„Handwerkszeug“
enthalten muß. Hierher gehören: Reservekommissionsbuch, Kursbuch, Schreibmappe und Kundenregister. Hierher gehört auch die Kopierpresse, von der wir im Abschnitt: „Der Reisende und sein Haus“ sprachen. Vorhin erwähnte ich, daß sich auch der Reisende eine Kartei anlegen möchte. Er hat es dann in der Hand, entweder die Karten, die er für seine Tour braucht, mitzunehmen, oder sich die wichtigen Notizen in sein Kundenregister zu übertragen. Die Schreibmappe muß hinreichend Briefbogen und Umschläge enthalten, auch Postanweisungsformulare sollten nicht fehlen. Wer große Umschläge braucht, nehme sich diese besonders mit. In den Gasthäusern sollte man sie eigentlich in jedem Schreibzimmer finden. Nur findet man sie nicht — wenn man sie braucht. Niemals nehme man Briefumschläge mit der Firma des Hauses! Wozu den Konkurrenten zeigen, wer man ist und für wen man kommt? Eine gute Reisekopierpresse liefert F. Soennecken in Bonn. Besonders geeignet ist die Presse Nr. 19. Sie nimmt nur ganz wenig Raum weg, wiegt ohne Buch nur 2 kg und kostet einschließlich des notwendigen Materials und eines Buches nur 13 Mk. Wer nicht so viel zu kopieren hat, kommt auch mit Soenneckens Reisekopierrolle, die nur 3.50 Mk. mit dem notwendigen Material kostet, bereits aus. Diese Rolle wiegt nicht ganz ½ kg.
Was sonst noch zur Ausrüstung gehört? Eine Reisedecke, wer nicht ohne sie auskommen kann. Für Reisende, die meine Winke im übernächsten Abschnitt beachten, die Postausweiskarte, für alle die Legitimationskarte, für ehemalige Soldaten des Beurlaubtenstandes der Militärpaß. Ein steter Begleiter des Reisenden sollte auch ein Verzeichnis der Messen und Märkte sein. Es findet sich in den Kalendern in Buchform. Es spart dem Reisenden manche unnütze Fahrt.
Ehe der Reisende auf die Tour geht, soll er daran denken, daß er mancherlei Gefahren ausgesetzt ist. Die Bahn haftet zwar für Schaden und auch der Gastwirt, wenn er ihn verschuldete; es können aber gerade den Reisenden Unfälle betreffen, für die ihm niemand haftet. Er sollte deshalb gegen Unfall versichert sein, mindestens aber eine Reiseunfallversicherung abschließen, die er zu sehr billigen Prämien haben kann. Der Reisende des Beurlaubtenstandes oder der Ersatzreservist wird sich als „auf Reisen“ befindlich abmelden. Er hat dann nur jeweils zum 15. April und zum 15. November seinem Bezirkskommando anzuzeigen, wo er sich befindet und wohin Befehle ihm zugeschickt werden sollen.
Gehen wir nun an das Packen des Musterkoffers.
Der Musterkoffer
muß wie der Wäschekoffer leicht, handlich, bequem, dauerhaft, leicht erkenntlich und leicht zu öffnen sein. Wer einen guten Koffer haben will, bitte die Firma Moritz Mädler um kostenfreie Uebersendung ihres Katalogs. Beim Kauf eines Musterkoffers ist man noch mehr als beim Wäschekoffer darauf angewiesen, dort zu kaufen, wo die Erfahrungen immer ausgenutzt wurden. Moritz Mädler hat zwei große Gruppen Musterkoffer. Die besseren „Monopol-Koffer“ und die „Continent-Koffer“. Die Monopol-Koffer sind nur wenig teurer, aber entschieden dauerhafter. Das aber ist bei Musterkoffern, die man nicht immer wie den Wäschekoffer unter den Augen hat, besonders zu beachten. Wie schonungslos wird oft mit diesen Koffern umgegangen, ganz besonders auf kleinen Stationen, wo der Zugaufenthalt gering ist! Je schwerer der Koffer, je schonungsloser die Behandlung. Die Monopol-Koffer werden aus astfreiem kanadischen Pappelholz hergestellt. Das Holz ist für Kofferzwecke an und für sich besonders geeignet und es wird außerdem jahrelang ausgetrocknet. Es ist leicht und zäh, deshalb sehr widerstandsfähig und doch nicht frachtverteuernd. Die Continent-Koffer sind ebenfalls aus gut getrocknetem zähen Holz gearbeitet, sie erreichen aber an Dauerhaftigkeit doch noch nicht die Monopol-Koffer. Die verschiedensten Wünsche werden bei der Anfertigung berücksichtigt. Die vielfache Auswahl, die verschiedenen Arten der Koffer erlauben aber größtenteils, von der besonderen Anfertigung abzusehen. Die Firma hat Koffer mit feststehender und aufzuklappender Vorderwand, mit geradem oder mit einem Faßdeckel, mit Einsätzen und ohne sie auf Lager. Für einzelne Branchen sind besondere Koffer hergestellt. So für Stöcke, Wollwaren, leichte Konfektion, Hüte usw. Für die Konfektion wird ein Hängekoffer auf den Markt gebracht, der trotz seiner vielen Vorzüge als Monopol-Koffer schon für 85 Mk., als Continent-Koffer für 70 Mk. zu haben ist. Als besondere — geschützte — Neuheit bringt Mädler die verstellbare Riemenbefestigung. Bisher war man beim Festschnallen der Koffereinlage immer an die angenieteten Riemen gebunden. War der Koffer nicht bis zum Niet gefüllt, konnte die ganze Einrichtung nichts nützen. Die neue Einrichtung gestattet das Festschnallen in verschiedensten Höhen, sie gestattet auch das Trennen der Einlage durch mehrfaches Festschnallen.
Als Handmusterkoffer verdienen diejenigen mit Deckelklappe den Vorzug vor anderen. Sie sind ebenfalls aus kanadischem Pappelholz hergestellt; die eine Breitfläche ist vollständig zu öffnen, die Klappe selbst ist gut und doch handlich verschlossen. Letzteres ist für den Reisekoffer ein Haupterfordernis. Nur keine Koffer mit langweiliger Riemenverschnürung anschaffen!
Die Muster selbst, die der Koffer birgt, müssen gut zusammengestellt sein und immer sauber gehalten werden. Der aufgeklappte Koffer muß allein reizen, in den Herrlichkeiten, die er birgt, herumzustöbern! Soll er das, darf nicht der innere Bezug heruntergerissen sein, dürfen Stoffmuster keine Ecken haben, darf ihnen nicht die Kappe fehlen, müssen Zigarrenmuster immer den „Spiegel“ zeigen, und wo Glas als Behälter in Frage kommt, darf es nicht nach der Bertillonschen Methode die Fingerabdrücke des Reisenden zeigen, ebenso wie es keinen guten Eindruck machen wird, wenn Flüssigkeitsbehälter nur halb gefüllt sind. Ausgefranste Muster sehen gräßlich aus, schmierige Schachteln, Kästen und Büchsen erregen durchaus kein Wohlgefallen.
Die Muster selbst bedürfen vorteilhafter Verteilung im Koffer. Der Reisende sollte sich deshalb mehrfach üben, seinen Koffer zu packen. Es kann ihm sonst passieren, daß er den Inhalt seines gefüllten Koffers nicht wieder unterbringt, wenn es mit dem Einpacken schnell gehen muß. Auch lernt der Reisende durch das Probepacken die Muster kennen, die er mit sich führt, und nicht erst dann, wenn er schon einige Dutzend Kunden durchgeklappert hat. Er findet bei gleichmäßiger Anordnung auch immer sofort, was er braucht. Und das ist sehr gut! Es wird ihm vielfach vorkommen, daß er das Interesse eines Kunden erregen kann, wenn er im Augenblick einen bestimmten Artikel vorzuzeigen vermag. Dann darf er nicht erst lange suchen müssen.