In der Abtheilung der Auctores antiquissimi unter Leitung des Prof. Mommsen ist im Drucke fast vollendet die Ausgabe des Corippus von Prof. Partsch in Breslau. Auch der Druck der Werke des Fortunat von Dr. Leo hat begonnen. Kleine Chroniken des 5. u. 6. Jahrhunderts, die Prof. Mommsen selbst bearbeiten wird, die Ausgabe des Ausonius durch Prof. Schenkl in Wien, die Collationen und Vorarbeiten für die Variae des Cassiodor und die Arbeiten für Avitus und Sidonius sind in gutem Fortgang.
Von der Abtheilung Scriptores, die der Vorsitzende leitet, ist, wie oben bemerkt, der 24. Band vollendet. Er enthält außer dem, was schon im vorigen Bericht hervorgehoben, eine Reihe von Localchroniken, die noch dem 12. oder der ersten Hälfte des 13. Jahrh. angehören, wenn auch zum Theil mit späteren Fortsetzungen. Die Brabant und Flandern betreffenden Werke, Geschichte der Klöster Vicogne und Ardre, und das ausführliche, etwas poetisch gefärbte Werk des Lambert über die Grafen von Guines hat Dr. Heller bearbeitet, die Kataloge und Chroniken der Kölner Erzbischöfe Dr. Cardauns in Köln; dazu kommen die Denkmäler Freisinger Geschichte, Fortsetzungen der Gesta Treverorum bis Boemund, mehrere bisher ungedruckte Metzer Geschichten, die kleineren Aufzeichnungen über die schwäbischen Klöster Salem, Weißenau, Marchthal, die interessanten Sammlungen und Nachrichten des Propstes Cono zur Geschichte von Lausanne, anderes über Vienne, endlich die älteste Geschichte der Thüringer Landgrafen. — Gleichzeitig ist der Druck des 25. Bandes fortgesetzt, der im Lauf des neuen Jahres vollendet werden soll. Für den 26. und den noch ausstehenden 13. Band sind die Vorarbeiten bedeutend vorgeschritten.
Dr. Krusch aus Görlitz hat die Bearbeitung des sogenannten Fredegar in Angriff genommen, der sich in den Scriptores rerum Francicarum aevi Merovingici an den Gregor von Tours anschließen wird, dessen lange erwartete Ausgabe nun für dieses Jahr in Aussicht gestellt ist.
Für den 15. Band, der die Streitschriften aus der Zeit Heinrichs IV. enthalten wird, hat Dr. Schwenkenbecher in Glogau die Ausgabe der dem Waltram zugeschriebenen Schrift De unitate ecclesiae vollendet.
Während Dr. Rödiger in Straßburg und Dr. Strauch in Tübingen mit dem ersten Band der Deutschen Chroniken beschäftigt sind, hat Dr. Lichtenstein in Breslau, in Verbindung mit Prof. Busson in Innsbruck, für den dritten Band Ottokars steirische Reimchronik in Angriff genommen.
Eine Reihe von Collationen und Abschriften wurden durch verschiedene Mitarbeiter in den betreffenden Bibliotheken besorgt. Zahlreiche Handschriften sind aber auch in diesem Jahr aus den Bibliotheken des In- und Auslandes zur Benutzung nach Berlin mitgetheilt worden.
In der Abtheilung Leges nähern sich die Ausgaben der Lex Ribuaria und Lex Salica von Prof. Sohm in Straßburg und die neue Bearbeitung der Capitularien von Prof. Boretius in Halle der Vollendung. An die letztere wird sich eine neue Ausgabe der Fränkischen Concilien von Prof. Maaßen in Wien an schließen. Die Formelsammlungen hat Dr. Zeumer übernommen. Von Prof. Frensdorff sind die Vorarbeiten für die Sammlung der Stadtrechte fortgesetzt worden.
In der Abtheilung Diplomata ist es gelungen ein erstes Heft der Urkunden Deutscher Könige und Kaiser, Konrad I. und Heinrich I. umfassend, zum Abschluß zu bringen.
Die von Hofrath Prof. Winkelmann in Heidelberg übernommene Ausgabe ungedruckter Urkunden der späteren Staufer und ihrer Gegenkönige und Nachfolger bis Richard und Alfons wird außer dem in den Sammlungen der Monumenta vorhandenen Material auch das enthalten, was Hofrath Prof. Ficker in Innsbruck zusammengebracht hat, im Ganzen über 500 Stücke, die in Anschluß an die aus dem Nachlaß Böhmers veröffentlichten Acta imperii demnächst zur Veröffentlichung gelangen werden. Auch die von Prof. Arndt in Marseille gefundenen Actenstücke zur Geschichte Kaiser Friedrichs II. sollen hier ihren Platz finden.
Der für das verflossene Jahr in Aussicht genommene Druck der Briefe Gregors d. Gr. in der Abtheilung Epistolae unter Leitung des Prof. Wattenbach hat einen Aufschub erlitten. Derselbe ist insoweit aber auch nur günstig gewesen, als inzwischen die lange verschollene Handschrift jener Briefe, die Paulus an Adalhard sandte, von Dr. Gillert in der k. Bibliothek zu Petersburg aufgefunden ist. — Die Ausgabe der von Pertz im vaticanischen Archiv abgeschriebenen Briefe wird Prof. Wattenbach demnächst mit Hülfe eines zweiten Mitarbeiters in Angriff nehmen.