Das Bild ist dem Codex 973 des germanischen Museums entnommen, welcher die Geschichte der Zerstörung Trojas in deutscher Prosa enthält, und aus dem wir schon oben,Sp. 37 ff. eine Abbildung gegeben haben, bei welcher Gelegenheit über die Entstehungszeit gesprochen ist, auf die wir auch bei Mittheilung einer Reihe von Beiträgen zur Waffenkunde, die wir ihm zu entnehmen haben, wieder zurückkommen werden, da in der Bewaffnung sich die Zeit deutlicher ausspricht, als in der Gesellschaftstracht.
Nürnberg.
A. Essenwein.
Ein vornehmer Jüngling zu Pferd und ein Bote.
Abbildung von 1441.
Jüngling und Bote
Der mehrerwähnte Codex von 1441 zeigt die Mitglieder der ritterlichen Gesellschaft nur in jenen Scenen in Waffen, in denen sie kämpfen. Sobald der Kampf zu Ende ist, legen sie die Waffen ab und erscheinen in Gesellschaftstracht. So erscheint auch auf diesem Bild Wilhelm von Orlens, dem ein Bote die Ladung zum Turniere bringt. Das Pferd ist nicht anders ausgestattet als in der Kampfscene. Auch der Sattel erscheint dort ganz ähnlich wie hier. Der Fuß steht ebenso stramm im Bügel, wie im Augenblicke des Kampfes. Die kurze Tunika des Jünglings ist unten mit Zaddeln besetzt und reicht mit diesen bis zum Knie. Auch der Bote trägt eine einfache, bis zum Knie reichende Tunika, ein Kleidungsstück, das sich bis jetzt in manchen Gegenden als Bluse, auch Staubkittel bezeichnet, beim Volke erhalten hat, wenn auch jetzt nicht mehr um die Hüften mit dem Gürtel zusammengehalten, wie sie heute wol nur noch Kinder tragen. Der Bote trägt als Zeichen seines Amtes ein Schild auf der Brust und den Spieß in der Hand, wie seine Kollegen auch noch im 17. Jhdt. ausgestattet abgebildet werden. Die offenbar pelzüberzogene Mütze ist gleichfalls beachtenswerth und ein Beitrag zur Mannigfaltigkeit, in welcher im 15. Jhdt. die Kopfbedeckungen gebildet wurden.
Nürnberg.
A. Essenwein.