147) Bad Bertrich, 22. Oktober. Bei Aushebung des Kellerraumes und der Fundamente behufs Neubau im Garten des Gastwirths Herrn J. Klerings (Drei Reichskronen) fand man unter alten Mauerresten römische Ziegel, Scherben von Krügen, Urnen und Vasen mit Reliefverzierung aus terra sigillata, ferner Thierknochen, Hörner und Eberzähne, einige anscheinend goldene Spangen, sowie in geringer Tiefe 70 Römermünzen. 65 Stück sind wohlerhaltene Silbermünzen aus dem 1. und 2. Jahrh. Von fünf Kupfermünzen sind nur drei leserlich, nämlich je eine Urbs Roma, Gallienus und Postumus.

(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 510, n. d. Köln. Volksztg.)

148) Im Herbst vorigen Jahres ist man in der Nähe von Loburg (Kreis Jerichow I., Prov. Sachsen), auf dem sogenannten Galgenberge beim Vorwerke Padegrim, beim Bohren nach Feldsteinen für den Chausseebau auf ein wendisches Gräberfeld gestoßen, das sich über mehrere Morgen erstreckt. Es ist eine große Anzahl Urnen, theils frei in der Erde, theils unter Feldsteinüberwölbungen stehend und in der mannigfachsten Weise theils mit Feldsteinen, theils mit Näpfen oder den Untertheilen zerschlagener Urnen, theils auch mit glatten Ziegelplatten zugedeckt, und von sehr verschiedenartigen Formen, auch mit Henkeln und Linearornamenten, freigelegt worden. In und bei einzelnen haben sich kleinere, wieder von sehr wechselnden Formentypen vorgefunden. Der Inhalt der entleerten Urnen erwies sich außer Knochenresten meist als ein sehr dürftiger, doch sind Lanzenspitzen aus Bronze und Knochen, Haarnadeln aus Bronze und Eisen, Spangen, Knöpfe und Ringe aus Bronze, zum Theil bei der Leichenverbrennung zusammengeschmolzen, festgestellt worden. Münzen, Messer und Schwerter haben sich nicht gefunden. Uebrigens ist die Aufgrabung nur eine ganz zufällige und gelegentliche gewesen und durch den Frost und die neue Bestellung des Feldstücks sistiert worden. Eine systematische Aufgrabung würde gewiß noch manches Bemerkenswerthe aufdecken. Kürzlich ist in die Hände des Einsenders auch ein auf der Feldmark der Stadt ausgegrabener Denar des Kaisers Hadrian gelangt, jedoch hat die Fundstelle nicht mehr für weitere Nachforschungen sicher nachgewiesen werden können.

E. W.

149) Wien, 28. Oktober. In dem kroatischen Seestädtchen Buccari wurde durch Zufall ein römischer Friedhof entdeckt. Auf dem Marktplatze der Stadt hatte sich nämlich unter den Tritten der Pferde die Erde etwas gesenkt, und es kamen Ziegel zum Vorscheine. Man forschte nach und entdeckte bald einige römische Grabmäler aus dem ersten und zweiten Jahrhundert. Nunmehr wurden die Nachgrabungen unter der Leitung des Direktors des kroatischen Museums fortgesetzt und bisher zwanzig Gräber aller Art gefunden. Man stieß dabei auf irdene Urnen aller Größen und Formen, gläserne Flaschen, Vasen, seltsam geformte Becher, kleinere Fläschchen, römische Münzen und wohlerhaltene Skelette. Im Augenblicke wartet man die Bewilligung eines größeren Betrages ab, um die Ausgrabungen fortsetzen zu können.

(Augsb. Postztg., Nr. 265.)

150) Die Altofner Ausgrabungen haben am 26. v. M. einen wichtigen Fund zur Folge gehabt; es wurde nämlich im westlichen Theil des Amphitheaters ein Stein mit folgender Inschrift gefunden: „Deae Dianae Nemesi Augustae, honoribus C. Juli Victorini, equo publico, aedili II. virali et T. Flavio Luciano quinquennali II. virali, pontificibus quinquennalibus coloniae Aquinci, Pupilius Hylatianus Antestis numini eiusdem deae posuit V Kalendas Iulias, Aemiliano et Raso consulibus.“ Wie die Archäologen versichern, wiegt dieser Stein, auf dem die Munizipalverfassung des alten Anquincum ersichtlich ist, an Werth die bisherigen Funde auf.

(Nordd. Allgem. Zeitung, Nr. 492.)

151) Kopenhagen, 27. Oktober. Das königliche Museum für die nordischen Alterthümer hat vor einiger Zeit eine 4½ Zoll hohe römische Bronze-Statuette des Jupiter erworben, die auf der Insel Fühnen beim Ausschachten eines Grabens gefunden worden ist. Jupiter ist nackt dargestellt, mit lockigem Haar und in kämpfender Haltung; der rechte Arm ist gekrümmt, und die Hand umschließt den Donnerkeil, der linke Arm ist schwach gekrümmt und ausgestreckt. Der linke Fuß steht etwas vor dem rechten, grad ausgestreckten. Die Stellung ist natürlich und frei; im Uebrigen läßt die Statuette erkennen, daß sie aus der Zeit des Verfalls der klassischen Kunst herstammt; dieselbe dürfte kaum älter sein als aus dem dritten Jahrhundert nach Chr. Allem Anschein nach ist die Figur ursprünglich auf einem Wagen angebracht gewesen, in vorgebogener Stellung die angespannten Pferde lenkend. Der Fund hat um deswillen großes Interesse, weil dergleichen römische Alterthümer auf der Insel Fühnen sehr selten sind.

(Deutsch. Reichsanzeiger, Nr. 255.)