H. Häser.
Vermischte Nachrichten.
71) Zum Bau des Pfarrhauses in Graniczestie in der Bukowina wurden nach Angabe der Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. f. Kunst- und historische Denkmale auf dem nahe gelegenen, hohen, die Gegend beherrschenden Berge Steine geholt und dabei von den Arbeitern erst ein von unbehauenen Steinen umlegtes, 7 Fuß langes, 6,4 Fuß breites und 3 Fuß tiefes Grab gefunden, unter dessen Plattendecke ein größeres und kleineres Gerippe sich befanden. Das größere hatte zwischen den Füßen zwei unregelmäßig geformte Töpfe mit dicker Wand aus schwachgebrannter Schwarzerde. Zur Seite desselben lag eine Steinaxt aus Achat und ein versteinerter Rest einer Holzkeule (?). Leider wurde das Grab, sowie ein zweites, später gefundenes von den Arbeitern zerstört.
72) Marienwerder, 28. Mai. Das hiesige Museum des historischen Vereins hat einen werthvollen Silberfund erworben, dessen einzelne Theile nach Tausenden von Stücken zählen und zu sammen 4 Kilogramm wiegen. Derselbe befand sich in einer ungebrannten, nur am Feuer getrockneten Urne aus gewöhnlichem Thon, deren Theile gerettet sind, und welche nicht tief unter der Erde in der Kolonie Dombrowo stand. Der Schmuck besteht aus größeren, gewundenen Ringen von verschiedenster Form, aus Ohrringen zum Theil mit Gehängen, aus zahllosen kleinen Ringen, Kettenfragmenten, Platten, Zierstücken und anderen Schmuckgegenständen — sämmtlich von schönster Arbeit — sowie aus etwa zweitausend (über 600 völlig erhaltenen) Münzen, auf deren einzelnen sich phönizische, altgriechische und altetrurische Buchstaben befinden. Die Ornamentik der Zierplatten u. s. w. stimmt mit bekannten Hallstädter Gräberfunden (altetrurisch 600–700 v. Chr.). Auch die Technik der Urne spricht für die Jahrhunderte vor Christi Geburt.
(Nürnberger Presse, Nr. 156.)
73) Xanten, im Mai. Betreffs der „an der alten Burg“ vor dem Clever Thore gemachten Aufdeckungen ist Folgendes zu melden. Zunächst ist das Bauwerk zweifellos römischen Ursprungs, und zwar ein Prätorium, von dem nur ein geringer Theil, etwa ein Fünftel, bloßgelegt ist. Es ist dies der hintere, Exerzier- und Baderäume enthaltende Theil. In wie gewaltigen Ausdehnungen das Ganze angelegt ist, ergibt ein vergleichender Blick auf die Größenverhältnisse der so viel besprochenen und besuchten Saalburg bei Homburg vor der Höhe. Letztere hat eine Länge von 60 m. und eine Breite von 45 m. Hier aber handelt es sich schon um eine Breite von 107 m. und eine wahrscheinliche Länge von 143 m. Es ist also eine Aufdeckung, wie sie großartiger schwerlich während des letzten Jahrzehnts im Westen Deutschlands gemacht worden ist. Hoffentlich wird vom Spätherbst dieses Jahres ab, wenn die Felder leer sein werden, das Aufgraben seinen rüstigen Fortgang haben, und nicht unwahrscheinlich wird dann die Auffindung von interessanten Gegenständen römischen Lebens im nördlicher gelegenen Atrium und Peristyl sein. Jetzt gilt es zunächst, die das Prätorium umgebende Mauer, die in weitem Abstande das Gebäude umschließt in ihren Ecken festzustellen, und damit ist schon ein guter Anfang gemacht worden. Dann wird die porta praetoria so wie die porta decumana unschwer gefunden werden. Schließlich noch zur Nachricht, dass durch Weiterpachtung des betreffenden Ackerstückes die Zuschüttung des aufgedeckten Bauwerks in den Dimensionen von 107 m. zu 22 m. noch für das kommende Jahr verhindert worden ist.
(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 129 nach d. Cöln. Ztg.)
74) Der in Nr. 4 dieses Blattes unter Nr. 44 wiedergegebene Bericht des fränkischen Kuriers enthält mehrere ungenaue Angaben, die wir auf Wunsch des Vereins zu Hanau im Interesse der historischen Wahrheit durch folgende Angaben berichtigen. Zur Fortsetzung der im Oktober vorigen Jahres begonnenen Ausgrabungen nächst der Kinzigmündung, die unter Leitung der Herren Dr. R. Suchier und G. von Rößler stattfanden, war vom Kultusministerium eine Summe bewilligt; unter Leitung der Genannten wurden über 14 Tage lang Forschungen angestellt, wodurch Reste von drei römischen Gebäuden und noch weitere Fundamente aufgedeckt und in Allem genau konstatiert wurden. Diese hatten aber keinen militärischen Charakter, weshalb die Benennung „Kastell“ in dem früheren Artikel nicht zutrifft. Daß ein Römer-Kastell in der Nähe war, ist sehr wahrscheinlich, wo es aber lag und wie groß, ist bis jetzt noch unbekannt; später wird es hoffentlich noch an den Tag kommen. Die Fundgegenstände waren außer allerlei Geräthen von Eisen eben keine Urnen, sondern viele Fragmente von Krügen und Schalen. Das Interessanteste ist von dem Einsender unerwähnt gelassen, nämlich Heizvorrichtung, Auffindung eines Brunnens und eines wohlerhaltenen Kellers, worin sich die merkwürdigsten Stücke von bemalten Wänden fanden, auf denen sich Ornamente aller Art in den verschiedensten Farben deutlich zeigten.
75) In Regensburg wurde auf der Straße nach Kumpfmühl, wo gegenwärtig die Röhrenleitung zur Gasbeleuchtung gelegt wird, eine Löwenfigur ausgegraben.
(Das Bayerische Blatt, Nr. 123.)