitze des † Hofbuchhändlers Hahn in Hannover stammend, ausstellte. In allen Größen waren hier Löwen, Hunde, Pferde, Drachen u. s. w. vertreten. Es zeigte sich im Ganzen, daß diese Gefäße, wie wir im Anzeiger, Jahrg. 1867, Sp. 260, frageweise andeuteten, wol vorzugsweise dem profanen Gebrauch gedient haben müssen; wie ja z. B. auch die zwei silbernen Löwen im Rathhause zu Lüneburg, aus dem 16. Jahrhundert, unzweifelhaft Profangefäße sind. Von wenigen Gefäßen der ganzen hier zur Schau gestellten Reihe möchten wir ein sehr hohes Alter annehmen; viele gehören sicher erst dem 16. Jahrhunderte an. Von den phantastischen Gestalten die interessantesten zu nennen, ist schwer. Am meisten fiel ein Mädchenkopf auf, aus dem 14. Jahrhundert mit süß lächelnder Physiognomie; eine Umschrift sagte: „Ancilla bin ich genannt, zu hove bin ich gerne erkannt.“ Zwei Aquamanilien in Gestalt von Hähnen waren fast identisch. Der eine trug auf zwei Flügelfedern die Inschrift: Anno Dni MCLV Cesaris Frid anno quarto in honorem dni S. Andreae. Barrast Refus me cpav. Wir glauben die Inschrift als spätere Fälschung annehmen und die Entstehungszeit beider Hähne in’s 14. Jahrh. setzen zu müssen. Ein Ritter zu Pferde (Eigenthum des Fürsten von Hohenzollern) gehört wol erst dem 15. Jahrh. an. Die spätesten, aber nicht uninteressanten waren jedenfalls eine Seejungfrau und ein knieender, vorn und rückwärts höckeriger Mann. Die ganze Reihe gewährte in der That einen höchst überraschenden Einblick in die Mannigfaltigkeit, mit der selbst gleiche Motive durchgebildet wurden, und gab einen deutlichen neuen Beleg für den phantastischen Sinn unserer Vorfahren. Aber auch als ein weiteres Resultat ließ sich feststellen, daß alle diese Gegenstände Produkte einer eigenen, für den Weltmarkt und Weltbedarf arbeitenden Industrie sind, die das massenhaft Erzeugte wol mittelst der Messen und Märkte in großer Zahl überall hin zur beliebigen Auswahl sandte. Von wo sie ausgegangen, ob von Nürnberg zugleich mit den geschlagenen Becken, ob vom Rheine oder den Niederlanden, ob, wie de Linas meinte, trotz der theilweise deutschen Inschriften, von Dinant, wagen wir nicht zu entscheiden. Wir kommen nun noch an eine Serie: die Manuscripte.
Die Entwickelung der Buchschrift, die innere Ausstattung der Bücher durch Miniaturen und Initialen ist längst erkannt und festgestellt. Es handelte sich also hier keineswegs um neue Entdeckungen; doch ist es stets von höchster Wichtigkeit, nicht blos einen Kunstzweig vereinzelt in seiner Entwicklung zu verfolgen, sondern auch zwischen der Fortbildung einzelner Kunstzweige Parallelen zu ziehen. So war es von hohem Interesse, neben der Entwicklung des Emails auch die der Miniaturmalerei im gleichen Zeitraum vor Augen zu haben; abgesehen aber davon haben, einzelne an und für sich einen hohen Werth. Dieser zeigte sich in erster Linie an dem Evangelienbuch aus Echternach in der Gothaer Bibliothek, dem Weihgeschenke Kaiser Otto’s III. und seiner Mutter Theophania. In höchst kostbarer Ausstattung und von wunderbarer Erhaltung zeigt es die vier Evangelien, in Goldbuchstaben geschrieben, mit vielen Initialen; den Anfang jedes Evangeliums zeichnen einige interessante, besonders reich durch Malerei geschmückte Blätter aus, die theils ornamental mit einzelnen eingeflochtenen allegorischen Figuren, theils figural gehalten sind. Die ganze heilige Geschichte läuft jedoch in einer Reihe von Blättern fort und ist nicht an die Erzählungsfolge gebunden, wie sie im Texte erscheint: Nichtsdestoweniger ist die Folge der Blätter in vier Theile getrennt, von denen jedem Evangelium einer vorgeheftet ist, ohne Rücksicht darauf, ob das betreffende Evangelium gerade diese Erzählungen enthält oder nicht. Nachklänge der Antike finden sich noch in diesen Malereien, wie sie sich in den byzantinischen Miniaturen, woran die vorliegenden anschließen, in ununterbrochener Folge erhalten und fortgebildet haben. Ein zweites Manuscript aus Echternach, vom 12. Jahrhundert, mit späteren Zusätzen, zeigte hübsche Miniaturen der älteren Periode, daneben schöne Federzeichnungen des 13.–14. Jahrhunderts. An eine Reihe von Evangelien, Lectionarien, Brevieren, Vulgaten u. A., vom 10.–15. Jahrh., aus der Dombibliothek zu Trier, dem Archiv zu Düsseldorf und aus Privatbesitz, wozu besonders Herr H. Garthe aus Köln sehr werthvolles Material beigesteuert, konnte man die alten Studien neu auffrischen und mit Vergnügen in kostbaren Exemplaren die Geschichte der Miniaturmalerei verfolgen. Des Inhaltes wegen erwähnen wir hier noch einen Tractatus de virtutibus et viciis, 13. Jhdt., einen schön ausgestatteten astronomischen Tractat des 13. Jahrh., das Cartular des Erzbischofs Balduin von Trier mit den interessanten Miniaturen und Federzeichungen, welche die Wahl, Krönung, den Römerzug und Tod Kaiser Heinrich’s VII. darstellen, sowie eine Matrikel der Universität Köln vom 14.–18. Jahrh., die, mit Ausnahme des Balduineums, im Besitze des Herrn H. Garthe in Köln sich befinden.
Wir können hier unsern Lesern kein vollständiges Verzeichniß geben, ja selbst auf manche sehr wichtige und interessante Werke nicht eingehen; wir hatten nur die Absicht, hervorzuheben, von welcher Bedeutung die Ausstellung war, die aus jeder Zeitperiode und von jedem Gebiete etwas Wichtiges vorgeführt hat. Wir schließen mit dem früher schon ausgesprochenen Wunsche, daß ähnliche Ausstellungen recht häufig im Interesse des Studiums veranstaltet werden möchten. Es gibt keine öffentliche Sammlung, die in der Lage wäre, alle kunstgeschichtlich wichtigen Stücke, oder auch nur so viele vorzuführen, daß wir die ganze Kunst- und Kulturgeschichte in ihren Werken ersten Ranges studieren könnten. Die meisten Sammlungen bestehen der Mehrzahl nach aus keineswegs unwichtigen, aber jenen ausgezeichneten Werken gegenüber doch immer untergeordneten Gegenständen, und das Studium der Kunstgeschichte, das sich ausschließlich auf eine einzelne solcher Sammlungen gründete, würde ein falsches Resultat ergeben. Die Zerstreuung dieser höchst bedeutenden Werke, läßt das Wichtigste für das Studium, die unmittelbare Vergleichung, nicht zu, und so bedarf die Wissenschaft derartiger Ausstellungen, die das sonst zerstreute Material zeitweise neben einander bringt.
Nürnberg.
A. Essenwein.
Archäologische Funde in Böhmen.
(Mit einerTafel Abbildungen.)
Im Anschlusse an meine, nun schon seit Jahren in diesen Blättern fortgesetzten Mittheilungen über archäologische Funde in Böhmen gebe ich hier wieder nähere Details über einige Funde, die mir theils durch Autopsie, theils durch schriftliche Berichte von Alterthumsfreunden, mit denen ich in Verbindung stehe, bekannt wurden. Auch diesmal wieder habe ich mehrere Funde aus jenem reichen Gebiete zwischen Erzgebirge, Eger und Elbe, dem sogenannten Flachland des Saazer und Leitmeritzer Kreises, zu berichten.
Brüx, Stadt in Böhmen, an der Biela. Nach einer mir vom dortigen städtischen Herrn Rentmeister Cori, einem wackeren Alterthumsfreunde, zugegangenen Mittheilung wurden in der nächsten Nähe der Stadt Brüx im Jahre 1865 zwei Gräber mit Steinobjekten entdeckt. Das eine lag östlich der Stadt, am linken Ufer der Biela, ungefähr 300 Klafter von diesem Flüßchen selbst entfernt, eine Klafter tief in der Erde. Es enthielt, von Steinen umgeben, ein Skelett, das aber, sowie die daneben stehenden Todtentöpfe, ungeschickterweise zerschlagen wurde. Neben dem Skelette lagen ferner zwei Steinobjekte: ein Hammer von Serpentin, 12 Centim. lang, 5 Centim. breit, das Stielloch in der Mitte; das hintere Ende des Hammers ist walzenförmig zugerundet (Fig. 1); dann ein Meißel von dunkelgrauem Feuerstein 6,1 Centim. lang, an der scharfen Schneide 4,5 Centim. breit. Beide Objekte sind ganz glatt zugeschliffen und sehr zierlich gearbeitet. Sie kamen in die Sammlung Czernin nach Petersburg. — Ungefähr 1000 Klafter von dieser Fundstelle entfernt, traf man bald darauf am rechten Bielaufer, drei Fuß tief in der Erde, beim Roden eines Ackers zum Hopfenbau ein ähnliches Grab; es war kreisrund, am Boden mit einem Kranze weißer Kieselsteine umlegt. Der Durchmesser dieses Steinkranzes betrug drei Fuß. In der Mitte lag neben Knochenresten und Gefäßfragmenten eine Steinaxt (Serpentin), streng keilförmig zugeschliffen, das 2,8 Centim. im Durchmesser haltende Stielloch dem breiteren Ende näher. Die Axt ist 22 Centim. lang, 9 Centim. breit, also sehr wuchtig; sie kam an die Brüxer Realschule.