(Staatsanz. f. Württemberg., Nr. 4.)
16) Bei Lehmke, Amt Oldenstadt, in einer Gegend, die den Archäologen durch Funde schöner heidnischer Alterthümer sehr bekannt ist, wurde, so wird dem „Hann. Cour.“ geschrieben, vor einiger Zeit auch ein werthvoller mittelalterlicher Fund gemacht. Ein Knecht, mit Kulturarbeit beschäftigt, stieß auf ein Gefäß mit s. g. Bracteaten, dünnen und nur einseitig geprägten Silbermünzen, die für den Numismatiker großes Interesse haben. Der Schatz soll ursprünglich aus ca. 1600 Stück derselben bestanden haben; über 1200 Stück wurden dem Herrn Kreishauptmann zu Oldenstadt eingeliefert. Dieselben zeigen meistens das Bild eines Löwen, theils von der rechten, theils von der linken Seite, stehend oder über einen Thurm hinwegsetzend, über Mauerzinnen stehend etc. Andere Gepräge sind im Funde nur durch wenige Stücke vertreten, so einige mit einem Brustbilde, das in den Händen Schwert und Fahne hält, und unter dem ein horizontal liegender Schlüssel sich befindet.
Vorstehende Notiz findet sich nebst Beschreibung der einzelnen Typen von M. Bahrfeldt in Nr. 12. des numismatisch-sphragistischen Anzeigers.
17) Die Blätter für Münzfreunde bringen in Nr. 81 Nachrichten über folgende, in jüngster Zeit in Franken gemachte Münzfunde: Aus Kulmbach wird die Auffindung einer Anzahl Goldmünzen vom 11.-15. Jhdt., aus Abtsweier die Auffindung von 6 Goldmünzen des 14. Jhdts., aus Stübach bei Neustadt a. A. ein Fund von 19 Gold- und 157 Silbermünzen der ersten Hälfte des 16. Jahrh., aus Neumarkt die Auffindung von 75 Kipperzwanzigern und einigen Thalern des 17. Jhdts. gemeldet; in Bruckberg wurden 250 Gulden oder Zweidrittelsthaler von 1660–1700 gefunden, worunter große Raritäten sich befunden haben sollen, in Ansbach ein Schatz von Zwanzigern, Zehnern, Fünfern und Batzen des 18. Jhdts.
18) Moskau. Wie seiner Zeit berichtet, fand der Moskauer deutsche Konsul bei einem Antiquar einen seltenen Pokal aus dem 17. Jahrhundert, einen sogenannten Thalerhumpen, aus verschiedenartigen Münzen zusammengesetzt. Einzelne der Münzen bieten durch ihr Alter und die Beziehungen zur deutschen und brandenburgischen Geschichte ein besonderes Interesse. Dieser Umstand war es besonders, der in mehreren deutschen Reichsangehörigen den Wunsch weckte, ihren Kaiser durch diesen Fund zu erfreuen. Durch die Vermittelung der deutschen Botschaft gelangte der Pokal trotz der Kürze der Frist noch rechtzeitig auf den kaiserlichen Weihnachtstisch. Der Pokal besteht aus 24 Thalerstücken, während eine große Denkmünze aus der Zeit des großen Kurfürsten den Deckel bildet. Die Vorderseite derselben zeigt den gewaltigen Herrscher in einer so vorzüglich scharfen Prägung, wie wir sie bei deutschen Denkmünzen der letzten Jahrzehnte leider vergeblich suchen. Sie ist geschlagen im Jahre 1663, um die Besitzergreifung Preußens, und zwar des unabhängigen Herzogthums, zu feiern; wir finden deshalb in der Umschrift bereits den Titel: Superior Dominus, dux Prussiae. Der Revers der Medaille ist ebenfalls diesem Ereigniß gewidmet. Wir sehen den kurbrandenburgischen Adler, auf dessen Flügeln sich zwei kleinere erheben, wahrscheinlich um auf Erwerbungen der Jahre 1637 und 1648 hinzudeuten. Brandenburg weiß zu vertheidigen, was es einmal erworben, das besagt das Schwert in der rechten Adlerklaue mit der Devise: „defendit“; es versteht aber auch Neues zu erwerben „et auget“; deshalb hält die Linke eine Krone mit der obigen Inschrift: „Dom. sup. Prussiae“ fest umspannt. Der äußeren Form nach zu schließen scheint es die sogenannte kaiserliche Hauskrone zu sein; ob und welcher Gedanke jedoch dadurch ausgedrückt werden soll, lassen wir dahin gestellt. Um das Ganze schlingt sich der Vers:
„Nec imbellem feroces
Progenerant aquilae columbam.“
Stolze Adler erzeugen
Keine wehrlose Taube.
Es ist dieselbe Inschrift, die, wenn wir nicht irren, vor wenigen Jahren in dem Knopfe des Nikolaikirchthurms zu Berlin gefunden wurde. In der oberen und unteren Reihe sehen wir zwölf Münzen von Ferdinand II., als Erzherzog von Oesterreich; in der mittleren dagegen acht mit dem Bildniß Leopolds aus den Jahren 1620–1624. Daran schließen sich je zwei Münzen von Christian und Johann Georg von Sachsen; Ersteren wählten die Protestanten nicht zum Haupte der Union, und er stand deshalb zu Oesterreich; Letzterer hat während des dreißigjährigen Krieges, wenige Jahre abgerechnet, treu zu Ferdinand II. und III. gehalten.