Wir fühlen uns aber solchen Anforderungen gegenüber verpflichtet, nochmals an dieser Stelle darauf aufmerksam zu machen, daß der Anzeiger kein Literaturblatt ist, daß er durchaus nicht die Aufgabe hat, vollständige Literaturberichte zu geben, nicht die Aufgabe, die Leser zu orientieren, noch jedes Buch nach seiner Bedeutung und seinem Verdienste zu würdigen. Weil der Anzeiger diese Aufgabe nicht hat, so hat er auch gar nicht die Organisation dazu, noch die nöthigen Mittel. Der Anzeiger besitzt nicht jenen Kreis von Mitarbeitern, welcher nöthig ist, wenn jedes Buch durch einen zuverlässigen Fachmann besprochen werden soll, nicht jenen Raum, welcher für ein Literaturblatt nöthig wäre. Der Anzeiger ist in seinen sämmtlichen Veröffentlichungen auf einen kleinen Kreis von Mitarbeitern angewiesen, welche zeitweilig die Resultate ihrer Studien darin niederlegen, und welche, gleich den Redacteuren des Blattes, nicht blos durch ihren Beruf in Anspruch genommen sind, sondern auch einen ganz bestimmten Kreis ihrer Specialstudien haben und deshalb in der Regel gar nicht in der Lage sind, sich über Bücher zu äußern, die außerhalb des Kreises ihrer persönlichen Studien liegen.

Wie aber der Anzeiger stets gerne die Arbeiten seiner bewährten Freunde aufnimmt, so auch, wenn dieselben zufällig über irgend ein von ihnen gelesenes Buch Mittheilung machen. Dieses ist aber auch der einzige Fall, in welchem Besprechungen möglich sind. Geschieht dadurch nebenbei einem Verfasser oder Verleger ein Gefallen, so kann uns das nur doppelt freuen; unter keiner Bedingung aber sind wir in der Lage, jederzeit solche Gefälligkeiten zu erweisen, wenn wir noch so gerne wollten.

Deshalb bitten wir an dieser Stelle die verschiedenen geehrten Herren alle zugleich um Entschuldigung, deren Wünschen wir nicht entgegenkommen konnten.

Vermischte Nachrichten.

143) Augsburg, 5. Dez. Ganz in der Nähe der Stelle, an welcher im Jahre 1877 zwei gewaltige Säulenreste aus der Tiefe von 2 Meter ausgegraben wurden (in der Carmelitengasse, in der Nähe der v. Cotta’schen Druckerei), ist man vor einigen Tagen bei Gelegenheit der Kanalisierung der Stadt auf weitere Ueberreste von Säulen gestoßen und wurden neben anderen Steinfragmenten zwei große Säulenstücke zu Tage gefördert. Das eine, ein schön ornamentiertes Capitäl, hat einen Durchschnitt von 70 Centim. und eine Höhe von 81 Centim.; das andere, ein Säulenstück ohne Ornamentierung, hat nahezu denselben Durchschnitt und eine Höhe von 84 Centim. Das Material scheint derselbe krystallinische Kalkstein zu sein, aus welchem die früheren Fundstücke gearbeitet sind. Diese wiederholten Ausgrabungen von mächtigen Säulentrümmern in derselben Gegend lassen die Vermuthung ziemlich gerechtfertigt erscheinen, daß daselbst großartige Gebäude der alten römischen Stadt gestanden haben. Leider machen es die zu beiden Seiten der schmalen Carmelitengasse stehenden Wohngebäude unmöglich, in der dortigen Gegend weitere Nachgrabungen anzustellen. Beide erwähnte Säulenreste sind bereits in dem Antiquarium romanum zur Aufstellung gelangt.

(Nürnb. Presse, Nr. 343, nach der allg. Ztg.)

144) Die Zweibrückener Zeitung bringt in ihrer Nr. 278 ausführliche Mittheilungen über die römischen Alterthümer zu Erfweiler und eine am 10. vor. M. eingeleitete Besichtigung der neuen Ausgrabungen, bei denen eine Badanlage zu Tage kam. Viele Ziegelreste, Gefäßtrümmer fanden sich im Schutte. Die aufgefundenen, theilweise vortrefflich erhaltenen Bronzemünzen gehören der Zeit von 254–276 n. Chr. an. Man vermuthet eine Militärstation und in dem untersuchten Theile die Villa eines Präfecten oder Centurio. Der Artikel beabsichtigt, das Interesse zu weiteren Ausgrabungen anzuregen, bei denen viel Interessantes zu Tage kommen möchte.

145) Ein Münzenfund wurde vor ein paar Wochen im Rayon der Dreher’schen Gründe zu Klein-Schwechat bei Wien gemacht, der, was die Quantität der ausgegrabenen Stücke betrifft, allerdings bedeutend zu nennen ist. Aber auch das Alter — sie stammen in der Mehrzahl aus dem vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung und tragen meist das Gepräge „Constantinus Max(imus) Aug.“ — macht die Stücke merkwürdig, und so ist der Fund immerhin ein kostbarer. Bei der Entdeckung dieses kupfernen und bronzenen Schatzes soll es nun unter den anwesenden Erdarbeitern etwas bunt zugegangen sein und sich so mancher die Säcke vollgestopft haben, bis dem wüsten Treiben Einhalt gemacht und der Wunderplatz eingeplankt wurde, da man Sachverständige in Kenntniß setzen und überhaupt den gesetzlichen Gang, der in derlei Fällen vorgeschrieben, beobachtet wissen wollte. Mittlerweile gelangten jedoch fast sämmtliche Bewohner jenes Territoriums in den Besitz solcher antiker Geldzeichen, die sie nun in Wien, wo es von Kennern, Gelehrten, Liebhabern und Sammlern „wimmeln“ soll, verwerthen möchten. Die Hausse, die die Stücke in ihrem späten Alter erlebten, ist eine außerordentliche. Die „Amateurs“ wachsen wie aus dem Boden, die „ wilden Numismatiker “ sitzen und disputieren und erhitzen sich an allen Tischen. Ein Wiener Blatt gibt hiervon eine hübsche Schilderung.

(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 695.)

Ueber diesen Fund berichten auch Nentwich’s numism. Blätter ausführlich und geben die Zahl auf 10–15000 an, die in einem großen, schwarzen Topf etwa 1½ Meter unter der Erde sich befanden. Es gelang dem Fachmanne etwa 3000 Stück zu besichtigen, die sämmtlich dem Schlusse des 3. oder Anfang des 4. Jahrhunderts n. Chr. angehörten, aber nichts Neues oder Unbekanntes brachten; auch waren weder Gold-, noch Silbermünzen, weder Großbronzen, noch Medaillons dabei.