In der alten Züricher Wappenrolle finden sich verschiedene Beispiele von beiden Gattungen, und zwar ad I in den Wappen Nr. 18, 21, 180, 185 und 559 und ad II in den Wappen Nr. 153, 359, 389 und 391. Ich theile hier Abbildungen mehrerer dieser Wappenschilde mit, und erlaube mir, einige allgemeine Bemerkungen beizufügen, welche allerdings für den Heraldiker von Fach nichts Neues enthalten, aber manchem Freunde der edlen Heroldskunst unter den Lesern dieser Blätter doch nicht ganz unerwünscht sein dürften.

Ad I. Geweckte Schilde und Felder.Fig. 1. „Baiern“ (Nr. 18): ein von Weiß und Blau geweckter lediger Schild;Fig. 2. „Tek“ (Nr. 21): ein von Gelb und Schwarz geweckter lediger Schild[207];Fig. 3. „Criech“ (Nr. 185): ein getheilter Schild, oben ein von Weiß und Schwarz gewecktes Feld, unten ein rothes Feld;Fig. 4. „Grünberg genannt Salzfaß“ (Nr. 559): ein schräg getheilter Schild, oben ein wachsender rother Leopard, unten von Weiß und Blau geweckt.

Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. Fig. 4.

Ad II. Wecken als Figuren.Fig. 5. „Friberg“ (Nr. 153): im blauen Schilde 3 weiße Wecken[208];Fig. 6. „Egkher“ (Nr. 359): von Schwarz und Weiß getheilter Schild mit 3 weißen Wecken im schwarzen Felde;Fig. 7. „Schaler“ (Nr. 389): im rothen Schilde 5 (schrägbalkenartig) schräg an einander gestellte weiße Wecken[209]. Bei Blasonierung eines mehrfarbigen heraldischen Musters kann von einer Tinktur des betreffenden Feldes eben so wenig die Rede sein, wie von Figuren und von einer bestimmten Zahl der einzelnen Plätze, die sich ohnehin mit der Schildform beliebig verändert.

Fig. 5. Fig. 6. Fig. 7.

Beide Tinkturen haben ganz die gleiche Eigenschaft; denn sie sind organisch zu dem betreffenden heraldischen Muster miteinander verbunden und bilden zusammen nur eine zusammengesetzte Tinktur, gehören somit ebenso zu den „ledigen Wappen“, wie die mit einer einzigen Tinktur (ohne Figur)[210].

Es gibt aber auch Wappenbilder von zusammengesetzter Tinktur.

Der Adler im Wappen von „Maͤrhern“ (Mähren, Nr. 81) ist z. B. weder ein weißer Adler mit rothen Würfeln, noch ein rother mit weißen Würfeln oder Schach, sondern ein von Weiß und Roth geschachter Adler.