Und dann die Nerven! Ein Reisender muß Pferdestränge als Nerven haben, sonst reibt er sich beizeiten auf.

Drei angeborene Eigenschaften.

Aus allem dem ist zu erkennen, daß jeder, der reisen will, eine eiserne Gesundheit sein eigen nennen muß. Das ist aber erst eine Vorbedingung!

Wenn mein erster Ausflug nicht von Erfolg begleitet war, dann lag das zu einem guten Teil — abgesehen von den Kenntnissen, die ich nicht hatte und von denen noch die Rede sein wird — daran, daß ich eben blutjung war.

So ein junger Guckindiewelt, mag er nun Engros- oder Detailreisender sein, wird immer über die Achsel angesehen. Er kommt von vornherein schlecht ins Geschäft. Hat er aber wirklich diese Schwierigkeit überwunden, so vermag er doch seinen Worten nicht den äußeren Nachdruck zu geben, den nur eine in sich gefestigte Persönlichkeit auszuüben vermag. Gewiß kann man auch zu einem jungen Mann Vertrauen haben, aber in der Regel stellt es sich nur dann ein, wenn der junge Reisende bereits bekannter geworden ist. Das Vertrauen, das gar nicht erst hergestellt werden muß, das vielmehr unbewußt da ist, hat das Alter vor der Jugend voraus. Wer deshalb auf die Reise gehen will, soll es nicht tun, wenn er nicht mindestens die „Zwanzig“ auf dem Rücken hat.

Vom Alter hängt nämlich noch eine dritte Eigenschaft ab, die der Reisende haben muß!

Ich werde in meiner Kauflust immer beeinflußt von dem Aussehen des Ladens, den ich betrete. Ich glaube sagen zu dürfen, daß es fast jedem Käufer so geht. Ein freundlicher, solide aussehender Laden, ein gewinnender Verkäufer bewirken oft einen größeren Einkauf, als wirklich tadellose Waren, die nur das Unglück haben, in einem unfreundlichen Laden zur Schau gestellt und von einem weniger tüchtigen Verkäufer angepriesen zu werden. (Siehe auch das Werkchen von Curt Büsch im gleichen Verlage: Vom Verkaufen.)

Beim Reisenden liegen die Dinge noch anders. Zunächst stehen sich hier Käufer (der Kunde) und Verkäufer (der Reisende) durchaus nicht mit der Absicht gegenüber zu verkaufen und zu kaufen. Die Absicht, zu verkaufen ist wohl immer vorhanden, die Absicht zu kaufen fast nie! Im Laden kommt dem Verkäufer die bereits ausgestellte Ware, die doch ein gewichtig Wörtlein mitspricht, zu Hilfe. Der Reisende hat oft die Hauptschwierigkeit zu überwinden, ehe er den Kunden dazu gebracht hat, die Muster überhaupt ansehen zu wollen. Er ist also beim ersten Angriff ganz allein auf seine Person angewiesen. Es gibt Menschen, die man auf den ersten Blick gern hat, sie flößen sofort Vertrauen ein. Es gibt andere, denen man mißtraut, denen man unbewußt nicht wohl will. Ein schönes Kind wird immer mehr Schokolade bekommen, als ein weniger schönes oder gar häßliches. Die Schokolade, die den Reisenden erfreut, sind die Aufträge. Ein Adonis oder Apoll braucht der Reisende zwar nicht zu sein, aber er soll doch möglichst körperlich ansehnlich sein und ein sympathisches Aeußeres haben.

Mit diesen drei Eigenschaften (Gesundheit, reifes Alter, sympathische Ansehnlichkeit), die der Reisende selten erwerben kann, die er höchstens zu verbessern vermag, ist es aber längst nicht getan. Wer reisen will, muß bestimmte Fähigkeiten besitzen, ohne die für ihn der Erfolg seiner Tätigkeit ausgeschlossen ist.

Es mag wohl einmal eine Zeit gegeben haben, in der man auch im Geschäftsleben den guten Freund, der uns besuchte, auf das Kanapee nötigte und für ihn auftrug, was Küche und Keller boten. Vielleicht hatte es aber auch damals schon damit sein Bewenden. Der Reisende sucht seine Kundschaft nicht zu solchem Zweck auf, sondern um Geschäfte zu machen.