Althochdeutsches aus dem 11. Jahrhundert.
In der Sammelhandschrift C. 171 der Stadtbibliothek in der Wasserkirche zu Zürich, klein 8º, von verschiedenen Händen des 11.-12. Jahrh. zusammengeschrieben, auf Bl. 1 das Psalterium Jeronimi, dann von Bl. 17 a eine Reihe lateinischer Beichtformeln und Gebete enthaltend, Bl. 151 mit einem solchen schließend, fand Herr Prof. S. Vögelin das nachfolgende deutsche Stück, welches Bl. 106 b ausfüllt.
Sinc den saltare unde tuͦ dine uenie zu ieglichemo salmen unt sprih G͠la patri unt Req i t et Gip zu iegelicher uenie ein almvͦsen unt ein cherzen gemezzen nah dem mitteristemo uingere diner zesewen hant unt tuͦ daz nahtes. unt friume des morgenes alle die selmisse die duͦ megest. unt bit die brieste daz si die sele dines friuntes dem almahtigen gote beuelhen mit uollemo ambahte alsame da men den lichnamen der erde beualch. Daz tu an dem sibenten unt zu iegelichemo drizegisten so chumet dir diu sele zegesihte alnah diu so ir dine stet.
Basel.
M. Heyne.
Ein Spinett vom Jahre 1580.
Mit einer Tafel.
Das interessanteste Stück der im germanischen Museum aufbewahrten Sammlung musikalischer Instrumente ist ohne Zweifel ein Spinett mit der oben angegebenen Jahreszahl, sowohl wegen seiner äußeren Ausstattung, als wegen der inneren Einrichtung, die dasselbe noch um eine oder einige Stufen dem Ursprunge des Claviers näher stellt, als die von Prätorius beschriebenen Werke, aus dessen Sciagraphia wir erst genauere Kenntniß über die älteren Musikinstrumente erhalten. Hat sich dasselbe auch, wie aus der Abbildung ersichtlich, bis zu vier Octaven erweitert und statt der zwanzig Tasten, mit welchen sich nach Prätorius’ Angabe das erste Clavichord vom einsaitigen Monochord abgelöst, deren neunundvierzig angenommen, auch Tasten für alle Halbtöne nach der heute noch üblichen Weise eingefügt, so steht es doch nach der Art, wie es die Töne hervorbringt, noch auf dem ältesten Boden des Saitenspiels, für welches anfänglich die Harfe, später die Laute maßgebend war. Die Saiten werden noch nicht angeschlagen, sondern durch kleine Federn, die in den aufstehenden Enden der Tasten angebracht sind, gerissen, wie es bis zum Beginn des 16. Jahrh. auch bei den letztgenannten Instrumenten, den Lauten, der Fall war. Diese primitive Technik hat aber bereits die Schwierigkeit, welcher sie zu begegnen hat, erkannt und ist auf sinnreiche Weise bemüht gewesen, sie zu überwinden. Die Hämmer, an welchen die Federn befestigt, sind nämlich in Gabelform gebildet, in deren Oeffnung ein leichter Holzzapfen an quergehendem Drahtstift so hängt, daß er durch das längere und deshalb schwerere untere Ende in senkrechter Stellung erhalten wird. Ein am unteren Ende der Gabelöffnung, hinter dem hängenden Zapfen angebrachter Fischbeinstift verhindert, daß jener sich nach vorn überneigen kann, was geschehen würde, sobald die im oberen Ende angebrachte Feder, ein vorn zugespitztes Stück einer Gänsepose, von unten durch Erhebung des Hammers an die Saite gedrängt wird.
Ohne diesen dem Zapfen durch den Stift gegebenen Halt würde die Saite weniger stark gerissen, der Ton somit abgeschwächt, wenn nicht ganz aufgehoben werden. Die ganze Anordnung ist aber erforderlich, damit nicht die Feder, welche durch Anschlagen der Taste über die Saite erhoben wird, beim Zurückfallen derselben, indem sie sich wieder unter die letztere begibt, diese noch einmal reiße und so den Ton zweimal hervorbringe, oder, was bei der Leichtigkeit der Hämmer wirklich der Fall sein würde, auf der Saite liegen bleibe und so ein wiederholtes Anschlagen der Taste tonlos mache. Bei der bestehenden Einrichtung aber legt der Zapfen beim Sinken des Hammers sich nach hinten über, und die Feder gleitet möglichst leise über die Saite zurück, indem sie im sanften Rückschlage auf dieselbe zugleich die Aufgabe der neueren Gegenhämmer versieht und das zu lange Nachklingen der Saite verhindert. Der Ton unseres Instrumentes ist bereits stärker und voller, als der, welchen fast zweihundert Jahre später die fünf Octaven haltenden und angeschlagenen Claviere geben.
Eine eigenthümliche Bereicherung des hier besprochenen ist ein zweites, kleineres Spinett, welches, in das erstere eingeschoben, so weit daraus hervorgezogen werden kann, daß es ein vierhändiges Spiel ermöglicht. Es enthält ebenfalls vier Octaven und ist in der beschriebenen Einrichtung jenem gleich. Nur sind die Saiten in entsprechender Weise verkürzt, und statt der zwei Schalllöcher des ersteren enthält es nur ein solches.