Steinwasser, Dorf, zwei Stunden südlich von Brüx. Bei Grabungen auf einem Felde stießen die Arbeiter in einer Tiefe von 3 Fuß auf zwei Skelettgräber. In dem einen lag ein Skelett ohne jegliche Beigabe; in dem zweiten fanden sich neben dem Skelette Fragmente eines aus großen, hohlen Bronzehalbkugeln bestehenden Armringes. Dasselbe ist dem bei Lindenschmitt „Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit“, Heft IX, Taf. I abgebildeten, bei Passau gefundenen, vollständig ähnlich. Mehrere solcher Armringe wurden schon früher in der nächsten Nähe von Steinwasser auf dem Todtenfelde von Morawes gefunden. Die einzelnen Buckeln haben einen Längedurchmesser von 4,1 Centim., Breitedurchmesser 3,2 Centim. Der Verschluß geschah durch einen Dornfortsatz, der in eine Nuth des nächsten Buckels umgebogen werden konnte. Erhalten sind vier solcher Buckeln; ihrer Größe nach zu urtheilen bestand das ganze Armband aus sieben Buckeln. Die Schädel kamen an Dr. A. Weisbach, die Bronzeobjekte an mich.

Weberschan, Dorf zwischen Brüx und Postelberg, eine Stunde nördlich von letzterer Stadt entfernt. Beim Lehmgraben traf ein Grundbesitzer 2½ Schuh unter der Erde ein Aschengrab. Es war kreisrund und in demselben stand eine Urne, die leider zerschlagen wurde; in ihr lagen nebst Asche, Erde und Knochen eine 7,5 Centim. lange, schwache Bronzenadel mit scheibenförmigem Kopfe, Fig. 2; eine 3,2 Centim. lange Bronzepfeilspitze, Fig. 3; endlich ein 21,8 Gramme schweres Bronzeklümpchen, wahrscheinlich ein beim Leichenbrand zusammengeschmolzenes Objekt. Sämmtliche gefundene Gegenstände kamen an mich.

Nehasitz, Dorf zwischen Brüx und Saaz. Die Grabungen auf dem bei Nehasitz gelegenen, in diesen Blättern schon wiederholt erwähnten Todtenfelde wurden auch im Jahre 1867, freilich meist nur im agricolen Interesse, fortgesetzt und lieferten eine ziemlich ergiebige Ausbeute an Bronzen, Urnen und Geräthen aus Stein, Bein und Hirschhorn sammt einer großen Anzahl Knochen mitbestatteter Thiere. Während dreier Tage war ich bei den Grabungen auf dem genannten Todtenfelde selbst anwesend. Wahrscheinlich dürften die Abgrabungen bei Nehasitz bald zu Ende kommen. Ich gehe eben damit um, die gewonnenen Resultate zusammenzustellen und in einer eigenen Monographie zu veröffentlichen.

Von Jahr zu Jahr mehren sich die Funde in diesem Theil des nordwestlichen Böhmens; sie beweisen, wie stark diese Gegend, freilich eine der gesegnetsten und fruchtbarsten Böhmens, seit den ältesten Zeiten bewohnt gewesen ist. Die ungemein zahlreichen Gräber zeigen sehr bedeutende Verschiedenheiten in der Construction, wie in der Art der Beigaben und deuten auf zeitlich weit getrennte Perioden hin. Die wichtigsten Formen sind:

1. Plattengräber in der Erde mit Skeletten und Steinobjekten. Solche wurden schon im vorigen Jahrhundert (1788 und 1792) bei Weboschan, unweit Teplitz, entdeckt; sie waren 6 Fuß lang, an den Seiten mit Steinplatten ausgelegt und mit einer Steinplatte geschlossen. In der Steinkiste lag je ein Skelett; als Beigaben fanden sich in dem einen Grabe zwei Urnen, in einem zweiten nebst zwei Urnen drei Steinobjekte, und zwar zwei Aexte (Basalt) und ein Keil (Hornstein). In dieselbe Klasse gehören auch die beiden merkwürdigen, im Jahre 1866 bei Kojetitz, einem Gute des Herrn Bachofen von Echt, zwischen Prag und Melnik, aufgefundenen Plattengräber. Sie waren an der Erdoberfläche mit einem Steinkreise von 9 Klaftern Durchmesser umstellt; in der Mitte des Steinkreises stieß man 2½ Fuß tief unter der Erdoberfläche auf eine große, roh zubehauene Kalksteinplatte; darunter lag ein Skelett, zu dessen Häupten eine Urne aus schwarzem, wenig gebranntem Thon, die einzige ärmliche Beigabe des Todten. Im zweiten Grabe traf man unter einer ähnlichen Steinplatte zwei Skelette, das eines Erwachsenen und das eines Kindes. Die Beigaben bestanden aus einer Urne, einem Steinkeil aus Serpentin und zwei Pfriemen von vier und acht Zoll Länge, aus gespaltenen Röhrenknochen verfertigt und scharf zugespitzt[243]. Hierher zu rechnen ist auch das eine der Gräber von Brüx, sowie zwei ähnliche von Hawran, einem Dorfe nächst Brüx.

2) Rundgräber: a) mit Steinobjekten; hierher gehört das zweite der oben beschriebenen Gräber von Brüx; b) mit Bronzeobjekten. Die Skelettgräber dieser Art liegen 2½-9 Fuß tief unter der Erde, ihr Durchmesser wechselt zwischen 4–12 Fuß. Sie sind vollkommen kreisrund, entweder brunnenartig, oder nach unten sich verengend; die Leiche ruht darin bald in hockender Stellung bestattet, bald auf dem Boden des Grabes ausgestreckt, im letzteren Falle stets mit dem Kopfe nach Norden; in einzelnen Fällen ist sie auf ein Steinlager gebettet, oder mit Steinen umlegt. Neben den Skelett- finden sich auch Brandgräber; sie sind weniger tief (1½ Fuß) und haben einen Durchmesser von circa 2–4 Fuß. Sie enthalten eine größere, die Asche bergende Urne, worinnen außerdem meist noch mehrere kleine Gefäße, Töpfchen, Schüsseln und Schalen stehen. Auch in den Skelettgräbern finden sich regelmäßig ähnliche Gefässe. Skelett- wie Brandgräber enthalten außerdem Bronzeobjekte, soviel mir bekannt ist, vorzugsweise Schmuckgegenstände, Armringe, Fibeln, Nadeln, dann Thonscheiben und Kügelchen von Thon und Stein. Beispiele dieser Bestattungsweise liefern die Todtenfelder von Nehasitz und von Morawes.

3) Plattengräber in der Erde, mit Bronzen. a) Skelettgräber; sie sind viereckig lang, an den Seiten mit Steinplatten ausgelegt, mit einer Steinplatte geschlossen, und enthalten als Beigaben nebst Bronzeobjekten, ebenfalls meist Schmuckgegenstände. Auch hier findet sich die hockende Bestattungsweise neben der liegenden. Beispiele liefern Schallan bei Teplitz und Saaz[244]. b) Brandgräber, 4 Fuß lang, 2 Fuß breit, an den Wänden mit Steinplatten ausgelegt und mit einer Steinplatte überdeckt. In der aschenhaltigen Erde standen je 4 Urnen mit Asche, Erde, Knochenfragmenten und einzelnen Bronzeobjekten. Beispiele dieser Bestattungsweise lieferten Teplitz und Bilin[245].

Mein verehrter Freund, Dr. A. Weisbach hat mehrere der in den oben beschriebenen Gräbern gefundenen Schädel untersucht und genau gemessen, und zwar die beiden von Kojetitz, einen von Schallan und einen von Saaz. Die Resultate seiner Untersuchung laufen darauf hinaus, dass „diese vier Gräberschädel vor denen der heutigen Deutschen und Czechen durch große Länge, geringe Breite und bedeutende Höhe, durch fast extreme Dolichokephalie ausgezeichnet sind[246], und in dieser Beziehung den Schädeln von Ecker, besonders dessen Reihengräberschädeln, und dem Hochbergtypus von His vollkommen gleichen.“ Schlüsse auf den Volksstamm, dem sie angehören, sind bei dem geringen Material noch zu gewagt. Leider gelang es uns trotz aller Bemühung noch nicht, auch aus den sub 2b angeführten Gräbern von Nehasitz und Morawes Schädel zur Vergleichung zu erhalten. So war ich, als ich persönlich auf dem Todtenfelde von Nehasitz nachgraben ließ, nicht so glücklich, ein nur halbwegs erhaltenes Exemplar, sondern in zwei Fällen nur Fragmente von Schädeln zu finden. Gut erhaltene Exemplare werden von den Arbeitern, wenn eben kein Sachverständiger zugegen ist, entweder zerschlagen, oder eiligst wieder verscharrt. Doch scheinen auch die Nehasitzer und Moraweser Schädel, nach den wenigen Fragmenten zu urtheilen, einen denn oben beschriebenen ähnlichen Typus zu haben.

Auch in der k. Kreisstadt Saaz wurde im Laufe des Jahres 1867 bei Gelegenheit der Grundgrabung zu einem Hausbau in der Prager Vorstadt, zwei Klafter tief in der Erde, ein viereckiges Skelettgrab aufgedeckt. Dasselbe war in Lehm gestochen, nicht mit Steinen ausgelegt, das Skelett gänzlich aufgelöst. Als Beigaben fand man ein kleines, aus grauem Thon gearbeitetes, aber an der inneren und äusseren Fläche mit Graphit geschwärztes Näpfchen, 5 Centim. hoch, an der oberen Oeffnung 8,4 Centim., am Boden 3 Centim. im Durchmesser haltend, mit Erde und Asche gefüllt; einen kleinen, 3 Centim. im Durchmesser haltenden Bronzering mit s-förmigem Verschlusse; eine aus gebogenem Bronzedraht eigenthümlich verschlungen geformte Kleiderhafte, Fig. 4; endlich ein eisernes, 16 Cent. langes Messer; der 8 Centim. lange, aus Holz oder Horn gefertigte Griff war mit Bronzeplättchen geschmückt. Dabei lag noch eine kleine Kugel von gebranntem Thon. Das Grab scheint ziemlich spät und der Form des Ringes, wie der Hafte nach slavisch zu sein.

In Rudolfi (bei Petersburg, Saazer Kreis) wurde im Jahre 1867 wieder ein Grabhügel, und zwar in der Waldflur Knežehaj aufgedeckt. Er war den in diesen Blättern[247] beschriebenen Rudolfer Hügeln ganz conform, vorwiegend aus Steinen aufgebaut, hatte eine Höhe von 5 Fuß bei einem Umfang von 20 W. Klaftern, und enthielt in der Mitte ein auf platten Steinen sitzend bestattetes, noch ziemlich wohl erhaltenes Skelett, dem jedoch der Kopf fehlte. Trotz der mühsamsten Nachforschung gelang es mir nicht, die geringsten Schädeltheile, nicht einmal die Zähne, die sich doch sonst meist noch gut erhalten zeigen, aufzufinden. Der Kopf scheint also abgeschnitten und verbrannt worden zu sein. Auch aus Mähren, Thüringen, Luxemburg etc. sind ähnliche Fälle in Hügelgräbern bekannt[248]. Außer einem kleinen Aschentöpfchen traf ich keine weiteren Beigaben in diesem Grabhügel. Die massigen, derben Knochen, sowie die Form des Beckens lassen auf ein männliches Individuum schließen; die Länge des vollständig erhaltenen Oberschenkelknochens (femur) 47,7 Centim. weist auf einen erwachsenen, großen Mann hin. Dr. A. Weisbach hat auch den in derselben Waldflur 1866 in einem andern Grabhügel gefundenen (weiblichen) Schädel gemessen; derselbe gehört unter die extremst dolichokephalen Schädel, da seine Länge 22 Centim., seine Breite 12,8 Centim. (= 1000: 581) ist, wobei ausdrücklich bemerkt werden muß, daß die Pfeilnaht nicht verwachsen, sondern in ihrem ganzen Verlauf deutlich ausgeprägt ist.