Zweiter Teil
Eurydice! Eurydice!
I.
ZUM zweitenmal verloren! Alles ist zu Ende, alles ist vorbei! Jetzt bin ich es, der sterben, ohne Hoffnung sterben muß! — Was ist denn der Tod? — Wenn er das Nichts wäre! — Wollte es Gott! Aber Gott selbst kann es nicht machen, daß der Tod das Nichts sei.
Warum ist es denn seit so langer Zeit das erstemal, daß ich an »ihn« denke? Das unglückliche System, das in meinem Geist entstanden war, ließ dieses einsame Königtum nicht zu . . . . oder vielmehr es verlor sich in die Fülle der Wesen; das war der Gott des Lucretius, machtlos und in seine Unendlichkeit verloren.
Sie indessen glaubte an Gott und ich habe eines Tages den Namen Jesus auf ihren Lippen gefunden. Er floß so sanft dahin, daß ich darüber geweint habe. O mein Gott, diese Träne, diese Träne . . . . sie ist schon lange getrocknet! Diese Träne, o mein Gott, gib sie mir wieder!
Wenn die Seele unsicher zwischen Traum und Leben schwebt, zwischen Geistesverwirrung und der Rückkehr zur kalten Überlegung, so muß man seine Hilfe im religiösen Gedanken suchen, — niemals habe ich Trost finden können in dieser Philosophie, die nur Lebensregeln des Egoismus oder bestenfalls der Gegenseitigkeit, eitle Erfahrung, bittere Zweifel bietet; — sie bekämpft die moralischen Schmerzen, indem sie die Empfindlichkeit vernichtet; wie die Chirurgie kann sie nur das schmerzende Organ wegschneiden. Aber für uns, die wir in den Tagen der Umwälzungen und der Gewitter geboren sind, wo alle Bekenntnisse zerbrochen sind; — die wir bestenfalls in diesem unbestimmten Glauben erzogen sind, der sich mit einigen äußerlichen Übungen begnügt und die gleichgültige Zugehörigkeit zudem vielleicht schuldiger ist als die Gottlosigkeit und die Ketzerei; für uns ist es sehr schwierig, sobald wie wir das Bedürfnis dazu fühlen das mystische Gebäude wieder aufzubauen, dessen wohl vorgezeichnete Form die Unschuldigen und die Einfältigen in ihren Herzen anerkennen.