Plauen im Vogtlande.

Joh. Müller.

Fußnoten:[371] Siehe den lat. Text in J. T. Müller: Die Symbol. Bücher der evang.-luth. Kirche (Stuttgart 1860, 2. Aufl.), S. 367 f. — Die zwei Gebete beginnen im „Catechismus deutsch“ also: „Herr Gott, himmlischer Vater, segne uns und diese deine Gaben“ etc. „Wir danken dir, Herr Gott Vater, durch Jes. Christ. unsern Herrn für alle deine Woltaten“ etc.[372] Vergl. über Marschalk (geb. 1470, 1500–1502 in Erfurt, dann in Wittenberg am Hofe Joachims I. v. Brandenburg, hierauf Professor in Rostock, † 1525) besonders: Chr. Schoettgenii Opuscula minora historiam Saxonic. illustrantia (Lips. 1767) p. 339–52. F. W. Kampschulte: Die Universität Erfurt, I (Trier 1858) S. 52 ff. O. Krabbe: Die Universität Rostock (1854), S. 281 ff. — Mir liegt von dem Introductorium ein der Orthographia Marschalks (1501 Erphord.) angebundenes Exemplar der Bibliothek zu Dresden vor. Orts-, Jahr- und Druckangabe fehlt. Am Schlusse der dazu und mit dem Introductorium zusammengehörigen „Introductio ad litteras hebraicas“ stehen aber als einzige Namensangabe und Empfehlung, welche sich im ganzen Buche außer einem kurzen Vorwort des berühmten Venediger Druckers Aldus Manutius zu diesem seinem hebräischen Elementarbuch findet, ein lat. Distichon Marschalks „de Laude litterarum hebraicarum“ und ein griech. mit lat. Uebersetzung „de laude litter. graec.“ — Da die mit dem Introductorium ein Werk bildende „Introductio perbreuis ad hebraicam linguam“ den Aldus Manutius zum Verfasser hat und erst als Anhang der im Februar 1501 gedruckten Aldi Manutii Rudimenta grammatices latinae lingua (Ex. in München) erschienen ist (vergl. Fr. Ad. Ebert, Allg. bibliogr. Lexic. Leipzig 1821 u. 30 sub Nr. 12984 u. 11735), so kann Marschalks Abdruck dieses hebräischen Elementarwerkchens nicht vor Ende des Jahres 1501 ausgegeben sein, vielleicht 1502. In die Zeit des Erfurter Aufenthalts (bis 1502) und der dasigen graecophilen Thätigkeit Marschalks gehört das Buch wol sicher. — Schon im October 1501 war mit demselben Titel: „Εἰσαγωγη“ etc. ein kürzeres Schriftchen „expressum Erphordiae per Lupambulum οινοχοον alias Schencken“ von Marschalk herausgegeben worden, welches denselben Stoff wie das obige enthielt, ausgenommen die Lesestücke (s. Anm. 3). Exempl. in Leipzig. Vergl. Graesse, Trésor des livres rares etc. Tome II [1861], p. 467.[373] Voraus gehen, nach einer kurzen Zusammenstellung und Eintheilung der griechischen Buchstaben, Abbreviaturen und Colligaturen und Accente, folgende Lesestücke: Oratio dominica, Salutatio angelica (Ave Maria), Symbol. apostolic., Euangelium Joannis (d. i. Joh. 1, 1–14), Salut. angel. (Salue regina). Das letzte Lesestück bilden „Dictoria id est prouerbia septem sapientium metrice.“ Alle Lesestücke sind „graece et juxta latine“ gegeben, jener Text schwarz, dieser roth gedruckt.[374] Nach dem Titelblatt sollte über dem zweiten Gebete die Ueberschrift: „Gratiae post mensam“ stehen.[375] Bei Luther ist benedicere mit dem Dativ construiert und statt der Conjug. periphrast. das Praes. „sumimus“ gebraucht.[376] Statt „domine“ hat Luther: Domine Deus pater coelestis, und statt „omnipotens deus“ hat er: Domine Deus pater, per Jesum Christum, Dominum nostrum.[377] Die Züricher Antiquar. Mittheilungen III, 105–16, in denen Keller Benedictiones ad mensam aus alten (XI. Saecl.) St. Gallener Hdschen. mittheilt, habe ich nicht einsehen können.[378] Beschrieben in der Notitia Bibliothecae Scholae Dresdensis Crucianae bei Schöttgen a. a. O. p. 322 f. Exempl. auch in Leipzig.[379] G. v. Zezschwitz, a. a. O. II, 1, 319 u. 499, desgl. Geffcken, a. a. O. 19, K. F. Schneider, Luthers kl. Catech. (Berlin 1853) S. XXII (die Ausgabe: Wittenberg 1528 ist bei Schneider abgedruckt) kennen nur Ausgaben von 1526–28. K. F. A. Scheller, Bücherkunde der Sassisch-Niederdeutschen Sprache (Braunschweig 1826) führt dagegen schon S. 170 Nr. 667, S. 176 Nr. 684, S. 182 Nr. 710, S. 189 Nr. 738 Ausgaben aus den Jahren 1525, 26, 27, 29 an; die erste Ausgabe habe ich jedoch in Wolfenbüttel nicht finden können, wohl aber in der gräfl. Stolbergischen Bibliothek zu Wernigerode (Hc. 1015, Nr. 3) und sie durch die bekannte Liebenswürdigkeit des H. Bibliothekars Jacobs zur Einsicht erhalten. Sie stimmt bis auf Dialektunterschiede und einige Kleinigkeiten mit allen späteren überein. Die Ausgabe, Erfforde 1527 (in Wolfenbüttel) führt (aber nur sie) den Titel: Der Leyen Biblia. — Das interessante Büchlein ist vielfach verwechselt worden mit Melanchthons Handbüchlein oder Elementa puerilia (1523 ff.) Es ist ein zweifelsohne für die sogen. deutschen Schulen oder die unterste Klasse einer Lateinschule bestimmtes Buch, in dem für die drei wichtigsten Fächer, welche die deutschen Schulen pflegten, eine kurze Anleitung gegeben wird: für Religion, für die Elemente des Rechnens und für das Briefschreiben. Das Buch enthält nämlich das Alphabet, De Ludtbockstauen, De stummen bockstauen; dann unter der Ueberschrift: „Der leyen bibel“ den Text der 10 Gebote, des Glaubens, Vaterunsers, die Stelle Marc. 16, 16 („von der dope“), die Einsetzungsworte des Abendmahls; darauf „Eyne vnderwisynge“ über die drei „ytliken mynschen tho der salicheyt“ nützen „dinck“, eine Auslegung des Glaubens, eine Anweisung zum Beten am Morgen, bei Beginn der Arbeit, das Benedicite und Gratias, Abendgebet, eine Auslegung des Vaterunsers, einen Abschnitt von der Beichte; dann (Bl. C 1 b. edit. princ.) „de duͤdesche tall mit den cifern“ (keine Belehrung über die Rechenoperationen selbst) und endlich (Bl. C 2a-8a) „dat titel Boͤkeschen wo me eynem ytliken scryuen schal.“

Die Wahl der Form des religiösen Stoffes steht unter Luthers Einfluß, ja, die ganze Erläuterung des Glaubens ist aus Luthers „Eyn kurcz form der zehenn gepott... des Glaubens... desz Vatter unsers“ Witt. 1520 genommen und steht gleichlautend in Luthers „Eyn Bettbüchlein der Zehen Gepott“ etc. Witt. 1522. Das Werkchen gilt als die letzte und wichtigste Vorarbeit zu Luthers Katechismus. Doch ist man über den Verfasser im Unklaren. Ich vermag nicht das Buch mit Zezschwitz u. A. für den „Katechismus“ zu halten, der nach Luthers Brief an Hausmann v. 2. Febr. 1525: „Jonae et Islebio [Agricolae] mandatus est,“ einmal, da es nur zwei Drittheile religiösen Inhalts hat, und ferner, weil die Randverzierung auf dem Titelblatt der Editio princeps die Jahreszahl „1524“ zeigt und das Buch schon 1525 gedruckt vorlag, was zu dem „mandari“ im Februar 1525 nicht passen will. Zezschwitz kannte die Ausgabe 1525 nicht. Viel eher möchte ich auf Bugenhagen, der von 1503 an bis zu seiner Uebersiedelung nach Wittenberg Schulrektor (in Treptow) gewesen ist, als Verfasser schließen, wenn er nur ein einziges Mal in seinen Schulordnungen v. 1528 ff. das Buch anführte. So scheint mir nichts übrig zu bleiben, als es für ein Werk des Druckers Jörg Rhaw, der ja selbst Schriftsteller war, zu halten, für ein Werk, bei dem er sich theils an Luthers Arbeiten anlehnte, theils vielleicht auch die Hilfe von Jonas oder Bugenhagen in Anspruch nahm und erhielt.

Johann Herrgott.

Kirchhoff behandelt im Archiv für Geschichte des deutschen Buchhandels 1878, 1. Heft, S. 15 u. f. ausführlich den Proceß und das Ende des aus Nürnberg stammenden Buchdruckers Johann Herrgott, den Herzog Georg wegen socialistischer Umtriebe 1527 in Leipzig hinrichten ließ. Bekannt ist, daß sich Luther am 26. September 1525 über ihn beim Rathe der Stadt Nürnberg wegen des Nachdruckes seiner Schriften beschwerte.

Für den Geschäftsbetrieb des Herrgott sind folgende drei Urkunden des Nürnberger Stadtarchivs (Conservat. 33, Bl. 166 b -167 a, Conservat. 34, Bl. 77 b u. Bl. 160 b ) von Belang.

1.

Hanns Hergott Buchtruckher vnnd Kungund sein eewirtin Burger alhie eins vnnd maister Jorig Wuest von Burckbernheim annderstails bekennen: Nachdem bede tail einen Buchdruckerhanndel mit einannder gehabt vnnd getriben vnnd sie aber inn solchem gegen einannder irrig worden, das sich derhalb vff die gethanen Rechnung, so bede tail inn beisein Jacoben Bopfingers, als von gerichtswegen darzu vorordent, erfunden hat, das obgemelter Herrgot vnnd sein eewirtin gedachtem Maister Jorigen Wuest für seinen tayl noch schuldig sein zwei vnd achtzig gulden in münz. Die sollen vnd wollen benante bede eeleut ermeltem Wuesten nach volgender gestalt entrichten: Nemlichen also par zwen gulden, vff Monntag nach Lucie einen halben gulden, darnach alle wochen einen halben gulden. Mer neben bestimpten wochenlichen halben gulden vff Lichtmes siben gulden, Walburgis siben, Laurenti siben vnnd vff allerheiligen tag alles schirst nach einander kument aber[380] siben gul den, biß also die obbestimpt Sum̅a gennzlich entricht wirdet, vnnd wo sie ein oder mer fristen nit hielten, das dann die gannz vnbezalt Sum̅a verfallen sein soll, alles als inn erclagtem, eruolgtem vnnd vnuerneutem Rechten vnnd bey verpfenndung irer habe vnd gütter solcher schulden vor meniglich inn eegeschribem rechten darauff habenndt zu gewartten. Dagegen sollen vilbemelten beden eeleuten alle pücher, pappir, werckzeug, schulden vnnd annders nichts ausgenomen bleiben vnnd werden, doch das sie herwiderumb alle schulden, so man im hanndel schuldig ist, one des Wuesten costen enntrichten vnd bezalen. vnnd damit so wolten bede tayl aller irer irrung vnd anvordrung halb, so ein yeder tail zu dem anndern biß vff dato gehabt, entlich[381] vertragen sein vnnd bleyben mit dem zusagen, derwegen inn ewig zeit vber solchs wie obstet verrer kein tail zu dem anndern kein vordrung mer zu haben noch zu gewynnen in kein weise, alles inn pester form on geuerde. Actum in judicio 2 post conceptionis Marie 11 Decembris 1525.

Jorg Wusst bekennt obgeschribner suma gar beczalt sein, quittirt darumb in pester form vnnd hinfuro zu ewigen tagen an sie nichczit[382] mer zu fordern. Testes her Niclaus Haller vnnd Martin Pfinczing. Actum 4. post Penthecost. 12. Juni 1527.