In den Lindauisch-Monfortischen Händeln (15. Jhdt. Graf Wilhelm v. M.) in einem Lindauer Spitalurbar steht also:

„item die drey, die schuld an dem todtschlag hond, sond den entleupten bützen mit 4 walfarten: gen Rom, Auch, Aynsidlen und Sanct Lenhart; IV kerzen tragen; XII mäss lesen lassen und sond die kerzen der frowen und den fründen geben werden; item ain stayne crütz setzen und des Entleupten frouwen XXV pfund haller geben werden“[13].

Der Schwörtag in Lindau.

Vierzehn Tage nach dem Kinderfest (August) war der Schwoͤrtag in der Barfüßerkirche. Prozession in der Kirche. Der ganze Magistrat, alle Geistlichen und weltlichen Behörden versammelten sich. Die Statuten und Gesetze wurden von der Kanzel verlesen. Nachher mußte jeder Stand darauf schwören.

München.

Dr. A. Birlinger.

Die Paramente der Marienkirche zu Danzig.

Es dürfte in Deutschland wenig Kirchen geben, welche in ihrem Innern so reich ausgestattet sind mit Altären, Statuen, Bildern, Epitaphien, Grabsteinen, Fahnen, reich geschnitztem Gestühl, Gittern, Reliquienbehältern, heiligen Gefäßen u. s. w., überhaupt Kunstwerken aller Art, vielleicht keine andere, welche in ihrer Gesammtwirkung[14] so ausgezeichnet wäre, noch so vollkommen das Gepräge des mittelalterlichen Katholicismus mit seiner soliden Pracht und seinem Reichthum trüge, als die (jetzt evangelische) Marienkirche zu Danzig, bekanntlich eines der größten[15] Kirchengebäude der Welt.

Ueber die Geschichte dieser Kirche besitzen wir eine sehr ausgezeichnete, auf genauester und umfassendster Kenntniß der archivalischen Quellen und eingehendstem Studium der Monumente beruhende, vortreffliche monographische Darstellung[16] von dem um die Geschichte der Stadt Danzig und der Provinz Preußen im Allgemeinen hochverdienten Th. Hirsch. Das Gebäude selbst, die Kapellen und Altäre hat er genau beschrieben und historisch erläutert. Ueber die Werke der kirchlichen Kleinkunst aber und die Paramente geht er kurz weg (Bd. I, S. 387), erwähnt ausführlicher nur eines Meßgewandes aus arabischem Stoff. Und auch später ist eine Beschreibung derselben bis jetzt nicht angefertigt worden. Fr. Bock, welcher Danzig um das Jahr 1853 besuchte, erwähnt in seinem verdienstvollen Werke „Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters“ der Paramente der Danziger Marienkirche öfter (Bd. I. S. 55, 111, 246. Bd. II. S. 26, 73 u. s. w.) mit großem Lobe, sagt (I, 111) sogar, daß „nach dem Zither in der Domkirche zu Halberstadt nicht leicht in Deutschland eine Sacristei zu finden sein dürfte, die einen solchen Schatz an mittelalterlichen Cultgewändern aller Art in den reichsten Seiden-, Silber- und Goldstoffen aufzuweisen hätte, als die Sacristei zu Danzig“. Durch Bock wurde zuerst die Aufmerksamkeit der Freunde der Kunst des Mittelalters auf diese Schätze hingelenkt. Mehrere derselben kamen nach Danzig, um sie zu studieren.

Seit der Anwesenheit Bock’s ist diese Sammlung durch neue, in den Jahren 1861, 1862, 1863, 1864 und 1867 gemachte Funde bedeutend vermehrt worden, so daß sie gegenwärtig