Was die Wärmeverhältnisse anbetrifft, so hatten wir diesmal sehr geringe Schwankungen. Während auf früheren Reisen in der Wüste im Winter eine Differenz von 30º beobachtet wurde, hatten wir diesmal im Februar, welcher sich als der kälteste Monat herausstellte, einen Unterschied, der bedeutend geringer war, wenig mehr als die Hälfte. Eine mittlere Zahl kann ich noch nicht aus meinen viermal täglich angestellten Beobachtungen geben. Aber im Februar hatten wir sieben Tage, wo das Thermometer unter Null war, und am 16. zeigte das Thermometer sogar -5°. Die größte Wärme, welche im Februar beobachtet wurde, betrug nicht mehr als 24° und dies nur an zwei Tagen. Auffallend war die Erscheinung eines dreitägigen Regens in der Libyschen Wüste, und zwar erstreckte sich dieser Regenfall über ein ziemlich großes Terrain: denn in Dachel und Farafrah hatte es an denselben Tagen auch geregnet, während man aber in dem dem Mittelmeere näher gelegenen Siuah keinen feuchten Niederschlag gehabt hatte. So war denn auch der Feuchtigkeitsgehalt der Wüste ein ungemein bedeutender und nur, wenn Südwind eintrat, zeigte sich plötzlich eine auffallende Trockenheit in der Atmosphäre. Leider mußten Untersuchungen über den Electricitätgehalt der Luft ausgesetzt werden, weil die magnetische Nadel des mitgenommenen Electrometers sich als zu schwach erwies; sie reagirte gar nicht. Aeußerst interessant waren die Untersuchungen über Ozongehalt, wie man sich aus den demnächst zur Veröffentlichung kommenden Beobachtungen Zittels wird überzeugen können. Je offener der Himmel war, und je entfernter wir von bewohnten Plätzen waren, desto mehr Ozon wurde bemerkt. Bei herrschendem Samum war äußerst wenig Ozon vorhanden.

Ich unterlasse es hier, ausführlich über die von uns angetroffenen Völker in den Oasen zu reden. Bekannt ist, daß die Bevölkerung von Siuah berberischer Herkunft ist. In Uah-el-Beharieh, Farafrah und Dachel ist zweifelsohne die Abstammung der Bewohner dieselbe, wie die der Fellahin im Nilthale; doch haben sich in Uah-el-Beharieh und Dachel einzelne Araber früher seßhaft gemacht. Hervorheben müßte ich noch, daß es Prof. Ascherson gelungen ist, nachzuweisen, daß nicht Farafrah die Oase Trinythis der Alten ist, sondern daß dieser Name mit der Oasis magna in Verbindung gebracht werden muß.

Was die archäologischen Ergebnisse anbetrifft, so beruhen dieselben auf genauen photographischen Bildern, welche die Expedition von den Tempeln in Chargeh und Dachel gemacht hat. Zu diesem Behufe mußte der Tempel in Dachel erst ganz vom Schutte und Sand ausgeräumt und zum Theil 50 Centner schwere Blöcke entfernt werden. Prof. Ebers in Leipzig, der die Güte hatte, die Bilder durchzusehen, hat auf den Tempelwänden von Dachel den Namen des Kaisers Vespasian gelesen und der berühmte Aegyptologe ist der Ansicht, daß die feineren Skulpturen von allgemeinen Künstlern hergestellt seien, während die gröberen von Dachelaner Steinhauern selbst ausgeführt worden wären. Viel ergiebiger und interessanter zeigten sich die Inschriften des Tempels von Chargeh. Wir sehen dort den opfernden König Darius, dem Ammon Libationen und Rauchopfer anbietend. Darius wird als Liebling des Ammon von "Heb" (dies der alte Name für Chargeh) bezeichnet, auch ein bisher Ebers unbekannter Vorname des Darius, "Basetut", ist angeführt. Nach Ebers wurde der Tempel von Chargeh erst nach dem Tode Darius vollendet; daher die vielen leeren Königsschilder, welche ursprünglich für den Namen des Darius bestimmt waren. Die sehr interessanten Inschriften, schrieb mir Ebers, beweisen, daß das ganze ägyptische Pantheon, Ammon an der Spitze, in der Oase verehrt wurde, daß dort eine ägyptische Priesterschaft mit reichlicher Versorgung dem Cultus vorstand, daß Chargeh Heb hieß, daß Darius als König Aegypten und wahrscheinlich auch die Oasen besucht hat. Daß auf einer der Platten, welche in Kairo Brugsch vorgelegt wurde, dieser Gelehrte den alten Namen der Hauptstadt der Oase Dachel als "Mondstadt" bezeichnet fand, glaube ich schon mitgetheilt zu haben.

In Betreff der Ausbeute der mich begleitenden Fachgelehrten kann ich noch nichts Detaillirtes mittheilen. Indeß gereicht es mir zur Freude, sagen zu können, daß die botanischen Ergebnisse des Prof. Ascherson keineswegs so gering gewesen ist, wie wir fürchteten. Gab es auch manchmal ganz vegetationslose Strecken, so boten aber gerade die Oasen in der Zeit, als wir dort waren, ein um so reicheres Pflanzenleben. Prof. Jordan hat alle wichtigen Punkte astronomisch bestimmt. Täglich wurden Breitenbestimmungen gemacht und die Declination der Magnetnadel notirt. Und was Zittel anbetrifft, so sind dessen Funde in paläontologischer Beziehung wahrhaft überraschend gewesen. Der Wahn der einförmigen Numinulitenformation, welche man früher für die ganze Libysche Wüste annahm, ist somit gründlich zerstört.

Dies die wissenschaftlichen Resultate der Expedition. Praktische hat dieselbe keine aufzuweisen, wenn nicht das bewiesen wäre, daß der Europäer in Afrika auch ohne Führer reisen kann, daß durch Mitnahme von eisernen Wasserbehältern man in der Wüste nicht blos Wege, wo Brunnen oder Wasserlöcher sind, zu nehmen braucht, sondern monatelang ohne solche existieren kann. Selbst die ausgedehnten Eisensrunde werden nie zu verwerthen sein, weil es in der Libyschen Wüste an zwei Bedingungen, sie zu verarbeiten, fehlt: Kohlen und Wasser. Aber praktische Resultate hat die Expedition auch nie erzielen wollen, und obschon dieselbe Kufra aus unüberwindlichen Hindernissen nicht erreichen konnte, wird nicht bestritten werden können, daß sie der Hauptsache nach ihre Aufgaben gelöst und auf alle Fälle in Anstrebung des vorgesteckten Zieles ihre Pflicht gethan hat.

Fußnoten:

[28] Noël ist der junge stattliche Afrikaner, welcher in Folge der Bestimmung Sr. Maj. des Kaisers von Deutschland in Lichtenfelde bei Berlin eine deutschen Begriffen entsprechende Bildung genoß, nun aber, da ihm das nördliche Klima nicht bekam, auf Befehl des Kaisers mit nach Aegypten ging, um dort noch eine weitere Ausbildung zu erhalten.

[29] Centralafrikanischer Volksstamm.

[30] Mandara ist eine Landschaft in Nordafrika, welche von einem eigenthümlichen Negervolke von übrigens ausgezeichneter Körperbildung bewohnt wird.

[31] Das ist eines jener Thränengläser, die sich oft in Gräbern der Alten bei Todtenurnen finden und worin angeblich die Hinterbliebenen den Verstorbenen ihre Thränen mitgaben.