7) Zu Salzburg wurde nach einer Nachricht desselben Berichterstatters ein römischer Votivstein gefunden, welcher die Inschrift trägt: I(ovi) O(ptimo) M(aximo) et om(nibus) dibus (sic statt diis) M(arcus) Ulp(ius) Philippius B(eneficiarius) Egnati(i) Prisci proc(uratoris) Aug(usti) v(otum) so(lvit) l(ibens).
8) Conservator Hauser hat der genannten Commission über Aufdeckung von Mauerresten zu Wartmannstetten, unweit Neunkirchen berichtet, die den Eindruck des Profurniums eines römischen Hauses machten.
9) Xanten, 15. Januar. Dem hiesigen, seit drei Jahren bestehenden niederrheinischen Alterthums-Verein ist es gelungen, an der Nordseite der Stadt, vor dem Clever Thore, wichtige Aufdeckungen zu machen. Auf dem sogenannten Steinacker sind nämlich großartige Fundamente bloßgelegt worden, auf denen noch Mauerreste von 0,5 bis 1 Mtr. Höhe stehen. An einer Stelle, an der man bis auf das Ende des Fundaments gehen wollte, reicht dasselbe in eine Tiefe von fast 5 Mtrn. Eine Längsmauer, in der mehrere Thoröffnungen bemerkbar sind, erreicht bis dahin schon die Länge von 60 Mtrn.; die Dicke dieser Mauer, welche nicht überall gleichmäßig ist, beträgt 1,5 Mtr., die des Fundaments 2 Mtr. Dabei ziehen sich gewaltige Quermauern nach beiden Seiten hin. Das Mauerwerk selbst scheint römischen Ursprungs zu sein. Davon zeugen die im Schutte massenhaft vorkommenden quadratischen Dachziegel, sowie drei römische Münzen aus der Zeit der Antonine. Das Baumaterial ist ein harter Schiefer, welcher durch einen mit Ziegelmehl oder zerstoßenem Tuffstein gemengten Kalk verbunden ist. Die Maurerarbeit ist vortrefflich. Vielfach findet man die Wände mit einem steinharten Beton beworfen, fein geglättet und tapetenartig bemalt. Jetzt hat durch den Frost die Aufdeckungsarbeit eingestellt werden müssen; aber allen, welche sich dabei betheiligten, wird es klar, daß diese gewaltigen Substruktionen sich sehr weit erstrecken werden und der Schwerpunkt der Colonia Trajana sich demnach weniger am Fuße des Fürstenberges, sondern vielmehr im Norden der Stadt Xanten befunden habe. Auffallend ist es, daß kein Ziegel, wie sonst, ein römisches Legionszeichen an sich trägt, vielmehr vielfach auf der einen Seite Wellenlinien zeigt, welche dem Ziegel in seinem nassen Zustande etwa mit einem scharfen Besen beigebracht worden sind. Hoffentlich werden bald kundige Männer die Fragen nach Ursprung und Zweck dieser großartigen Mauerreste zu lösen wissen, auch die Frage, welche schon aufgetaucht ist, ob wir es hier nicht vielleicht mit einem germanischen Werke zu thun haben, das aber nach römischer Art gebaut ist. Das Nibelungenlied und der Volksglaube, daß im Norden Xantens die Sigfriedsburg gestanden habe, rückt diese Frage nahe.
(Voßische Ztg., Nr. 21. nach d. Köln. Ztg.)
10) Ueber die gelungene Erneuerung des mit Mosaiken der altchristlichen Periode geschmückten Gewölbes der Domkirche zu Triest enthält dasselbe Heft der Mittheilungen eine, den technischen Vorgang beschreibende kurze Notiz, in welcher Weise erst durch eine innere Lage von Papier und Gips auf einer Unterlage das Mosaikgemälde festgehalten, hierauf das Gewölbe Stein um Stein weggenommen und erneuert, sodann durch einen Cementguß eine feste Verbindung des neuen Gewölbes mit dem Mosaikbild hergestellt, dann die innere Stütze nebst Gips und Papier weggenommen wurde.
11) Im Monate Oktober v. J. wurden in Wien an der Ecke des Bauernmarktes und der Goldschmiedgasse Baureste einer spätro manischen Kirche gefunden, Pfeilerstücke, Kapitäle u. A., theilweise mit der ehemaligen Bemalung. Auch eine freigelegte Feuermauer eines Hauses zeigte romanische Technik.
12) Die interessante romanische Paulskirche in Worms, welche gegenwärtig Ruine ist, wird wiederhergestellt und im Innern entsprechend ausgestattet werden, da sie der dortige Geschichts- und Alterthumsverein auf 30 Jahre gemiethet hat und in derselben eine Sammlung von Alterthümern und Geschichtsdenkmalen aufstellen wird. Wir begrüßen mit Freude dieses Unternehmen, durch welches sowohl der fernere Bestand der Paulskirche gesichert ist, als auch für die zahlreichen in Worms befindlichen und daselbst und in der Umgegend fortwährend zu Tage tretenden Gegenstände ein passender Zufluchtsort gegründet wird.
13) Das k. k. österr. Unterrichtsministerium hat einige bauliche Restaurierungen des Domes zu Trient, insbesondere die Erneuerung des Dachstuhles, auf Grund der Aeußerungen der k. k. Cent.-Comm. f. K. u. hist. Denkm. und des Hochbaudepartements des Ministeriums des Innern genehmigt.
14) Die Verhandlungen über den Abbruch des Rathhauses zu Alsfeld in Hessen, eines gothischen Holzbaues von 1512 sind nun wohl definitiv zu Ende und das Bauwerk gerettet. Es war nicht eine administrative Behörde, sondern eine parlamentarische Versammlung, der Provinzialausschuß der Provinz Oberhessen, worin auch die Stadt Alsfeld vertreten war, welcher die Entscheidung in Händen hatte und, nach eingeholtem Gutachten von 4 Sachverständigen, nicht blos der Gemeinde das Recht absprach, das seit einigen Jahren durch Vernachlässigung schadhaft gewordene Rathhaus zu zerstören, sondern ihr auch die Pflicht auferlegte, das Versäumte nachzuholen und das Gebäude dauernd in gutem Stande zu erhalten, so daß der Stadt und dem Lande ein historisch denkwürdiges Kunstwerk und eine hervorragende Zierde erhalten bleibt, deren Werth nicht einmal der Vertreter der Stadt im Provinzialausschusse anzufechten gewagt hatte, da in der That kein anderes Motiv von der Stadtgemeinde geltend gemacht worden war, als die Absicht, jetzt die nur wenige hundert Mark betragenden Herstellungskosten, in Zukunft aber die Erhaltungskosten, zu sparen, und die deshalb erst das Kreisamt, nach dessen Weigerung den Kreisausschuß und zuletzt den Provinzialausschuß zur Behandlung der Angelegenheit genöthigt hatte.
15) Im Hafen von Chatham ist kürzlich bei den Arbeiten zur Erweiterung der dortigen Werfte der Ueberrest eines alten holländischen Kriegsschiffes aufgefunden worden, und es hat sich herausgestellt, daß dies der Rest eines jener Schiffe ist, welche zur Zeit Karls II. unter Trump und Ruyter die Themse hinaufsegelten und die Londoner in Schrecken setzten. Von den auf dem Schiffe gefundenen Geschützen sollen einige in nachbarlicher Höflichkeit der niederländischen Regierung als historische Andenken zum Geschenk gemacht werden; die übrigen dürften im Arsenal zu Woolwich bleibende Aufstellung finden.