DANN veränderten die Ungeheuer ihre Gestalt, streiften ihre erste Haut ab und richteten sich mit ihren riesenhaften Tatzen mächtiger auf; die ungeheure Masse ihrer Körper zerbrach

die Zweige und zerstörte das Gras und in der Unordnung der Natur lieferten sie Schlachten, an denen ich selbst teilnahm, denn ich hatte einen ebenso sonderbaren Körper wie sie selbst. Plötzlich tönte eine seltsame Harmonie in unsere Einsamkeit und es schien als ob das verwirrte Schreien, Heulen und Pfeifen der primitiven Wesen hinfort in diese göttliche Weise überginge. Die Variationen folgten einander ins Unendliche, der Planet erhellte sich allmählich, göttliche Formen zeichneten sich auf dem Grün und in den Tiefen der Gebüsche ab, und die nun zahmen Ungeheuer, die ich gesehen hatte, warfen ihre sonderbaren Formen von sich und wurden Männer und Frauen; andere bekleideten sich in ihren Verwandlungen wieder mit den Gestalten von wilden Tieren, Fischen und Vögeln.

Wer hatte wohl dieses Wunder vollbracht? Eine strahlende Göttin führte in diese neuen »Avatars« die rasche Entwicklung der Menschheit. Es wurde jetzt eine Unterscheidung der Rassen eingeführt, die von der Ordnung der Vögel ausging und auch die Vierfüßler, die Fische und die Reptilien mitinbegriff: das waren die Devas, die Peris, die Undinen und die Salamander; jedesmal wenn eines dieser Wesen starb erstand es sogleich wieder unter schönerer Form und sang den Ruhm der Götter. — Indessen hatte einer der Elohim den Gedanken, ein fünftes Geschlecht zu gründen, das sich aus den Elementen der Erde zusammensetzen sollte, das man Afriten nannte. — Das war das Zeichen zu einer vollständigen Umwälzung unter den Geistern, die die neuen Weltbesitzer nicht

anerkennen wollten. Ich weiß nicht, wieviel tausend Jahre diese Kämpfe dauerten, die den Erdball mit Blut überschwemmten. Drei der Elohim wurden schließlich mit den Geistern ihrer Geschlechter nach dem Süden der Erde verbannt, wo sie ungeheure Reiche gründeten. Sie hatten die Geheimnisse der göttlichen Kabbala, die die Welten verbindet, mit sich genommen und nahmen ihre Kraft aus der Anbetung gewisser Gestirne, mit denen sie stets in Verbindung stehen. Diese Nekromanten, die an die äußersten Grenzen der Erde verbannt wurden, hatten sich verständigt, um einander die Macht zu übertragen. Jeder ihrer Herrscher war von Frauen und Sklaven umgeben und hatte sich der Macht versichert, unter der Gestalt seiner Kinder wiedergeboren zu werden. Ihr Leben währte tausend Jahre. Mächtige Kabbalisten schlossen sie beim Herannahen ihres Todes in wohlbewachte Grabstätten ein, wo sie mit Elixieren und lebenerhaltenden Stoffen ernährt wurden. Lange noch behielten sie den Anschein des Lebens, dann schliefen sie vierzig Tage wie die Schmetterlingspuppe, die ihren Kokon spinnt, und dann erstanden sie wieder unter der Gestalt eines kleinen Kindes, das später in das Reich berufen wurde. Indessen erschöpften sich die lebenspendenden Kräfte der Erde beim Ernähren dieser Familien, deren immer gleiches Blut neue Nachkommen gebar. In weiten unterirdischen Gewölben, die unter Totengrüften und Pyramiden ausgehöhlt waren, hatten sie alle Schätze der vergangenen Geschlechter aufgehäuft und gewisse Talismane, die sie gegen den Zorn der Götter schützten, versteckt.

Im Innern Afrikas, jenseits des Mondgebirges und des alten Äthiopien fanden diese seltsamen Mysterien statt. Lange hatte ich mit einem Teil des Menschengeschlechts in der Gefangenschaft geseufzt. Die Gesträuche, die ich so grün gesehen, trugen nur mehr bleiche Blüten und welke Blätter. Eine unerbittliche Sonne fraß diese Gegenden, und die schwächlichen Kinder dieser ewigen Dynastien schienen von der Bürde des Lebens niedergedrückt zu sein. Diese erhabene und einförmige Größe, die durch die Etikette und hieratische Gebräuche geregelt war, drückte alle, ohne daß jemand gewagt hätte, sich ihr zu entziehen. Die Greise schmachteten unter dem Gewicht ihrer Kronen und ihrer kaiserlichen Schmuckstücke zwischen Ärzten und Priestern, deren Willen ihnen die Unsterblichkeit sicherte. Was das Volk betrifft, das für immer in Kasten eingezwängt war, so konnte es weder auf das Leben noch auf die Freiheit zählen. Am Fuße der vom Tod getroffenen, unfruchtbaren Bäume, an den versiegten Quellen, sah man auf dem verbrannten Gras Kinder und junge, entnervte und farblose Frauen dahinsiechen. Die Pracht der königlichen Gemächer, die Majestät der Säulenhallen,

der Glanz der Kleider und des Schmucks waren nur ein schwacher Trost für die ewige Langweile dieser Einsamkeit. Bald wurden die Völker durch Krankheiten dezimiert, die Tiere und Pflanzen starben, und die Unsterblichen selbst verfielen unter ihren prächtigen Gewändern. Eine Geißel, die größer war als alle andern, kam plötzlich und verjüngte und rettete die Welt. Das Sternbild des Orion eröffnete am Himmel die Katarakte der Gewässer; die Erde, die vom Eise des entgegengesetzten Pols zu stark belastet war, machte eine halbe Drehung um sich selbst, und die Meere, die die Gestade überstiegen, überfluteten die Hochebenen Afrikas und Asiens; die Überschwemmung durchdrang den Sand, erfüllte die Gräber und die Pyramiden und vierzig Tage lang schwamm eine geheimnisvolle Arche auf den Meeren und trug die Hoffnung einer neuen Schöpfung.

Drei der Elohim hatten sich auf den höchsten Gipfel der afrikanischen Berge geflüchtet. Unter ihnen wurde ein Kampf ausgefochten. Hier verwirrt sich mein Gedächtnis und ich