53) Ingolstadt, 15. Mai. Die „Ing. Ztg.“ schreibt: Das alte, im Jahre 1373 erbaute Harderthor ist nahezu abgebrochen; aber ein Andenken an dasselbe wie an die Pietät unserer Voreltern ist uns hievon geblieben. Beim Abbruche dieses alten Baues — als der im Jahre 1430 oder spätestens 1542 im Innern dieses Thores eingesetzte Gewölbebau niedergerissen wurde — kam auf dem Verputze der östlichen Seitenwand des ursprünglichen Baues ein Gemälde zum Vorschein, welches Jesum am Kreuze, daneben die schmerzhafte Muttergottes mit zwei heil. Frauen auf der einen Seite, dann den heil. Johannes Evangelista auf der andern Seite vorstellt. Hunderte von Beschauern aus allen Ständen drängten sich um dieses mehr als 300 Jahre verborgen gebliebene, noch gut erhaltene Bild, welches nach seinen Vorzügen und Mängeln sicher der zweiten Epoche der Gothik (1300–1400) angehören dürfte. Gelingt die bisher mit so großer Mühe und Vorsicht bethätigte Lostrennung des betreffenden Mauerstückes, dann wird dieses interessante Bild unserer Stadt nicht blos in Photographie, sondern auch im Original erhalten bleiben.
(Augsburger Postzeitung, Nr. 116.)
54) Im Jahre 1882 sind es vierhundert Jahre, daß in Wien die erste Buchdruckerpresse ihre Wirksamkeit begann, von welcher Thätigkeit noch einige Flugblätter sich bis in unsere Zeit erhalten haben. Um dieses kulturhistorisch bedeutsame Ereigniß in würdiger Weise zu feiern, haben die Wiener Buchdruckercorporationen ein Comité gewählt, welches außer den entsprechenden Festlichkeiten auch die Veranstaltung einer Ausstellung, die ein Bild der Entwicklung des Buchdruckes und der verwandten Geschäftszweige in den abgelaufenen vierhundert Jahren geben soll, sowie die Herausgabe der Buchdruckergeschichte Wiens in Aussicht genommen. Die Verfassung dieses Werkes wurde Hrn. Dr. Heinrich Kábdebo übertragen, dem ein Comité von Fachmännern zur Seite steht, die ihn in seinen Forschungen unterstützen werden.
(Augsb. Postztg., Nr. 97.)
55) Leipzig, 4. Mai. Wie nunmehr feststeht, wird die Kunstgewerbe-Ausstellung am 15. Mai Vormittags durch Se. Majestät den König feierlich eröffnet werden. Höchst interessant wird die Sammlung der Alterthümer ausfallen. Se. Majestät der König von Sachsen, die thüringischen Fürsten, soweit ihre Gebiete mit dem Ausstellungsgebiete zusammenfallen, werden ihre Kostbarkeiten senden. Auch die preußische Regierung gibt bereitwilligst aus ihren Sammlungen her. Verschiedene Kirchen stellen ihre Schätze aus, so Quedlinburg allein zwei Reliquienschränke etc. im angeblichen Werthe einer halben Million. Braunschweig einige kostbare Büchereinbände u. dgl. Halle wird den kostbaren Kelch aus St. Ulrich ausstellen, eine Email-Arbeit über Golddraht, von einem alten Halleschen Meister u. s. w.
(D. Reichsanz., Nr. 109.)
56) Am 10. d. M. wurde im Akademiesaale des kurfürstlichen Schlosses zu Mainz eine Ausstellung graphischer Darstellungen der Stadt Mainz und ihrer Denkmäler eröffnet. Dieselbe umfaßt Pläne der Stadt und Festung, Ansichten der Stadt und deren nächster Umgebung, die hervorragendsten Denkmale, wie den Dom, die ehemal. Liebfrauenkirche und sonstige kirchliche Bauwerke, seien sie erhalten oder untergegangen, ferner öffentliche Gebäude, einzelne Theile aus dem Innern der Stadt, Wohngebäude, kirchliche und profane Denkmäler. Die Ausstellung bietet somit im Bilde einen Ueberblick über die Stadt Mainz, ihre äußere Entwickelung, ihre Bedeutung für die Kunstgeschichte, wie über ihre Stellung als Schlüssel des Reichs und die Geschichte ihrer kriegerischen Wechselfälle. Unter diesen verschiedenen Gesichtspunkten gewinnt die Ausstellung eine über den engeren Heimatkreis hinausreichende Bedeutung. Durch die außerordentlich reiche Beschickung von Seiten einzelner Besitzer und Kunstfreunde wie von Anstalten und Behörden ist eine solche Fülle von Materialien vereinigt, daß die Ausstellung eine nicht leicht wiederkeh rende Gelegenheit zur Förderung der historischen und namentlich kunstgeschichtlichen Forschung bietet.
57) Berlin. Am 17.-19. April war die Centraldirection der Monumenta Germaniae zu ihrer jährlichen Plenarversammlung hier vereinigt. Anwesend waren: Prof. Dümmler aus Halle, Geh. Rath Prof. von Giesebrecht aus München, Prof. Hegel aus Erlangen, Hofrath Prof. Sickel aus Wien, Prof. Stumpf-Brentano aus Innsbruck und die hier ansässigen Mitglieder Prof. Mommsen, Prof. Nitzsch, Geh. Oberregierungsrath, Direktor der Staatsarchive von Sybel, Prof. Wattenbach und der Vorsitzende, Geh. Reg.-Rath Waitz; durch Unwohlsein war verhindert Justizrath Euler in Frankfurt a. M. Die Herren Sickel und Stumpf-Brentano sind von der Akademie der Wissenschaften in Wien aufs neue auf 4 Jahre zu Mitgliedern gewählt.
In dem abgelaufenen Jahre gelangten folgende Werke zum Abschluß: von der Abtheilung der Auctores antiquissimi: 1) Tom. II: Eutropii breviarium ab Urbe condita cum versionibus Graecis et Pauli Landolfique additamentis recensuit et adnotavit H. Droysen; 2) Tomi III, P. 1: Victoris Vitensis historia persecutionis Africanae provinciae sub Geiserico et Hunirico regibus Wandalorum recensuit C. Halm; 3) Pauli Historia Romana in usum scholarum aus 1 (ebenso wie Eutrop) besonders abgedruckt; von der Abtheilung Scriptores: 4) Tomus XXIV. (fertig bis auf die Register); 5) Wiponis Gesta Chuonradi II. ceteraque quae supersunt opera. Edit. altera. Accedunt Annalium Sangallensium, Chronici Herimanni, Chronici universalis Suevici partes et duo carmina codicis Cantabrigiensis. Recognovit II. Bresslau; von dem neuen Archiv der Gesellschaft für ältere Deutsche Geschichtskunde: 6) Band 4, herausgegeben von Prof. Wattenbach, mit Berichten über wissenschaftliche Reisen von Prof. Frensdorff, Dr. Liebermann, Geh. Reg.-Rath Waitz und anderen Beiträgen von Arndt, Brosien, Dümmler, Ewald, Hartwig, Krusch, Löwenfeld, Mey, E. Ranke, Thaner, Waitz, Wattenbach und Weiland.
Ueber den Fortgang der Arbeiten in den einzelnen Abtheilungen ist Folgendes zu berichten.