Aber nun entsteht die Frage: wenn dies alles auch sicherlich das Dasein eines Geistes als erklärende Ursache verlangen[28] mag, sind wir darum schon zu der Annahme berechtigt, daß es in der Natur keine andere Ursache giebt, um diese Wirkungen hervorzubringen? Das ist eine Frage, auf die weder Paley noch Bell und Chalmers, ja kein Vertreter der natürlichen Theologie bis auf Darwins Zeiten gekommen ist. Und das ist doch, meine ich, eine bemerkenswerte Thatsache, weil die Frage als eine blos logische so sehr nahe zu liegen scheint. Aber Thatsache ist es, daß sich die Vertreter der natürlichen Theologie meines Wissens ausnahmslos damit begnügten, es als einen Grundsatz hinzunehmen, daß jener Mechanismus keine andre Ursache als die eines zwecksetzenden Geistes haben könnte; daher beschränkt sich ihre Arbeit darauf, der Zahl und Vortrefflichkeit der Mechanismen, denen sie in der Natur begegneten, im Einzelnen nachzuspüren. Es ist aber klar, daß die bloße Anhäufung solcher Fälle keinen wirklichen oder logischen Einfluß auf das Argument ausüben kann. Die Mechanismen, denen wir in der Natur begegnen, sind in ihrer Vollkommenheit und Zahl so überwältigend, daß das aufmerksame Studium schon irgend eines einzelnen (wie es Paley in seinem Beispiel thatsächlich, wenn auch nicht ausdrücklich, darlegt) hinreicht, die ganze Sache wesentlich zu fördern, wenn nur die Annahme zugegeben wird, daß der Mechanismus allein durch einen Geist entstehen kann. Daher wird durch die bloße Ansammlung einer beliebigen Zahl besonderer Fälle von Mechanismen in der Natur aber auch weder ein wirkliches noch ein logisches Argument geliefert: alle sind ja als Mechanismen der Art nach ähnlich. Wir wollen nun dieses Argument betrachten.

Wenn wir uns etwa darüber wundern möchten, daß die Vertreter der natürlichen Theologie bis auf Darwin sich mit der Annahme begnügten, der Geist sei die einzig mögliche Ursache des Mechanismus, so finden wir meines Erachtens die richtige Antwort darin, daß ihr Glaube an eine Schöpfung im Einzelnen damals allgemein herrschte. Denn auf der Grundlage dieses Glaubens halte ich ohne Frage die Behauptung für berechtigt; d. h. wenn wir von dem Glauben ausgehen, daß alle Arten der Pflanzen und Tiere ursprünglich plötzlich und fertig geschaffen in die komplizierten Lebensbedingungen ihrer besonderen Umgebung gesetzt wurden (etwa so, wie die Uhren aus einer Fabrik hervorgehen), dann sind wir, denke ich, vernünftiger Weise zu der Annahme berechtigt, daß keine andre denkbare Ursache als die eines intelligenten Zweckes möglicherweise als Erklärung jener Wirkungen gefordert werden kann. Nun ist natürlich die Bemerkung unnötig, daß jener Zweckbeweis, wenn man diesem ihm vorhergehenden Glauben an eine Schöpfung im Einzelnen einen Einfluß auf ihn einräumte, zum Beispiel eines Zirkelschlusses wird. Vielleicht ist es ebenso unnötig zu bemerken, daß die bloße Thatsache der Entwicklung als Gegensatz zur Schöpfung im Einzelnen oder die Thatsache der allmählichen Entfaltung der lebenden Mechanismen im Gegensatz zu ihrem plötzlichen und fertigen Erscheinen diesen Zweckbeweis in keiner Weise beeinflussen würde, es sei denn, daß man nicht zeigen könnte, daß der Entwicklungsprozeß die Möglichkeit einer anderen Ursache zuläßt, welche durch die Hypothese der Schöpfung im Einzelnen nicht zugelassen wird. Aber dies ist es gerade, was durch die Theorie der Entwicklung, wie sie Darwin aufgestellt hat, gezeigt wird. Das soll besagen: Die Theorie der allmählichen Entwicklung der lebenden Mechanismen, wie Darwin sie aufstellte, ist doch etwas mehr als eine Theorie allmählicher Entfaltung im Gegensatz zu der plötzlichen Schöpfung. Sie ist auch eine rein naturwissenschaftliche Theorie, welche die rein natürlichen Ursachen dieser Entwicklung darzuthun sucht. Und dies ist der Punkt, an dem die Naturwissenschaft ihren Einfluß auf die natürliche Theologie auszuüben anfängt, oder der Punkt, an dem die Theorie der Entwicklung mit der Lehre vom Zweck in Berührung tritt. Da dies ein höchst wichtiger Teil unseres Themas ist und da über ihn in unserer Zeit eine außerordentliche Verwirrung herrscht, so werde ich ihn in der folgenden Abhandlung sorgfältig nach allen Richtungen hin erörtern.

[II.]

Nehmen wir einmal an, daß der Mensch, welcher die Uhr auf der Heide fand, seinen Weg fortsetzt, bis er zur Meeresküste kommt, und daß er ebenso wenig von physikalischer Geographie wie von der Uhrmacherei versteht. Bald fängt er an eine Menge von Anpassungen der Mittel an den Zweck zu beobachten, die zwar weniger subtil und fein sind als die, welche ihn bei seiner Untersuchung über das Innere der Uhr beschäftigten, die auf der anderen Seite aber viel eindrucksvoller sind, weil sie in einem viel größeren Maßstab auftreten. Erstens bemerkt er, daß in dem Land ein schönes Becken ausgegraben worden ist, um eine Bucht herzustellen; daß die Seiten dieses Beckens, welche wegen der Nähe des Meeres am meisten der Einwirkung der großen, rollenden Wogen ausgesetzt sind, von Felsenklippen gebildet werden, augenscheinlich in der Absicht, das weitere Eindringen des Meeres und die dadurch entstehende Zerstörung der ganzen Bucht zu verhindern; er bemerkt ferner, daß die Seiten des Beckens, welche wegen ihrer immer größeren Entfernung landeinwärts auch immer weniger der Einwirkung der großen Wogen ausgesetzt sind, aus immer kleiner werdenden Felsen gebildet werden, welche in Geröll und endlich in feinsten Sand übergehen; daß die Steine, da die Gezeiten mit ebenso großer Regelmäßigkeit wie die Bewegungen der Uhr kommen und gehen, sorgfältig vom Sand gesondert und in schiefe Schichten gelegt sind, und dies immer aufs schönste den Stellen um den Rand des Beckens herum entsprechend, welche am meisten der Gefahr ausgesetzt sind, durch die Thätigkeit der Wellen zerstört zu werden. Er würde ferner bei genauerer Prüfung merken, daß dieser Prozeß der auslesenden Anordnung sich bis in die kleinsten Einzelheiten verfolgen läßt. Hier würde er z. B. bemerken, daß einige (engl.) Meilen weit eine besondere Art von Seegras kunstreich in einem langen Bogen am Strande angeordnet ist, dort würde er eine prächtige Ablagerung von Muscheln sehen, wieder anderswo ein hübsches, kleines Häuschen von Purpursand, dessen kleine Körner aus dem umgebenden gelben Sand sorgfältig ausgesucht worden sind. Wiederum würde er bemerken, daß alle Flüßchen, die zur Bucht herunterfließen, in zu diesem Zweck bewundernswert gegrabenen Kanälen laufen, und von der Neugier getrieben, den Zweck dieser verschiedenen Flüsse zu ergründen, würde er finden, daß alle diese Gewässer dazu dienen, das Wasser zu ersetzen, welches die See durch Verdunsten verliert, und — auch ein bewundernswertes Beispiel von Anpassung — frisches Wasser für die Tiere und Pflanzen zu liefern, die am besten in frischem Wasser gedeihen; und daß diese Gewässer dabei doch durch ihre vereinte Thätigkeit hinreichend mineralische Bestandteile hinzuführen, um dem Meer im Ganzen genau den Salzgehalt zu geben, welcher zur Erhaltung des pelagischen Lebens erforderlich ist. Wenn er endlich in dieser Richtung seine Forschungen fortsetzen würde, so würde er finden, daß tausende von verschiedenen Aufenthaltsorten sinnreich den Bedürfnissen von hunderttausenden der verschiedensten Lebensformen angepaßt sind, von denen keine leben bleiben könnte, wenn diese Aufenthaltsorte verändert würden. Nun, ich meine, dieser unser gedachter Forscher würde gar thöricht sein, wenn er aus dem Ergebnis aller seiner Studien nicht den Schluß zöge, daß der Nachweis eines Zweckes, wie ihn die Seebucht liefert, wenigstens ebenso zwingend sei wie der, den er vorher beim Studium der Uhr gefunden hatte.

Aber es besteht zwischen beiden Fällen ein großer Unterschied. Während der Mann durch nachträgliche Erkundigung die Thatsache bestätigen kann, daß die Uhr ihr Dasein einem intelligenten Erfinder verdankt, könnte er in Bezug auf die Seebucht eine solche Bestätigung nicht erhalten. In dem einen Fall ist eine intelligente Erfindung als Ursache unabhängig demonstrierbar, während in dem andern Fall nur auf sie geschlossen werden kann. Welchen Wert hat nun dieser Schluß?

Wenn unser gedachter Teleologe nach Beendigung dieser seiner Studien in irgend eine große Bibliothek geführt worden wäre und dort ein oder zwei Jahre verbracht hätte um sich mit den wichtigsten Resultaten der modernen Naturwissenschaft bekannt zu machen, dann, denke ich, würde er zuletzt weiser und — trauriger geworden sein.

Wenigstens würde er, indem er mehr lernt, sicherlich merken, daß er weniger versteht, — daß die veraltete Einfachheit seiner früheren Erklärungen trotz gereifterer Anschauungen einer größeren Verwirrung Platz machen muß. Er würde nun zunächst finden, daß jede der Anpassungen von Mitteln an den Zweck, welche seine Bewunderung an der Meeresküste erregten, von natürlichen, sehr leicht verständlichen Ursachen herrühren. Die Klippen standen an der Öffnung der Bucht, weil das Meer in früheren Zeiten die Küstenlinie so lange angegriffen hatte, bis es auf diese Klippen traf, die sich seinem weiteren Vordringen entgegenstellten; die Bucht war eine Senkung des Landes, welche bei dem Zuströmen der See gerade vorhanden war und in welche die letztere daher flutete; die Reihenfolge von Felsen, Geröll und Sand entstand durch die Thätigkeit der Wogen selbst, die Sonderung des Seegrases, der Muscheln, der Kiesel und der verschiedenen Sandarten kam von ihrem verschiedenen spez. Gewicht her; die Süßwasserströme flossen in Kanälen, die sie sich selbst gebildet hatten, und die zahlreichen Lebensformen waren ihren verschiedenen Wohnungen einfach deshalb angepaßt, weil die für sie ungeeigneten Wesen darin nicht leben konnten. In allen diesen Fällen würde daher unser Teleologe im Lichte höherer Erkenntnis notgedrungen wenigstens den Schluß gezogen haben, daß die Anpassungen, die er so sehr bewundert hatte, als er sie für Wirkungen eines die Erscheinungen voraussehenden Planes hielt, nun nicht mehr diesen Nachweis eines intelligenten Planes liefern können, da es sich herausstellt, daß keine von ihnen vorher von einer unabhängigen oder äußeren Ursache vorbereitet wurde.