43) Bereits im Jahre 1869 veröffentlichte Herr Lehrer Frank im Groß-Gerauer Kreisblatt einen längeren Aufsatz über seine in Grabhügeln bei dem Riedhäuser Hofe (ca. ¾ Meilen südlich von Groß-Gerau) gemachten Funde aus der germanischen Vorzeit. Im Herbst 1877 erhielt ich die Nachricht von weiteren germanischen Funden, die bei der sog. Schindkaute bei Groß-Gerau gemacht worden seien. Diese kamen damals auch in meinen Besitz und befinden sich nun im hiesigen Großh. Museum. In der Gegend von Groß-Gerau werden gewiß jedes Jahr derartige Funde gemacht bei Gelegenheit der Feldarbeiten, und es ist nur zu bedauern, daß solche oft gar nicht gewürdigt werden. In jüngster Zeit verbreitete sich wieder die Kunde von gemachten Funden bei Berkach unweit Groß-Gerau. Auf dem Felde, genannt „Aesch“, westlich vom Wege, der von Dornberg nach Berkach führt, gleich am Ende der Parkmauer hatten die Landleute beim Oeffnen der sog. Kauten römische Alterthümer, wie eine Lampe, eine Thonfigur etc. gefunden. Seit langer Zeit fanden sich hier eine Menge von römischen Münzen, die großentheils nach Groß-Gerau wanderten und dort eine Sammlung von mehr als hundert Stücken, alle hier gefunden, hervorriefen. Vor mehreren Tagen besuchte ich selbst die Fundstelle und überzeugte mich, daß man es hier nicht im mindesten mit einer geringen Niederlassung zu thun habe. Auf einem Gebiete von mehreren Morgen liegen eine Masse von Scherben, theils von terra sigillata, theils von Thongefäßen herrührend. Oben auf der Ackerkrume las ich ein Stück Dachziegel auf mit dem Stempel der XXII. Legion. Mehrere Bodenstücke von Terra sigillata-Gefäßen mit den Töpferstempeln fanden sich hier ebenfalls. Bei einer geringen Untersuchung einer Kaute in etwa 1½ m. Tiefe stieß ich auf Reste römischer Mauerwerke aus Sandsteinquadern und Quarziten von gar nicht unbedeutenden Dimensionen. Ganze Stücke von Gipstünche kamen dabei zum Vorschein unter Asche und Kohlenschutt. Zwei Münzen, die eine von Trajan, die andere von Hadrian, beide hier gefunden, kamen auch in meinen Besitz, desgleichen ein messerartiges Werkzeug oder Waffenstück von Eisen.

Rob. Schäfer.

(Correspondenzblatt d. Gesammt-Vereins d. d. Gesch.- u. Alterth.-Vereine Nr. 3 u. 4, nach d. Darmstädt. Ztg.)

44) Friedberg, 23. März. Bald nach Bekanntwerden einer ziemlich ausgedehnten Römerstätte nordöstlich von Ober-Wöll stadt entdeckte Herr Oekonom G. Falck eine solche im Großgalgenfelde, eine auf der Wart, dann eine im Kleingalgenfelde, sämmtliche drei letztgenannten in der Gemarkung Friedberg. Nun geht der Entdecker über unsere Gemarkungsgrenze und entdeckt abermals eine solche beim Steinfahren in der Gemarkung Bad-Nauheim an der dortigen Gasfabrik, unweit der vor wenigen Jahren aufgefundenen Römerstätte, auf dem sog. Biëlerschloß bei Bad-Nauheim. Bei einer oberflächlichen Besichtigung fanden sich unter römischen Backsteinen drei Ziegelstücke mit dem Stempel der legio XI ohne Beinamen, um wiederum einen Beweis von der Anwesenheit dieser Legion in Obergermanien zu liefern, und ein Stück mit einem andern Stempelrest, wahrscheinlich der Vexillarier der legio XIV gemina, martia, victrix. Da sich auf dieser Stelle auch eine Masse Reste von Gefäßen, die offenbar nicht römischen Ursprungs, namentlich von großen Salzsiedegefäßen fanden, ist dieselbe gewiß untersuchungswerth.

(Daselbst.)

45) Am 20. Februar d. J. wurde in Mainz auf der neuen Wallstrasse am Cavalier Boyen, unweit der alten Römerstrasse, ein Steinsarg mit fünf Glasgefäßen gefunden. Die Gefäße von römischer Form wurden in das Museum gebracht. Dicht dabei fand sich noch ein zweiter Steinsarg. Beide Särge sind inschriftslos, in der bekannten geriefelten Art bearbeitet, der eine auch mit den so häufig wiederkehrenden Eckleisten im Innern versehen. Der Deckel des einen fehlt, der des anderen ist zerbrochen und nach den Seiten abgedacht. Die ganze Weite der Särge war mit Kalk ausgegossen, der die Leichen dicht umschloß. Beide Särge fanden sich nur etwa zwei Fuß unter dem inneren Banket der Strasse und sind von Nordwest gegen Südost gerichtet. Auf dem ganzen Höhenzug liegen viele alte Grabstätten.

(Dasselbe, Nr. 2.)

46) Auenstein, 28. April. In den letzten Tagen fand Bauer Retzer vom Abstätterhof (nordwestlich unterhalb des Wunnensteins gelegen) auf einem Acker, etwa 100 Schritte westlich vom Hof, Gebäudespuren in der Tiefe, daß der Pflug daran anstieß, welche sich beim Nachgraben als Reste eines ansehnlichen Gebäudes erwiesen. Die hierüber in der „Neckarzeitung“ ausgesprochene Vermuthung, daß das die Reste einer einstigen herzoglich württembergischen Meierei seien, ist schwerlich richtig. Viel wahrscheinlicher sind es Reste einer einstigen römischen Niederlassung. Kohlen, Asche, eine große Zahl Backsteine in den Dimensionen, welche die Römer für Heizkanäle angewendet haben, aus feinem, fast zinnoberrothem Thon, mit den bekannten Randleisten und eingepreßten oder eingekratzten Linien, Scherben von Krügen oder Schüsseln, aus einer grauen, lettigen Masse nach Art der Sutterkrüge gebrannt, vor allem der vollständig erhaltene, aus einem Stein ausgehauene ca. 1 m. breite und 1,5 m. lange Kaminschoß und der Fundort dieser Sachen in einem kellerartigen, ca. 3 m. langen und eben so breiten Raum, dessen Umfassungsmauern noch stehen, lassen kaum einen Zweifel daran, daß man es mit einem römischen Hypokauston (Heizkeller) zu thun hat. Die eigentlichen Fundamentsmauern des Wohnhauses haben einen weit größeren Umfang. Interessant ist ein ebenfalls dort gefundener, wahrscheinlich auch in dem Heizkeller gestandener, runder, steinerner Tisch, von welchem der Säulenfuß, ca. 15 cm. dick, nach oben verjüngt, nach unten in einen breiten Wulst, kapitälartig auslaufend und alles wie gedreht, noch wohl erhalten ist. Die runde Tischplatte ist zerbrochen. — Kaum eine Viertelstunde davon fand sich vorigen Sommer gelegentlich der Straßenkorrektur zwischen Auen stein und Beilstein ebenfalls eine sichere Spur einer einstigen römischen Wohnstätte, ein kreisrund ausgemauerter Brunnen, gefüllt mit allerlei Resten und Trümmern römischen Bauwesens. Letztere Römerstätte hatte der scharfsichtige verstorbene Landestopograph Paulus schon entdeckt und in seine römische Landeskarte und die Oberamtsbeschreibung eingetragen sammt dem daran vorbeiführenden „Mauerweg“.

(Staats-Anz. f. Württemb. Nr. 101.)

47) In einem Walde bei Eutingen in der Nähe von Pforzheim wurde jüngst bei Grabarbeiten eine beschädigte Merkurstatue aus weißem Sandstein und eine Anzahl römischer Münzen aus der Zeit der Kaiser Trajan bis Commodus gefunden. Da der Fundort an der ehemaligen (von Pforzheim nach Oeschelbronn führenden) Römerstraße liegt, so wird vermuthet, daß hier eine dem Handelsgott Merkur geweihte Kapelle gestanden habe.