Nach der Ansicht A. Erbsteins ist anzunehmen: „daß dem Verfertiger der Stempel dieses vereinfachte Doppelbild bereits als ein in der Ornamentik des Mittelalters heimisches bekannt gewesen ist, einestheils deshalb, weil jene Brakteaten erst aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. stammen, während doch der Doppeladler schon früher auf Münzen erscheint, anderntheils, weil sich gerade bei vielen jener Brakteaten nachweisen läßt, daß ihre Bilder denen der zweiseitigen Pfennige brandenburgischer Fabrik entlehnt sind und sich ein solcher mit dem Doppeladler wirklich auch vorfindet,“ — eine Ansicht, die wohl sehr viel für sich hat.
II.
Silberne Schließe mit Doppeladlern
In der bereits in Nr. 11. des Anzeigers von 1878 erwähnten schwedischen Geschichte („Sveriges Historia“) findet sich im II. Bande unter Fig. 58, die hier abgebildete silberne Schließe, mit Doppeladlern. Dieselbe stammt aus einem großen Silberfunde, welcher, nach Dr. Hans Hildebrand’s gütiger Mittheilung, „wie die Münzen des Fundes, sowie andere Verhältnisse zeigen, etwas nach der Mitte des 14. Jahrh. vergraben worden sein mußte.“ Auch hier scheint der Doppeladler rein decorativer Natur.
Kupferzell.
F.-K.
Fußnoten:[202] Vgl. Anzeiger 1878, Nr. 11, Sp. 350.[203] Vergl. a. a. O. Taf. XXVIII, Nr. 3. u. Nr. 4. u. 6.
Ein Kapitel von Ketzern.
Am Schluß der Maihinger medela animae vulueratae (s. Anzeiger 1878, Sp. 87) befinden sich zwei Anhängsel von zwei verschiedenen Schreibern. Die Hand, welche Fol. 1–29 b. schrieb, machte nach Besprechung der septem principalia vicia keine Subscriptio. Ob das, was von Fol. 30–31 b. und von Fol. 32–33 a. zu lesen ist, zur eigentlichen medela gehörte, oder nicht, kann ich nicht angeben. Das erste der zwei angefügten Stücke ist überschrieben (fol. 30 a.): „Nota quod LXXII sunt secte hereticorum.“ Der ereiferte Schreiber kennzeichnet sich als der nämliche Mann, welcher die neulich mitgetheilten spukhaften Weihnachtsorakel schrieb. Das zweite, von anderer Hand geschriebene Anhängsel (fol. 32–33 a.) zählt eine Menge Sündersorten auf; am Schluß werden diejenigen genannt, welche „expelluntur a communione in Cena domini“ und darunter zuletzt: „sortilegi, nocturni exitores, agrorum depopulatores.“
Im Nachstehenden gebe ich unter Auflösung der Abkürzungen den Wortlaut dessen, was im ersten Anhängsel über sectae haereticorum gesagt ist. Eingehendere Verbesserungsversuche des durch die Relativsätze so wirren Eingangs unter lasse ich absichtlich. Mali barij[204] steht eben so deutlich im Text, wie weiter hinten Ordi barij. Daß den zu Anfang erwähnten Rutani keine ausführlichere Behandlung gewidmet ist, fällt auf. Es mag diese Secte harmlos genug gewesen sein; in Neanders Religions- und Kirchen-Geschichte finde ich nichts über sie.