Manche Kleinigkeit mußte ich erwähnen. Ich bitte den Leser, über diese scheinbaren Kleinigkeiten nicht hinweg zu gehen. Es gibt im Reiseleben keine Kleinigkeiten! Kleine Ursachen können gerade für den Geschäftsreisenden große Wirkungen nach sich ziehen. Es scheint mir deshalb notwendig, daß besonders der Anfänger das Buch nicht durchliest, sondern gerade wegen der vielen Kleinigkeiten durcharbeitet!
Zum Schlusse möchte ich noch den „Aeltesten der Kaufmannschaft“ zu Berlin meinen Dank aussprechen für die freundliche Unterstützung, die es mir ermöglichte, über die z. T. recht umständlichen Vorschriften, die in den europäischen Staaten für die Geschäftsreisenden bestehen, bestimmte und genaue Angaben zu machen.
Gerhard Kaestner.
Inhaltsverzeichnis.
| Seite | |
| [Vorwort] | |
| Einleitung | [1] |
| Wer soll reisen? | [4] |
| Das Recht und der Reisende | [19] |
| a) Der Dienstvertrag | [19] |
| b) Die Vollmacht des Reisenden | [41] |
| c) Der Mietsvertrag mit dem Gastwirt | [45] |
| d) Paßverhältnisse im Inland | [49] |
| e) Die Vorschriften über das Detailreisen | [52] |
| f) Unlauterer Wettbewerb | [56] |
| Der Reisende und sein Haus | [63] |
| Die Ausrüstung | [74] |
| Der Reisende und die Eisenbahn | [84] |
| a) Die Personenbeförderung | [84] |
| b) Die Gepäckbeförderung | [89] |
| c) Die Haftpflicht | [91] |
| Der Reisende im Gasthaus | [95] |
| Bei der Kundschaft | [110] |
| Der Detailreisende | [146] |
| Der Reisende im Ausland | [153] |
| Ein Schlußwort an die Auslandsreisenden | [181] |
Einleitung.
Ich war noch Lehrling, aber ein ansehnlicher strammer Kerl. Meine Lehrzeit diente ich ab in einem Tuch- und Manufakturwarengeschäft. Tagtäglich kamen Reisende zu uns, gute und auch recht wenig verläßliche. Schließlich traute ich es mir zu, von vornherein zu beurteilen, ob der oder jener ein Geschäft oder eine „Pleite“ machen werde. Mein Chef war einer der alten Schule. Er hatte vor nichts mehr Respekt als vor einem überfüllten Lager. So hörten selbst die Reisenden bekannter Häuser seine ständige Redensart: „Ich bin mit allem versehen, diesmal brauche ich wirklich nichts.“ Trotzdem kam es zu manchem guten Geschäft für die Reisenden. Ich mußte oft Muster, die zurückgeblieben oder die zu einer engeren Auswahl zurückgelassen worden waren, nach dem Hotel tragen, das die Reisenden beherbergte. Wie gut die es hatten! Setzten sich an die „reichbesetzte Tafel“, tranken, rauchten, spielten Karten und ließen, wie man daheim zu sagen pflegte, den lieben Gott einen guten Mann sein. Damals schon stand es bei mir fest: Ich wollte Reisender werden. Im Geiste sah ich mich dann schon mit großen Koffern durch die Welt streifen. Natürlich verdiente ich auch recht viel Geld und ließ es mir wohl sein, — in Gedanken natürlich!
Aussichten und Hoffnungen.
Das Glück war mir günstig! Ich lernte im dritten Jahre. Unser junger Mann machte sich selbständig, sein Nachfolger schlug nicht ein, da wurde ich denn feierlichst im letzten halben Lehrjahr zum Reisenden der Firma N. N. ernannt.
Mein Traum war damit natürlich noch nicht erfüllt. Statt der „großen Koffer“ begleiteten mich zwei, allerdings auch nicht unansehnliche Handkoffer auf meinen Streifzügen in die Thüringer Dörfer, denn ich war „Detailreisender“. Mit hochgespannten Erwartungen ging ich auf die Tour, flügellahm stellte ich sie wieder ein, nach öfteren vergeblichen Ansätzen, Erfolge zu erzielen. Hatte ich ein Dorf abgeklappert und ging in ein anderes, dann überfiel mich die Angst: Wird das Geschäft besser werden, als es war? Und es war nicht gut! Nicht annähernd erzielte ich den Umsatz, den mein Vorgänger erzielt hatte. Um Ausreden war ich zwar nicht verlegen. Ich glaubte sie selber. Und da mein Chef mir vertraute, hätte es noch lange so gehen können. Zu meinem Glück lernte ich, trübselig einmal in der Schenke sitzend, einen „ausgepichten“ Reisenden kennen. Er war selbst Chef und meine schärfste Konkurrenz! So manches mal hatte ich erfahren, daß Kunden, die bei meinem Besuch „nichts brauchten“, zwei Tage später bei ihm gekauft hatten. Ich war also nicht gut auf ihn zu sprechen. Dieser Mann nahm mich vor, just wie der Vater seinen Jungen vornimmt. Und ich, ich wurde ganz klein.