Der Silberfund zu Meldorf.

Ein Beitrag zur Geschichte der Kleidung im Anfang des 15. Jahrhunderts.

In den Jahren 1870, 71 und 75 erwarb das Schleswig-Holsteinische Museum vaterländischer Alterthümer nach und nach die Bestandtheile eines Silberfundes, der aus dem Fundament eines alten Hauses in der Westarstraße zu Meldorf (Kreis Süder-Dithmarschen) erhoben ist. Die Sachen lagen in einer viereckigen Ofenkachel, nämlich:

A. Ein 17–18 mm. hohes, silbernes Bildchen der heiligen Jungfrau mit dem Christkinde, vergoldet, von getriebener Arbeit; auf der Rückseite ist ein kastenartiges Behältniß angelöthet, das zur Aufbewahrung einer kleinen Reliquie gedient haben wird. In einem ausgebrochenen Loch an der Rückwand dürfte ein Stift, Knopf oder Haken gesessen haben, mit dem das Reliquarium befestigt oder angehängt wurde.

B. Eine ringförmige, silberne Gewandnadel von ca. 6 cm. äußerem und 4 cm. innerem Durchmesser, die von dem Finder sofort zusammengedrückt und in drei Stücke, die eigentliche Nadel außerdem in zwei Stücke zerbrochen ward. Die Fibula besteht aus einem ca. 1 cm. breiten und 1 mm. dicken Silberbande, welches oben von beiden Seiten zu einem schmalen Riegel, an dem die Nadel hängt, eingekerbt ist und sich nach dem horizontalen Durchmesser hin beiderseits abschmälert; hier stehen einander gegenüber zwei ringförmige Erhöhungen von 15 mm. Weite, ungefähr in der Form eines halbwegs durch eine Schnalle gezogenen Riemens. An diesen beiden Stellen sind Spuren von Vergoldung; dagegen zeigt das Silberband auf nielliertem Grunde Ständerkreuze und Mönchsbuchstaben, die allem Anschein nach nur als Ornament dienen, wenn sie nicht etwa als eine verwilderte Nachahmung des auf ähnlichen Ringfibeln öfter vorkommenden Spruchs Ave Maria anzusehen sind; und zwar steht auf den beiden oberen Vierteln Malteserkreuz A V - M A Malteserkreuz , auf der unteren Hälfte Malteserkreuz A stilisiertes M MM Malteserkreuz . Hier und da ist das zweite Zeichen der Buchstabenreihe (ein N? und ein M) von abweichender, mehr gerundeter Form.

C. Eine zweite ringförmige, silberne Gewandnadel von ca. 7½ cm. äußerem Durchmesser, welche der Finder gleichfalls sofort in viele Stücke zerbrach, die leider nicht alle wieder herbeigeschafft sind. Die Fibula ist aus vier etwa gleich großen Bestandtheilen zusammengesetzt; zwei in Form eines gewundenen Draths von ca. 5 mm. Durchmesser wechseln ab mit zwei bandförmigen, ca. 1 cm. breiten und 1 mm. dicken Stücken, welche (wie bei B) auf nielliertem Grunde ein Ständerkreuz und mehrere Buchstaben zeigen. Wo die vier Stücke in einander übergehen, sind (vier) erhaben gewölbte, durchbrochene Rosetten aufgelöthet, welche ebenso wie der gewundene Drath vergoldet gewesen sein dürften. Auf dem behufs der Nadel eingekerbten, bandförmigen Stück liest man M A - Malteserkreuz A  (ein schlecht geformtes A), auf dem anderen nach drei ganz verwilderten Buchstaben M A . Im Ganzen sind die Zeichen und auch die Niellierung hier weniger sorgfältig und hübsch ausgeführt als auf der vorigen Ringfibula.

D. Der silberne Besatz von der Vorderseite eines Wammses, aus fünfzehn Stücken bestehend, von denen immer ein Schild und zwei Thierfiguren zusammengehören. „Damals (im 14. Jahrhundert auf der schwedischen Insel Gotland)“, so berichtet nach Funden aus jener Periode Dr. Hans Hildebrand[53], „verbargen die Haken und Oesen sich nicht, wie heutzutage, anspruchslos unter den Rändern der Kleidung, sondern waren oben aufgenäht und zeichneten sich im allgemeinen durch ihre zierliche Ausstattung aus, mit Löwen- und Adlerfiguren zur Seite, mit Wappenbildern oder mystischen Darstellungen auf dem Mittelstücke.“ Ebendieselbe Mode findet sich hier in Dithmarschen wieder. Es liegen vor:

1–4) vier resp. 21, 25 und (zwei) 27 mm. hohe, oben 19, 22 und (zwei) 25 mm. breite, dreieckige silberne Schilde, welche mit Niello ausgelegt sind und eine heraldische Lilie zeigen. Bei den drei größeren Schildchen ist je ein Loch in der einen Oberecke zum Behuf des Aufnähens durchgebohrt.

5) ein dreieckiger, 42 mm. hoher und oben 37 mm. breiter silberner Schild mit geperlter Einfassung, worauf ein heraldischer, nach rechts gewendeter Löwe mit der Punze ausgetrieben ist; vergoldet.

6) ein nach links gewendeter heraldischer Greif, hoch 25 mm. von massivem Silber gegossen; mit geringen Spuren früherer Vergoldung und einem durchgebohrten Loche.