76) Der „Neuen Züricher Zeitung“ wird aus Zürich geschrieben: Ein sehr interessanter Fund ist letzter Tage auf der Höhe der Allmankette, 840 Meter hoch, von Herrn Brandenberger in Adentschweil-Bärentschweil gemacht worden. Ungefähr 24 Pfund römische Kupfermünzen wurden gefunden. Der Schatz lag zwischen zwei Steinen lose mit Erde bedeckt und wurde beim Sprengen der Blöcke gefunden. Das Geld war je nach der Größe in fünf bis sechs Rollen verpackt worden und lag wahrscheinlich in einem Kistchen, das aber der Länge der Zeit erlegen ist. Die Münzen sind im Ganzen wohl erhalten. Die geschützte Lage hinderte ihre weitere Zerstörung durch Oxydierung derselben. Der Fundort ist auf der topographischen Karte mit Palten bezeichnet und war wohl immer mit Wald bedeckt. Die Münzen tragen die Bildnisse der römischen Kaiser aus dem 1. bis 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung; dieser Schatz mag bei dem Einfall der Alemannen verborgen worden sein. In der Nähe des Pfäffikersees waren verschiedene römische Niederlassungen; Bürglen, Irgenhausen (Kastell) und Kempten sind Beweise hiefür gewesen.
(Numismatisch-sphragistischer Anzeiger, Nr. 5.)
77) Im Göthehügel in Seesenheim fand, wie die „Els.-Lothr. Ztg.“ mittheilt, eine Ausgrabung statt, bei welcher zuerst ein rohgeformter irdener Teller und eine eiserne Pfeilspitze gefunden wurden. Das Metall wies auf die nachceltische Zeit, welche im Elsaß schon im ersten Jahrhundert vor Christi Geburt beginnt. In größerer Tiefe fanden sich darin ein Schädel und das Oberstück einer antiken Kanne mit schöngeformtem Henkel, Ausguß, Hals und einem Stück des Bauches, weiter eine Münze, welche über das Zeitalter der Bestattung Aufschluß gab. Es war ein kleines Kupferstück, so groß wie ein Pfennig, aber ziemlich dick. Die Aufschrift ergab D(ominus) N(oster) BADVILA REX, unten im Kranze noch der Rest eines x (= Denar); auf der Rückseite, so weit sie lesbar ist, FELIX T.... VS, in der Mitte ein nach rechts gewendeter Kopf. Die Inschrift ist zu ergänzen T(icin) VS, der Namen der Stadt Ticino in Oberitalien, die als Frauengestalt in der Mitte abgebildet war. Badvila fiel 552, und gleich nach ihm brach das Ostgothenreich unter den Angriffen der Byzantiner zusammen. Unter Totilas wurde der Theil Alamanniens, welchen Theodorich der Große vor Chlodwig geschützt hatte, an die Frankenkönige abgetreten; und in diese Uebergangszeit fällt diese Münze. Endlich kamen als geringe Reste noch zwei Stücke eines eisernen Schwertes, zerbrochene Eisensporen und zwei Helme zum Vorschein, diese ganz in der Form der zur Zeit der Völkerwanderung getragenen und insofern freilich sehr interessant. Nur der obere Schädel war dadurch bedeckt, eine abgestumpfte Spitze ragte noch darüber hinaus; dann schloß sich an den Rand nach abwärts ein Streifen, den gelegentlich auch Goldbänder und edele Steine verzieren mochten.
(D. Reichsanz. Nr. 122.)
78) Ein höchst interessanter antiquarischer Fund ist, wie der „Hamb. Corr.“ mittheilt, in Norwegen bei Sandefjord von dem Antiquar Nikolaison gelegentlich der Ausgrabung eines Hünengrabes gemacht worden. 12 bis 15 Fuß unter dem Gipfelpunkt des Hügels ist man auf ein Schiff gestoßen, welches vom Vorder- bis Hintersteven 60 Fuß Länge hat. Es ist dies wohl das erste Vikingschiff (oder Knorr) von solcher Größe, welches man bis jetzt aufgefunden hat. Nikolaison meint, daß es jedenfalls vom Anfang unserer Zeitrechnung datiert.
(D. Reichsanz., Nr. 122.)
Ueber diesen, wie es scheint, außerordentlich wichtigen Fund liegt eine Reihe eingehender Mittheilungen in verschiedenen Zeitungen vor, darunter in Nr. 253 u. 257 der Nordd. Allg. Ztg., woraus sich schließen läßt, daß das reich ausgestattete Schiff vollständig, wohl erhalten, etwa 75 Fuß lang ist, kostbare Metallgegenstände verschiedener Art, Seidenstoffe u. A. enthält und erst den späteren Jahrhunderten des ersten Jahrtausends angehören dürfte.
79) In Seligenstadt werden die allerdings nur geringen Ueberreste der am Main gelegenen Kaiserpfalz, welche aus der Barbarossazeit stammt, und das rothe Haus, Kaiserhaus oder Burg genannt, unter theilweiser Ausgrabung wiederhergestellt. Der Architekt Dr. Hesse aus Offenbach wird die Arbeiten leiten.
(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 123.)
80) Ueber den Stand der Restaurationsarbeiten am Stephansdom zu Wien bringen die Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. f. K. und hist. Denkmale folgende Notiz: