146) Zur Vervollständigung unserer Fundchronik machen wir noch nachträglich auf die uns erst jetzt zugekommene Nr. 3 des Anzeigers für schweizerische Alterthumskunde in Zürich aufmerksam, worin der im Juni d. J. gemachte Fund eines Grabes bei Füllinsdorf, oberhalb Augst (Baselland), gemeldet wird, das ein weibl. Skelett mit einem Bronzeringe mit Gemme am Finger, 23 schöne, fein getriebene Goldplättchen, ein silbernes Büchschen, ein ziemlich großes Thränenfläschchen, sowie mehrere Münzen der Faustina enthielt.
147) Ebendaselbst wird auch die Auffindung eines Grabes bei Lavorgo bei Gelegenheit der Gotthardbahnarbeiten mitgetheilt, von dem nicht festgestellt ist, ob der Fund als ein römischer zu betrachten sei.
148) Auf der Halbinsel Listerland in Norwegen ist kürzlich ein Exemplar von den so seltenen Goldbracteaten mit Runeninschrift gefunden worden. Die Direktion des Museums in Bergen hat denselben für die Alterthumssammlung erworben.
(D. Reichsanz., Nr. 275.)
149) Der Bestand der romanischen Abteikirche zu Knechtstedten (vgl. Nr. 104 auf Sp. 279 d. Bl.) scheint nun gesichert werden zu sollen. Nachdem sich in Neuß ein Verein für die Erhaltung des Bauwerkes gebildet, hat der Provinzialverwaltungsrath beschlossen, diesem für 1879 und 1880 je 2000 m. Zuschuß zu bewilligen; der Kreis Neuß hat 400 m. bewilligt. Eine Ueberweisung von 3000 m. aus der Brandentschädigung ist wahrscheinlich, so daß aller Wahrscheinlichkeit nach der Verfall auf lange hinaus wird abgehalten werden können.
150) Die Restaurationsarbeiten an der Metzer Kathedrale werden, soweit thunlich, auch während des Winters fortgesetzt. Bezüglich der Herstellung eines neuen Daches an Stelle des abgebrannten sind die Vorbereitungen soweit gediehen, daß die Ausarbeitung eines Projektes, welches die Bedachung in Form eines gleichseitigen Dreiecks zur Grundlage hat, angeordnet werden konnte. Dagegen erscheint der projektierte Ausbau des einen Thurmes noch nicht gesichert; es hängt dies von der Untersuchung der Fundamente ab, wodurch erhoben werden soll, ob dieselben stark genug sind, um eine Mehrbelastung zu ertragen. Die Herstellung des verstümmelten Eckportals wird eifrig betrieben, wird aber, da fast sämmtliche Haupttheile, namentlich auch die großen Figuren, neu hergestellt werden müssen, voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Die dafür vorgesehenen Kosten sind vorläufig auf 120000 m. veranschlagt. Die übrigen im Gang befindlichen kleineren Reparaturen, nämlich die Wiederherstellung einzelner schadhafter Pfeiler und Ornamente in dem äußeren großen Strebbogensystem, die Reparatur und Erneuerung der großen, die Nordfront des Transsepts ausfüllenden gemalten Glasfenster, sowie endlich die Ersetzung von 6 in den Seitenschiffen befindlichen, in gewöhnlichem Glas ausgeführten Fenstern durch in einfachem Stil gehaltene Grisaillefenster werden noch im laufenden Verwaltungsjahr der Beendigung entgegengeführt.
(Deutsch. Reichs-Anz., Nr. 285.)
151) Das Correspondenzblatt des Ges.-Ver. d. d. Gesch.- und Alterthumsver. führt in Nr. 11 Klage, daß die an der Stelle, wo 1233 Konrad von Marburg erschlagen wurde, errichtete Kapelle, die 1870 von Dehn-Rothfelser und Lotz als ein Werk des 14. Jahrhunderts besprochen wurde, nach dem III. Bnd. des hessischen Urkundenbuches zu schließen, abgebrochen sei, da dieses sagt: „Jetzt bezeichnet nur ein Denkstein den Ort, wo sie stand.“ Nun leider ist dies ja nichts so Merkwürdiges. Trotz aller Bewegung auf dem Gebiete der Alterthumswissenschaft, trotz aller Vereine und Commissionen hat unsere Zeit mehr mittelalterliche Bauten zerstört, als irgend eine frühere. Wie viele Kirchen, Kapellen, Stadtthore und Privathäuser haben wir abtragen sehen!
152) Der Breslauer Magistrat hat gestattet, die in dem Allerheiligenhospital von Alters her eingemauert gewesenen und im städtischen Bauhofe lagernden romanischen und späteren Sculpturen in die Sammlungen des Museums schlesischer Alterthümer aufzunehmen. Diese Stücke werden die Reihen der in dem östlichen Hofe des neuen Provinzialmuseums aufzustellenden Architekturfragmente und Steinsculpturen, welche vom 12. bis ins 18. Jahrhundert reichen, zu einem interessanten Ganzen vervollständigen. In der Mitte des Raumes wird ein großes romanisches Thor mit Tympanum entgegentreten, Basen und Capitäle gleichen Stiles die Hinterwände zieren; an die Wände rechts und links werden sich gothische Stücke lehnen, an der Eingangsseite Renaissancearbeiten, wie die sog. „Halbe Maria“ von der Nicolaistraße, Säulen aus dem Ringhause zur goldenen Krone und vom Schloß und dem Münderschen Hause zu Liegnitz zur Aufstellung gelangen.
Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann.