(Dies. Nr. 1280.)
6) Die bekannte „ Wiltener Meistersängerhandschrift “, über welche Professor Dr. J. V. Zingerle in Innsbruck einen besonderen Bericht veröffentlicht hat, ist von der Münchener Hof- und Staatsbibliothek erworben worden. Die Handschrift besteht aus 176 Blättern in Kleinfolio, ist im 15. Jahrhundert geschrieben und befand sich Ende des 16. Jahrhunderts im Besitz der Wolkensteiner. Auch die Meraner Fragmente der Eneit von H. v. Veldeke gehören seit kurzem der Bibliothek in München an und werden demnächst in den Monatsberichten der dortigen Akademie erscheinen.
(Allg. Ztg., Beil. Nr. 354.)
7) Bei Troß in Paris erscheint eine Serie von altfranzösischen Dichtungen. Der Schatz des Ungedruckten ist in den Pariser Bibliotheken noch auf lange ergiebig. Das neueste, von H. Michelant besorgte Werk ist ein Roman d’aventures aus dem 13. Jahrhundert: „Blancadin und Orgueilleuse d’amour“, in etwa 6000 Kurzzeilen, in der Art des „Guillaume de Palerme“, „Richard le bel“ u. s. f. gehalten. Kritische Behandlung und äußere Ausstattung sind anerkennenswerth. Vom Herausgeber, bekannt als kaiserlicher Bibliothekar in Paris, ist für den Literarischen Verein in Stuttgart eine Ausgabe des Romans vom Ritter Cifar angekündigt.
(Ill. Ztg. Nr. 1280.)
8) Das Kaiserhaus zu Goslar wurde bekanntlich von der Stadt dem König Georg zum Geschenk gemacht, und die von ihm angeordnete gründliche Restauration des Gebäudes ist von der preußischen Regierung aufgenommen und fortgesetzt worden. Die Untersuchungen von Kunst- und Bauverständigen haben außer Zweifel gestellt, daß der vom Kaiser Heinrich III. um 1050 unternommene Bau im großen Ganzen in dem gegenwärtig vorhandenen Gebäude ziemlich vollständig erhalten ist, und daß der nunmehr wieder freigelegte große Saal die im 11. bis 13. Jahrhundert in Goslar abgehaltenen Reichsversammlungen in sich hat tagen sehen. Auch die frühere kaiserliche Hauskapelle ist wieder aufgefunden in dem unter dem Namen „Gefängnißthurm“ als Haftlocal benutzten Gebäude.
(Dies. Nr. 1277.)
9) Die Reiterstatue Karls des Großen für das Monument, welches demselben in Lüttich errichtet wird, ist in Brüssel gegossen und von da nach ihrem Bestimmungsorte auf einem eigenen Lastwagen geschafft worden. Das Standbild ist ein Werk des Bildhauers Jehotte, 5 Meter hoch und ebenso lang und wiegt 9–10,000 Kilogramm.
(Dies. Nr. 1276.)
10) Ein vorzügliches Gemälde von David Teniers hat die belgische Regierung für den Preis von 125,000 Frcs. für das Brüsseler Museum erworben.