128) Geiselhöring, 12. November. Ein seltener Fund wurde kürzlich auf einem Acker nächst Rügshofen gemacht. Beim Aufsuchen einer sog. Sandader stieß man in einer Tiefe von einem Meter auf fünf im Sande lagernde, noch gut erhaltene menschliche Skelette, welche im Kreise — die Schädel nach außen gerichtet — ruhten; innerhalb des Kreises fand man eine irdene Urne, eine eigenthümlich geformte, jedoch vom Rost stark beschädigte eiserne Axt und Theile eines eisernen Spießes.
(Nürnb. Anz., Nr. 318.)
129) Der nassauische Alterthumsverein hat, wie die Oktobernummer des Correspondenzblattes des Ges.-Ver. d. d. Gesch.-Ver. meldet, jüngst einen germanischen Grabhügel in den Sonnenberger Fichten untersucht, der sich als ehemals von einer Trockenmauer von 1 Meter Stärke umgeben zeigte und an verschiedenen Stellen Reste von Kohlen, Asche und zerstreuten Topfscherben enthielt, aus denen hervorgeht, dass zu verschiedenen Zeiten die verbrannten Ueberreste da und dort innerhalb der Ringmauer im gemeinsamen Hügel beigesetzt worden waren.
130) Die Wormser Ztg. macht in ihrer Nr. 262 auf Ausgrabungen aufmerksam, welche mehrere Herren in der Nähe des Weinsheimer Zollhauses vorgenommen haben und durch welche Spuren römischer Niederlassungen aufgedeckt wurden. An Fundstücken ergaben sich römische Münzen, Gefäßscherben, Ziegelstücke, behauene Steine, ein kleiner Mühlstein u. A. Als das wichtigste bezeichnet die W. Ztg. Reste von Wandverputz mit Malerei. Weitere Ausgrabungen können erst zuverlässige Schlüsse auf die Bedeutung der gefundenen Trümmerstätte ermöglichen.
131) Der württembergische Staatsanzeiger berichtet in Nr. 262 über Ausgrabungen, welche mit Bewilligung des kgl. Kultusministeriums durch den Landesconservator Prof. Dr. Paulus bei dem Orte Mainhardt gemacht wurden und die Westseite und Südseite eines römischen Kastelles mit ihren Thoren und Thüren bloßlegten, das einen Theil der Befestigung des Limes gebildet hatte und so zu interessanten Ergebnissen führte. Die eigentlichen Fundstücke waren zwar nicht bedeutend, da man blos an der Umfassungsmauer grub. Doch verdienen große steinerne Kugeln, die auf dem Boden des nordwestlichen Thurmes gefunden wurden, volles Interesse. Wer die Grabungen selbst mitgemacht und die Fundstellen so sah, wie sie zu Tage gekommen, konnte sich aus den Brandstellen, auf welche man stieß, und dem Zustand der Baureste leicht in die Zeit der Zerstörung, in die letzten Tage des Castells am Grenzwalle zurückversetzen.
132) In dem Gemeindewalde Reichhartshausen bei Miltenberg wurde eine Römerstraße aufgefunden, welche die Richtung über Reichhartsachsen, Reichhartshausen, Neudorf und Gotthardtsberg bei Amorbach genommen haben soll. Durch angestellte Nachgrabungen im Reichhartshausener Gemeindewalde fand man die Grundmauern eines Römergebäudes auf, welches 7 m. lang und 7 m. breit gewesen sein mochte. Die Mauern des Fundamentes sind 90 cm. dick und 70 cm. tief. Um die Mauern des Fundamentes ist fester Lehm eingeschlagen, wodurch sich alle Römerbauten auszeichnen sollen; wahrscheinlich geschah dieses Beschlagen mit Lehm deshalb, damit die Feuchtigkeit vom Innern der Gebäude abgehalten wurde. Beim Bloßlegen der Grundmauern fand man Eisenfragmente und Nägel, was aber alles so vom Roste zerfressen war, daß man diese Gegenstände ganz leicht zerbröckeln konnte; ferner wurden Ziegeln und Kohlen aufgefunden. In der Nähe sollen sich noch mehr und mitunter noch größere Grundmauern von solchen Römerbauten befinden, die sämmtlich aufgegraben werden sollen, und man glaubt für die Wissenschaft interressante Entdeckungen zu machen.
(Nürnb. Presse, Nr. 301.)
133) Trier, 24. October. Bei der Erweiterung des Eisenbahnplanums stieß man heute, laut der „Tr. Ztg.“, oberhalb des Stadtbaches auf einen Mosaikboden, der ein Teppichmuster bildet, wohl erhalten ist und jedenfalls wol für das Museum gehoben werden wird.
(Nordd. Allg. Ztg., Nr 471.)
134) Gera, 9. November. Ein merkwürdiger Fund ist beim Grundgraben zu einem Neubau dicht hinter der Tonhalle, der Jahr’schen Eisengießerei gegenüber, gemacht worden. Derselbe besteht aus einem sehr fein gearbeiteten römischen Wehrgehänge aus Bronze. Wie dasselbe hier ca. 1 m. tief in die Erde gekommen, ist ein Räthsel, für welches freilich eine sofortige Lösung gefunden wäre, wenn man Berechtigung hätte zu der Annahme, daß die Römer seiner Zeit — etwa unter Germanicus — bis an die Ufer der weißen Elster vorgedrungen seien. Zu gleicher Zeit wurde an der genannten Stelle eine sogenannte Fibula, eine zum Zusammenstecken des römischen Gewandes dienende Nadel, gefunden.