1) Noch immer birgt unser Boden eine Fülle von Schätzen, und wer die alle hätte, die im Schooße der Erde, sowie auf dem Grunde des Wassers ruhen, der hätte wohl das reichhaltigste Museum, das die Erde ziert! Allmonatlich suchen wir eine Chronik der gemachten Funde an dieser Stelle zu geben, die freilich höchst unvollständig ist, da so Vieles sich unserer Kenntnißnahme entzieht. Aber die Zahl der Funde wird nicht geringer, noch der Werth relativ unbedeutender. Wie groß ist nicht die Zahl der fort und fort gefundenen Münzen; wie viele Waffen und Hausgeräthe treten zu Tage, die einst unsere Vorfahren und deren Vorgänger auf dem heimischen Boden ihren geliebten Todten mit in das Grab gegeben haben! Wir bitten daher auch beim Beginne dieses Jahres alle Freunde des Museums, alle Leser dieses Blattes, sobald irgend ein Fund zu ihrer Kenntniß gelangt um gütige Mittheilung, sei es schriftliche ganz kurze Nachricht, sei es Uebersendung irgend einer Nummer eines Lokalblattes, das Kunde gibt. Es handelt sich für diese kurze Chronik nicht sowohl um eingehende wissenschaftliche Würdigung, welche vielmehr anderen Orten vorbehalten bleiben muß, als um kurze Andeutungen. Es ist uns nichts zu unbedeutend, und sollte irgend eine solche freundliche Nachricht nicht genügendes allgemeines Interesse haben, um sie im Anzeiger zum Abdrucke zu bringen, so ist sie uns doch willkommen genug, um die eigene Kenntniß zu mehren.
So lange solche freundliche Nachrichten uns nur vereinzelt zugehen, müssen sich die geehrten Leser mit der Fundchronik, auch unvollständig, wie sie ist, begnügen und entschuldigen, wenn wir dann und wann erst durch Nachträge sie über einzelne Funde in Kenntniß setzen. So bilden wir hier ein Bronzeschwert ab, welches im Frühjahre 1879 im Inn bei Kraiburg gefunden worden sein soll, und von dessen Auffindung wir erst durch einen Münchener Antiquitätenhändler Kenntniß erhielten. Das Stück, das sich durch besondere Länge — 89 cm. — auszeichnet, wurde für unsere Sammlung erworben.
Schwert
2) Bizfeld, Oberamts Weinsberg, den 15. Jan. Vorigen Herbst machte ein hiesiger Bürger einen interessanten Fund. Auf seinem Acker (ca. 4 km westlich von Oehringen, nahe an der von da nach Heilbronn führenden Straße gelegen) schaffte er beim Pflügen einSchwert ans Tageslicht. Dieses ist zweischneidig, 4 cm breit und sammt dem Griff 61 cm lang. Lezterer allein ist 10 cm lang und hat 8 Nieten mittelst deren die Schale angeheftet war. Das Schwert ist mit Grünspan überzogen und zeigt an abgeschliffenen oder angefeilten Stellen einen schönen goldgelben Glanz.
(Schwarzw. Bote, Nr. 15.)
3) Zürich, 8. Januar. Auf der „Hafner“ geheißenen Untiefe im Zürichsee, welche ein paar tausend Fuß von den Stadthausanlagen entfernt ist und sich, von einer Anhöhe gesehen, durch eine weißliche Farbe und ein Schifferzeichen (Boje) bemerkbar macht, wird gegenwärtig unter Anwendung einer Baggermaschine auf Anordnung der städtischen Bauverwaltung der Boden untersucht. Es ist sehr auffallend, wenn schon nicht ganz unerwartet, daß bei dieser Stelle Reste einer alten Pfahlbauansiedlung zum Vorschein kommen, welche in einer Menge von Scherben grober und feiner Thongefäße, Kohlen etc., auch einzelnen Bronzegeräthen bestehen und das jahrhundertelange Dasein einer Ansiedlung außer Zweifel setzen. Eine Unmasse von Pfählen bilden die Unterlage, auf welcher die Hütten errichtet waren.
(D. Reichsanz., Nr. 9.)
4) Nach einer Mittheilung des Conservators Jenny an die k. k. Cent.-Comm. f. K. u. hist. Denkm. zu Wien, wurde in Nüziders in Vorarlberg ein Bronzecelt gefunden.
5) Conservator Hraše berichtet derselben Commission über Fund und Eröffnung heidnischer Grabhügel im Walde Sáka bei Opočno und von 4 erhaltenen Gräbern bei Přepich.
6) Im Schlußhefte des 5. Bandes der Mittheilungen der k. k. Cent.-Commission f. K. und hist. Denkmale gibt E. Richter Notizen über die seit 1823 am Dürenberge bei Hallein gemachten keltischen Funde, worin auch neuerer dort gemachter Funde Erwähnung geschieht. Wenn auch einzelnes zersplittert worden sein mag, so ist doch die Mehrzahl in das Museum zu Salzburg gekommen und von dem genannten Berichterstatter daselbst geordnet worden. Derselbe erhofft von systematischen Ausgrabungen wichtige Ergebnisse.