Dombaumeister Friedrich Schmidt hat der Central-Commission eröffnet, daß im laufenden Jahre das Restaurierungswerk der Stephanskirche zum vorläufigen Abschlusse gelangen wird; und wirklich verhält es sich mit den Arbeiten an der Kirche dieser Anzeige gemäß. Der Halbthurm ist bis auf ein Stockwerk des Gerüstes entkleidet. Gegenwärtig beschäftigt man sich hauptsächlich mit der Reparatur der dortigen drei Eingänge und der Innenhalle.
Die sogenannte Capistrans-Kanzel, die aus den Fugen zu gehen drohte, wurde abgetragen, um wieder in solider Weise aufgestellt zu werden.
Das letzte und wichtigste Werk der bisherigen Innenrestaurierung bildet die schöne gothische Kanzel, die nach ihrer Abtragung in allen ihren Theilen einer gründlichen Ausbesserung, Ergänzung und Säuberung unterzogen wurde und eben jetzt wieder zur Aufstellung gelangt.
Nach Mittheilung des Oberbaurathes Schmidt mußten an ihr, besonders am Schalldeckel, so manche Aenderungen durchgeführt werden, doch nur, um das Kunstwerk auf seine alte und ursprüngliche Form zurückzuführen, für welche sich hinreichende und unzweifelhafte Anzeichen dem geistreichen Baumeister vorfanden.
Mit der Restaurierung der Kanzel Hand in Hand, und weil fast geboten, gieng die Ausbesserung des Kirchenpfeilers, daran sich die Kanzel hinaufbaut. Bei der Ablösung der Rußtünche und der Jahrhunderte alten Staubkrusten kam man nicht allein auf verblaßte Reste der alten architektonischen Malerei, sondern man fand, und zwar viel besser erhalten, die Malerei an den Figuren, die die Kirchenpfeiler — unter reichen Baldachinen — zieren. Die Malerei ist mit besonderer Zartheit und Bescheidenheit angewendet und so gut erhalten, daß sie an den meisten Stellen heute noch ganz frisch erscheint und daran sehr wenig auszubessern war.
81) Einem Berichte des Conservators Dr. Schönherr über die fortgesetzten Restaurierungen in der Meraner Fürstenburg ist zu entnehmen, daß an den Wänden des Wehrganges Spuren von Malereien gefunden wurden, welche bisher eine Kalktünche völlig verdeckt gehalten hatte. Nach Loslösung dieser zeigte sich das alte Bild vollkommen deutlich. Es besteht aus rankenartigen Verzierungen in Roth, Grün und Braun, dazwischen die Darstellung einer Jagd und eines Vogelfanges. Diese Wandmalereien wurden einer, und zwar völlig gelungenen, pietätvollen Restaurierung unterzogen. Unrestauriert blieb vorläufig nur ein kleiner Theil an der Südseite des Wehrganges, nämlich da, wo in die rankenartigen Verzierungen ein Vogelfang eingefügt, aber die Malerei doch nicht so erhalten ist, um sie mit voller Sicherheit restaurieren zu können.
(Mittheil. d. k. k. Centr.-Comm. zur Erforsch. u. Erhalt. d. Kunst und hist. Denkmale, VI. Bd., 2. Heft.)
82) In Rutzendorf bei Ansbach fand ein Bauer bei baulichen Veränderungen seiner Scheune einen vergrabenen Münzschatz. Derselbe bestand aus 1 Goldmünze und circa 1300 Silbermünzen. Die Goldmünze war ein Dukate von Westfriesland von 1592; die Silbermünzen vertheilen sich wie folgt:
a) 260 französische Münzen als: 65 ganze, 188 halbe und 7 viertel Thaler, sämmtlich von Ludwig XIV.;
b) 25 andere Thaler: 14 Stück Kaiser Leopold I. von 1682–92; 2 Stück Philipp für Brabant 1578 u. 1580; 1 Stück Stadt Zwolln 1660; 1 Stück Lüttich (Bisthum) 1690; 1 St. Hanau, Catharina Belgica, 1622; 1 St. Leopold von Oesterreich 1624 (wie Schulth. Cat. 4230); 1 St. Tirol, Sigmund Franz 1665; 1 St. Salzburg, Max Gandolph 1672; 3 Stück Sachsen, 3 Brüder, 1609; ferner: Nürnberg, 1 Guldenthaler 1612;