G. M. Thomas.

Vermischte Nachrichten.

142) Einer der interessantesten Funde, die seit einem Dezennium in der Pfalz gemacht wurden, hat sich bei einer baulichen Veränderung am Bahnhofe zu Kirchheim a. d. Eck ergeben, indem sich in ½ met. tiefem, kalkreichen Erdreiche ein Skelett in hockender Stellung vorfand, zu dessen Füßen im Grunde mehrere theils rohgeformte, theils sorgfältig bearbeitete Gefäße standen, und auf dessen Brust eine Steinaxt lag. In einem ausführlichen Berichte der Palatina Nr. 88 wird die Aehnlichkeit mit dem Monsheimer Funde dargelegt und auseinandergesetzt, daß hier wol der älteste Fund aus der Pfalz vorliege, da die mit Verzierungen versehenen Gefäße und das sorgfältig bearbeitete Steinbeil dem 6. Jhdt. v. Chr. angehören.

143) In der Gemarkung des Dorfes Rodau bei Zwingenberg wurde, wie die Darmstädter Zeitung in Nr. 294 mittheilt, eine Grabstätte aus sehr früher Zeit gefunden. Einen halben Meter unter der Erdoberfläche fanden sich Reste eines menschlichen Skelettes nebst Scherben von Thongefäßen primitivster Art und einem Instrumente aus Knochen innerhalb einer 20 cm. hohen, 1,10 Met. im Durchmesser haltenden, kreisrunden, von dem übrigen Erdreiche deutlich unterschiedenen Erdmasse, die sich durch ihre Mischung mit Kohlen und Asche sichtlich als Brandstätte erkennen ließ.

144) Aus dem Süderlande wird der „Ess. Ztg.“ geschrieben: „Wir können von einem seltenen Funde berichten, der in der Nähe von Altena gemacht ist. Bei Gelegenheit der Urbarmachung einer Waldparzelle nämlich wurde von einem Arbeitsmann ein durchbohrter und eigenthümlich gestalteter Stein gefunden und der Seltenheit wegen auch mit nach Hause genommen. Durch einen glücklichen Zufall gelangte die Nachricht von diesem Funde, der im Laufe des Sommers gemacht war, an den Vorstand des Museums in Altena, und es stellt sich nunmehr heraus, daß der aufgefundene Stein ein Artefakt, und zwar eine steinerne Streitaxt ist. Dieser Fund ist deshalb von außerordentlichem Interesse, weil bisher, soviel in Erfahrung hat gebracht werden können, ein derartiges Geräth im „Süderlande“ — dem alten Wohnsitze der Sigambrer und dem südlichen Sitze des eingedrungenen Stammes der Sachsen — nicht gefunden oder aufbewahrt ist. Diese Axt gehört nach der Art ihrer Bearbeitung der jüngeren Steinzeit an, reicht möglicherweise aber noch in die Zeit der Kämpfe der Sachsen gegen die Franken zur Zeit Widukinds, eine Annahme, die zulässig wenigstens erscheint, wenn man gewahrt, daß die „Steinzeit“ in hiesiger Gegend bis in unsere Tage in Gestalt der sogenannten „Gewichtsteine“ hineinragt. Auf manchem Wasserwerke nämlich unserer einsamen Thäler wird noch heute oder wurde bis vor kurzem der gezogene Draht oder das geschmiedete Eisen mit Gewichtstücken gewogen, die aus einem Stein zurechtgeschlagen sind.“

(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 486.)

145) Stade, 13. Okt. ( Urnenfeld bei Hagen. ) Wie das hiesige „Tageblatt“ meldet, ist vor einigen Tagen in der Nähe der Ortschaft Hagen beim Baugewerk ein Urnenfeld entdeckt. Dasselbe befindet sich auf dem Hüttenberge, in dem früheren Wege von Hagen nach Sandstedt. Im Ganzen sind zwölf Urnen gefunden, alle in der Richtung von Südosten nach Nordwesten in Reihen, etwa 58 Centimeter tief im Boden stehend. Leider konnte keine einzige heil zu Tage gefördert werden, dagegen fanden sich in einigen recht werthvolle Bronzesachen, als: eine Bronzenadel von ausgezeichneter Arbeit, desgleichen eine Lanzenspitze und mehrere Bronzemesser. Sämmtliche Sachen sind von dem Lehrer Buerfeind in Besitz genommen, der sie dem Verein für Alterthumskunde in Stade einsenden wird.

(Weserztg. 12131.)

146) Aachen, 4. Oktober. Ein Beitrag zur Geschichte der römischen Ansiedlungen im Rheinlande ist durch die Aufdeckung einer römischen Villa in der Nähe von Aachen im Monat September geliefert worden. Auf Veranlassung und unter Leitung des Konservators des Museumsvereins in Aachen, Hauptmann a. D. Berndt, wurde die Aufgrabung ausgeführt, nachdem schon 1876 im Propsteiwalde, nahe der Station Stolberg der rheinischen Eisenbahn, Stücke behauenen Sandsteines gefunden worden waren, welche vermuthen ließen, daß sich an Ort und Stelle vielleicht Baureste finden möchten. Die im Laufe des September vorgenommenen Grabungen legten Mauern eines römischen Baues in der Höhe von ½ bis 3 m. bloß, sodaß aus dem Grundriß der Umfassungsmauern deutlich die Anlage einer römischen Villa erkannt werden konnte. Das Baumaterial der Mauern — behauener Kohlensandstein, in der Nähe des Platzes gebrochen —, der Mörtel, die Form der im Schutt gefundenen Ziegel, ein an mehreren Stellen aufgedeckter Estrich, Topfscherben mit römischen Stempeln und viele andere kleine Funde lassen jeden Zweifel schwinden, daß hier die Ueberbleibsel einer römischen Ansiedelung vorhanden sind. Auffallend stimmt auch die Größe der Anlage, welche 37 m. lang und 21 m. breit ist, mit den Maßen der Villa überein, welche südlich des Römerkastells, der Saalburg, bei Homburg gefunden worden ist. Die Ergebnisse scheinen bedeutend genug, um die völlige Bloßlegung der Villa zu unternehmen; da man aber bei einer Vergleichung der bisher bewegten und noch zu bewältigenden Bodenmenge zu der Ueberzeugung kommen mußte, daß vor Eintritt des Winters die Arbeit nicht beendigt sein könnte, so ist die Aufgrabung vorläufig bis zur Fortsetzung im nächsten Jahre eingestellt worden. Die bis jetzt bloßgelegten Mauern sind mit Reisig, Laub und Erde soweit wieder zugedeckt worden, daß ihnen durch Regen und Frost kein Schaden zugefügt werden kann.

(D. Reichsanz., Nr. 246, nach d. Köln. Ztg.)