Ich war in einem Turm, der so tief in der Erde steckte und so hoch in den Himmel ragte, daß mein ganzes Leben mit Hinauf- und Hinabsteigen ausgefüllt schien. Schon waren meine Kräfte erschöpft und der Mut begann mich zu verlassen, als sich eine Seitentür öffnet. Ein Geist tritt hervor und sagt zu mir: »Komm, Bruder! . . . .« Ich weiß nicht, wie es mir in den Sinn kam, daß er Saturnin hieß. Er hatte die Züge des armen Kranken, aber verklärt und wissend. Wir waren auf einem sternerhellten Felde; wir blieben stehen und betrachteten das himmlische Schauspiel und der Geist legte seine Hand auf meine Stirn, wie ich es am Abend vorher gemacht hatte, als ich meinen Gefährten zu magnetisieren versuchte; sogleich fing einer der Sterne des Himmels zu wachsen an, und die Gottheit meiner Träume erschien mir lächelnd in einem fast indischen Gewand, so wie ich sie früher gesehen hatte. Sie schritt zwischen uns beiden und die Wiesen ergrünten, die Blüten und Blätter erhoben sich von der Erde auf der Spur ihrer Schritte . . . . Sie sprach zu mir: »Die Prüfung, der du unterworfen warst, ist zu Ende; diese zahllosen Stufen, bei deren Erklimmen und Hinabsteigen du dich ermüdetest, waren die Bande der alten Einbildungen selbst, die deine Gedanken verwirrten und jetzt erinnere dich des Tags, wo du die heilige Jungfrau angefleht hast und da du

sie tot glaubtest, sich das Delirium deines Geistes bemächtigt hat. Es war nötig, daß ihr dein Wunsch von einer einfachen von der Erde losgelösten Seele überbracht wurde. Diese hat sich in deiner Nähe gefunden und darum ist es mir selbst erlaubt zu kommen und dir Mut zuzusprechen.« Die Freude, die dieser Traum in meinem Geist verbreitete, verschaffte mir ein köstliches Erwachen. Der Tag begann anzubrechen. Ich wollte ein greifbares Zeichen der Erscheinung haben, die mich getröstet hatte und ich schrieb diese Worte auf die Mauer: »Du hast mich in dieser Nacht besucht.« Ich verzeichne hier unter dem Titel

DENKWÜRDIGKEITEN

die Eindrücke mehrerer Träume, die dem folgten, den ich eben mitgeteilt habe. — — —

Auf einer schlanken Bergspitze der Auvergne ist der Hirtengesang verklungen: ARME MARIA! Königin der Himmel! An dich wendet sich ihre Frömmigkeit. Diese ländliche Melodie ist zum Ohr der Korybanten gedrungen. Sie treten selbst singend aus den geheimen Grotten, wo die Liebe ihnen Obdach gewährte. — Hosianna! Friede auf Erden und Ruhm in den Himmeln! — Auf den Bergen des Hymalaia ist eine kleine Blume erblüht. — Vergiß mein nicht! — Der kosende Blick eines Sternes hat einen Augenblick auf ihr geruht und eine Stimme ließ sich in einer süßen, fremden Sprache vernehmen: MYOSOTIS! —

Eine silberne Perle leuchtete im Sand; eine goldene Perle strahlte am Himmel . . . . Die Welt war geschaffen. Keusche

Liebe, göttliche Seufzer! Entflammt den heiligen Berg! . . . Denn ihr habt Brüder in den Tälern und schüchterne Schwestern, die sich im Schoß der Wälder verbergen!

Duftende Gebüsche von Paphos! Was seid ihr gegen diese Zufluchtsorte, wo man mit vollen Lungen die belebende Luft des Vaterlandes atmet? — Da oben auf den Bergen lebt die Welt zufrieden; die wilde Nachtigall verbreitet Zufriedenheit.

O wie schön ist doch meine große Freundin! Sie ist so groß, daß sie der Welt verzeiht und so gut, daß sie mir verziehen hat. Neulich nachts schlief sie in irgendeinem Palast und ich konnte sie nicht erreichen. Mein Schweißfuchs entwand sich meinem Befehl. Die zerrissenen Zügel hingen über der in Schweiß gebadeten Kruppe und es bedurfte großer Anstrengungen, um ihn zu verhindern, daß er sich zu Boden legte.