Danziger Zeitung: Nr. 4622, 3. Jan. 1868. Bilder aus der Marienkirche zu Danzig. (R. Bergau.)
Illustr. Zeitung: Nr. 1276. Das Genfer Escaladefest. — Nr. 1277. Die Stadt Rothenburg. — Weihnachtsbräuche. — Nr. 1279. Koller Gustav Adolph’s, Königs von Schweden.
Vermischte Nachrichten.
1) Von Freunden der Münz- und Wappenkunde in Dresden, welche sich schon seit Jahr und Tag in zwanglosen Zusammenkünften gegenseitig zu belehren und zu unterstützen unternommen hatten, gieng vor einiger Zeit die Anregung zur Gründung eines förmlichen Vereins für jene Fächer aus, und es fand diese Idee so viel Anklang, daß sich am 8. Nov. v. Js. ein Verein für Münz-, Wappen- und Siegel-Kunde förmlich constituieren konnte. Er hat sich Statuten gegeben und einen Vorstand gewählt, welcher aus dem Adv. Gautsch als Vorsitzendem, Kaufmann Schnecke als Schriftführer und Juwelier Widemann als Schatzmeister besteht. Es ist bereits mit benachbarten Geschichts- und Alterthums-Vereinen Verbindung angeknüpft worden; auch hat der Verein verschiedene Arbeiten in Angriff genommen, von denen später einmal Mittheilung gemacht werden soll. Einige Geschenke haben schon den Grund zu einer Bücher-, Münz- und Wappensammlung gelegt.
2) Im Dorfe Reinhardsgrimma bei Dippoldiswalde ist im Herbste v. Js. beim Roden eines Baumes auf Ritterguts-Grund und Boden ein Topf mit 2300 Stück Brakteaten gefunden worden. Der Besitzer des Gutes hat den ganzen Fund dem als Münzkenner und Sammler wohlbekannten Herrn Benno von Römer in Dresden zur Sichtung und Bestimmung übergeben, welcher bereits ermittelt hat, daß der ganze Fund in 46 verschiedene Typen zerfällt. Die Mehrzahl besteht in Brakteaten des Markgrafen Heinrich des Erlauchten zu Meißen, und zwar ungefähr aus den Jahren 1230–1260. Darunter sind 36 Stück böhmische in 17 verschiedenen Typen; einige mit den Buchstaben C. S., C. V. und C. bezeichnet; sodann 4 Stück wahrscheinlich bischöflich meißnische. Alle 2300 Stück sind mit wenig Ausnahmen vortrefflich erhalten und wie nur eben aus der Münze gekommen. An 400 Stück halbe, sorgfältig in der Mitte zerschnittene bestätigen, daß man dies nicht dem Zufalle, sondern der Absicht zuzuschreiben hat, auf diese Weise Scheidemünze zu bekommen. Nachdem das königl. Münzkabinet sich die noch nicht in demselben befindlichen Exemplare ausgewählt haben wird, soll der Fund im Ganzen verkauft werden. Ein ausführlicher Bericht darüber ist noch von Herrn von Römer zu erwarten.
3) In der Generalversammlung des akadem. Dombauvereins in Bonn hielt der Dombaumeister Voigtel aus Köln einen Vortrag, in welchem er sich auch über die Ausgrabungen verbreitete, die an der Nordseite des Kölner Doms zum Zweck des Terrassenbaues vorgenommen wurden. Man stieß dabei in beträchtlicher Tiefe auf die Reste eines römischen Tempelbaues zu Ehren des Titus, den laut der Inschrift die Augustalen mit einer Mauer umgaben, auf die Ueberbleibsel einer Reiterstatue, auf ein römisches Bad und daneben auf die Grundmauern eines Gebäudes aus der Römerzeit, das offenbar durch Feuer zerstört worden war. Neben einem Raume, der zur Küche gedient haben mochte, waren bis zu einer Tiefe von 40 Fuß die Hinterlassenschaften der culinarischen Genüsse aufgespeichert: Köpfe von Hirschen, Rehen, Ebern, dichte Lagen von Austernschalen. Unterhalb des erwähnten römischen Bades wurde noch ein zweites Bad bloßgelegt, welches in seiner Einrichtung auf ein noch höheres Alter zurückwies. Etwa 600 Münzen von Titus an und viele Geräthschaften wurden aufgefunden. Im künftigen Jahre (1868) sollen die Ausgrabungen fortgesetzt werden.
(Ill. Ztg. Nr. 1278.)
4) Die alte Kölner Dombibliothek befindet sich, seitdem sie von Darmstadt an Preußen ausgeliefert und dem Domkapitel zu Köln zurückgegeben ist, in einem feuerfesten Local des erzbischöflichen Priesterseminars daselbst hinter Schloß und Riegel, der Erlösung harrend, die ihr auf den ausdrücklichen Wunsch des Ministers durch Dr. Jaffé in Berlin in der Form eines Katalogs und der Publication der in ihr enthaltenen Inedita zu Theil werden soll. Das Kapitel wird durch den Umbau der Domsakristei, beziehungsweise den Anbau eines Kapitelsaales und Archivraums geeignete Räumlichkeiten für die Aufstellung der Bibliothek herstellen.
(Dies. Nr. 1277.)
5) Der Erzbischof von Köln hat folgende Preisaufgabe ausgeschrieben: „Wir wünschen, daß eine treue Kirchengeschichte der Erzdiöcese Köln im Anschluß an die Reihenfolge ihrer Bischöfe und Erzbischöfe in möglichster Kürze und populärer Darstellung ausgearbeitet werde, unter Zugrundelegung zuverlässiger Nachrichten, deren Quellen zu notieren sind. Die politischen Thaten und Ereignisse aus dem Leben der Bischöfe und Erzbischöfe oder der Landesgeschichte dürfen zwar nicht ganz mit Stillschweigen übergangen, sollen jedoch nur insofern berührt werden, als es für die richtige Darstellung des betreffenden Charakters oder der Kirchengeschichte des Erzbisthums selbst nöthig oder nützlich erscheint. Auf richtige Chronologie ist vorzüglich Sorgfalt zu verwenden“. Drei Jahre, vom 8. December 1867 an, sind als Frist angesetzt, binnen welcher die Arbeit vorgelegt werden muß; der Preis für die beste Leistung beläuft sich auf 400 Thlr., für die nächstbeste auf 200 Thlr. Die beste Arbeit muß durch den Druck veröffentlicht werden; das Verlagsrecht bleibt dem Verfasser ungeschmälert.