Nachtfee
Bitte, bitte, (mit Wendung zu den anderen)
Windliese und Wolkenfrau
Nehmen’s damit wohl nicht genau;
Aber es kommen noch andere Gäste
Zu meinem heutigen, schönen Feste:
Das Taumariechen, der Milchstraßenmann,
Die man nicht gut beschwefeln kann.
Verzeihen Sie also meine Bitte,
Und nehmen Sie Platz, liebe Base Blitz,
Ich glaube, es kommt schon der Regenfritz.
(Die Blitzhexe knickst und springt in Zickzacklinien zu ihrem Platz. Man hört Regenrauschen und auf einem großen Regenschirm kommt von rechts der Regenfritz herein. Eine fadendünne, lange Gestalt in schlechtsitzendem, grauem Überrock, zu kurz geratenen, grauen Hosen, grauem Zylinder und ausgetretenen Zugstiefeln. Langes, strähnig hängendes, verwaschen blondes Haar; eine rote, spitze Schnupfennase und Triefaugen. Er hat eine ölig flötende, melancholische Greinstimme. Er trieft von Wasser. Wo er steht, bilden sich sofort Pfützen.)
Regenfritz
Drüppelü – tüp – tüp – liebe Fee der Nacht,
Sie haben mir gütige Einladung gemacht.
(Er verbeugt sich.)
Ich bin gerne gekommen – tüp – top – tü – ti,
War ein weiter Ritt auf dem Parapluie.
Hab’ zwar im Mai meist wenig zu tun,
Hin und wider mal drüppeln, meist muß ich ruh’n;
Hab’s aber eben noch gerade erreicht
Und fünfzig neue Kleider milde durchgeweicht,
An siebzehn Stellen sanft durch die Decke geregnet,
Tische, Stühle und Betten mit Pfützen gesegnet,
Zwölf Landpartien freundlich berieselt,
Zweihundert Kinderchen haben’s mit Schnupfen benieselt,
Dreizehn Handwerksburschen, bis aufs Hemd,
Habe ich liebevoll durchgeschwemmt. –
Nun ja, man muß eben zufrieden sein,
Der Mai ist trocken, die Arbeit nur klein.
Nachtfee
Es freut mich, mein Herr Regenfritz.
Hier linker Hand ist jetzt Sein Sitz;
Aber sage Er nur, was fängt Er an,
Hat Er gar nichts Gutes auf Erden getan?
Treibt er da unten denn nur noch Possen?
Regenfritz