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GRÖSSERES BILD
Mit Tusche leicht schattiert und somit ohne Angabe des Materials sind die beiden ZeichnungenNr. 109 und 111, zwei Gefäße darstellend, die aus Nautilusmuscheln hergestellt werden sollten, welche am Schlusse des 16. und im 17. Jahrh. häufig zu Gefäßen verarbeitet wurden, die mehr Schaugefäße waren, als eigentliche Gebrauchsgegenstände. Das erste derselben hat einen Deckel mit einer liegenden weiblichen Gestalt, die, nackt, blos mit einem Federdiadem auf dem Kopfe und ein ähnlich ausgestattetes Scepter in der linken Hand, Ketten und Ringe auf der Brust und an den Armen, in der Rechten eine kleine Nautilusmuschel trägt. Es soll wol eine allegorische Darstellung, und zwar jene von Amerika sein, während ein Bewohner dieses Landes es ist, der, in der Rechten ein Ruder haltend, mit der Linken einen großen Fisch schleppend, auf dem gebückten Rücken das Gefäß trägt, das in ornamentale Spangen von Metall gefaßt, an der Mündung mit Metallrand versehen ist. Das zweite Gefäß hat keine Metallfassung und ruht nur auf zwei auf einem Postamente stehenden Schwänen.
Nürnberg.
A. Essenwein.
Gerhard Heinrich von Amsterdam, Bildhauer in Breslau.
Anfang dieses Jahres veröffentlichte ich (Breslau, 1880) eine kleine Schrift über den Bildhauer Gerhard Heinrich und dessen Hauptwerk, das Grabdenkmal des Feldmarschalls Melchior von Redern in der Stadtkirche zu Böhmisch-Friedland. Durch die Güte des Stadtbibliothekars Herrn Dr. Markgraf ist mir nun ein Hochzeitsgedicht zugänglich gemacht worden, das Georg Reuter bei Gelegenheit der Vermählung des Meisters mit seiner Stiefenkelin, Barbara Wittich, am 20. Mai 1607 (nach dem Carmen: am 21. Mai) gereimt hat, und diese an sich werthlose poetische Leistung gibt uns über den Künstler manch wichtige Nachricht.
Wir erfahren, daß
Anno 1587
Nun war dieser Herr Breutgam fein, In dieses Land komen herein, Hierin sich etwas vmbzusehn, Das seiner kunst möcht wol anstehn, Wie er dann zuvor in Franckreich, Welschland, zu Venedig, deßgleich Im Römischen Reich war gewesen.
Er heiratet in Breslau die Witwe des Bildhauers und Stadtbaumeisters Friedrich Groß, der, wie der Poet mittheilt, 1588 gestorben war. Als den Hochzeitstag nennt Georg Reuter den 21. Mai 1589. Das ist aber falsch; denn, als der Sohn des Friedrich Groß am 20. Oktober 1589 sein Testament macht, war Gerhard Heinrich noch unverheiratet, und das Traubuch der Maria-Magdalenenkirche gibt als Datum der Verehelichung den 4. Juni 1590.