Bis auf den Kamm des Gebirges hat man es meist mit denselben Bäumen zu thun, wie sie in Bornu vorkommen, aber darunter befinden sich manche fruchttragende, die in den Tschadebenen nicht vorkommen. Auf der westlichen Seite treten hingegen die Baumarten in den Vordergrund, wie sie das Nilthal vorzugsweise aufweist, und namentlich sind es ausgedehnte Wälder des Butterbaumes, Bassia Parki, die nun vorherrschen. In den niederen Theilen zeigen sich Bananen und der herrliche Gunda-Baum überall wild. Indigo, zum Theil wild, Baumwolle und Tabak gezüchtet, kommen allerwärts vor. Der Wald liefert die Yams-Wurzeln, die auch gebaut werden, ebenso pflanzen die Eingeborenen in ihrem Garten Ingwer, verschiedene Zwiebeln, Erdnüsse und Kohlsorten.
In einer so üppigen Gegend ist natürlich die Thierwelt sehr reich vertreten: die niedere sowohl wie die geflügelte zeigt dem Europäer auf Schritt und Tritt Neues. Reißende Thiere, namentlich Panther und Leoparden, sind in den Schluchten der Berge nichts Seltenes, doch sind sie keineswegs so häufig, daß dadurch irgendwie die Sicherheit der Reisenden gefährdet würde.
Sehr zahlreich sind allerdings die Hyänen und Büffel vertreten; Giraffen kommen hier im Gebirge nirgends vor; Elephanten, Nashörner und Flußpferde treten erst am Bénue und Niger auf; ebenso fehlt hier der Gorilla-Affe, nur Paviane und Hundsaffen sind in erstaunlicher Menge vertreten. Wie überall, wo das Land von Ameisen beherrscht wird, ist auch der Ameisenbär anzutreffen, und jene ungeheueren Thonpyramiden, welche man über das ganze Land zerstreut sieht, sind oft von der Kralle des Ameisenbärs angebohrt. Diese Pyramiden, von denen auch schon durch Photographie fixirte Ansichten existiren, verleihen der Landschaft einen eigenthümlichen Reiz. Man beobachtet welche von einer Höhe von über 20 Fuß.
Die Bewohner des Gora-Gebirges sind echte Neger und gehörten ehedem zum großen Reiche der Haussa-Neger. Bei der Invasion der Pullo wurden sie unterjocht, und jetzt bildet das Gora-Gebirge einen Theil des Kaiserreichs Sokoto. Zum Theil gehört es zu den Königreichen Bautschi und Kano, zum Theil zu denen von Saria und Keffi-abd-es-Senga, welche alle dem Kaiser von Sokoto unterthan sind.
Mit Ausnahme der Städtebewohner gehen alle Eingeborenen vollkommen nackt und sind Heiden. Die Frauen tragen Ringe und Spangen um Arme und Fußknöchel, jedoch durchbohren sie die Ohrlappen nicht wie die europäischen Frauen, ihr Haar tragen sie ohne Schmuck und kurz abgeschnitten, während die Männer es nach Art der Bornu-Frauen helmartig zu einem Wulst zusammenwachsen lassen. Um den Leib tragen die Frauen einen Ledergurt der vorn und hinten mit Blättern behangen wird, um damit die Blößen zu bedecken; die Männer tragen ein Schurzfell, oft kunstvoll gestickt und mit vielen kleinen Muscheln geschmückt. Die Männer sind immer bewaffnet: ein Bogen, ein Köcher mit vergifteten Pfeilen und oft ein gerades, in Hagen oder Solingen verfertigtes Schwert macht ihre Rüstung aus.
Ihre Religion ist Fetischdienst, obschon die über sie herrschenden Pullo den Islam angenommen haben. Aber obgleich sie Heiden sind, stehen sie keineswegs auf einer ganz niederen Stufe der Cultur; ihre Hütten sind so regelmäßig und gut angelegt, daß man ihnen gewissermaßen Sinn für Architektur und Geschmack nachsagen muß; der Boden ist eine Art Mosaik, welcher von den Frauen eingegossen und festgeklopft wird. Ihre Hauseinrichtungen, was Töpfe, Holzschnitzereien und andere Gegenstände anbetrifft, sind kunstvoll und mit Eleganz gearbeitet, ihre Werkzeuge verfertigen sie selbst aus Eisen. Um im Winter auf den höher gelegenen Bergtheilen sich besser gegen die Kälte schützen zu können, haben sie in ihren Hütten eigene thönerne Feuerbetten angebracht. Dieselben bestehen aus thönernen Bänken, die inwendig hohl sind; hierin wird Feuer gemacht und so gewähren sie dem darauf liegenden, der die schroffe Hitze durch Felle und Matten dämpft, eine angenehme Wärme.
Einer der Hauptstämme ist der der Bolo-Neger, aber je mehr man nach dem Süden kommt, desto verschiedener werden die Bewohner, was Sprache anbetrifft, und fast täglich hat man einen anderen Stamm vor sich. Schon der Umstand, daß sie mich als ersten Weißen unbehelligt ihr Gebirge durchziehen ließen, spricht zu ihren Gunsten. Allerdings machte auf sie das Erscheinen eines Weißen den größten Eindruck, und sie bekundeten das dadurch, daß häufig Männer und Frauen herbeikamen, um mich zu befühlen, ob ich auch wirklich aus Fleisch und Blut sei, oder daß die ganze Jugend eines Ortes hinter uns drein zog und "Thoraua, Thoraua" (Weißer, Weißer) rief; aber nirgends war irgend von einem feindseligen Worte, geschweige einer beleidigenden Handlung gegen mich die Rede. Im Gegentheil, oft gab man mir zu verstehen, ich möchte doch bald nach ihren Gegenden zurückkommen.
5. Höflichkeitsformen und Umgangsgebräuche bei den Marokkanern.
"Es ssalamu alikum" ist die allgemeine Begrüßung der Gläubigen, der Araber, und folglich aller Marokkaner, die der allein seligmachenden Kirche Mohammeds anhängen. "Alikum ssalam" ist die Antwort. Beiderseits muß der Gruß immer mit sichtbarem Ernste, mit einer gewissen Feierlichkeit ausgesprochen werden; ein freundlich lächelndes Gesicht würde man für ganz unpassend halten.